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*** Book Club ***


 
bclub kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Vier Freundinnen lesen seit Jahrzehnten jeden Monat ein anderes Buch, um es dann zu besprechen. Und weil sie sich auch ausgerechnet „Shades of Grey“ aussuchen mussten, geht es in diesem Film um Sex.
 
Es hätte schlimmer kommen können. Sie hätten „Twilight“ lesen können. Dann ginge es um ältere Damen, die unbedingt Sex mit Vampiren haben wollten …
 
„Gilt das überhaupt als Buch?“
 
Diane (Diane Keaton) ist seit Kurzem Witwe. Vivian (Jane Fonda) ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und überzeugter Single. Sharon (Candice Bergen) ist Bundesrichterin und hat seit ihrer Scheidung vor 18 Jahren kein Interesse am anderen Geschlecht. Und Carol (Mary Steenburgen) leidet unter mangelnder Aufmerksamkeit ihres kürzlich pensionierten Ehemanns. Seit Jahrzehnten treffen die Damen einander einmal im Monat zu ihrem Buchclub. Der literarische Anspruch muss mit der Zeit stark nachgelassen haben. Denn ihr neues Buch des Monats ist „Shades of Grey“. Die Lektüre des Buches scheint bei jeder der Damen etwas auszulösen. Denn bald überdenken die Seniorinnen ihre Einstellung zu den wirklich wichtigen Themen des Lebens …
 
Im Laufe der letzten Jahre haben wir uns daran gewöhnt, in Komödien vor allem dumme Männer als Protagonisten zu sehen. So ist es schonmal eine erfrischende Abwechslung, wenn die Hauptfiguren in diesem Film alle intelligente Damen sind. Wenn diese dann auch noch von vier brillanten, verdienten Schauspielerinnen dargestellt werden, ist das ein weiterer Bonus.
 
 
Und Bill Holderman macht in seinem ersten Film als Regisseur das naheliegendste: Er lässt diese vier Brillanten glänzen. Drehbuch, Regie, Ausstattung, Nebendarsteller, … all das bildet nur die Fassung für diese vier Edelsteine. Und so besteht der Film fast ausnahmslos aus Szenen, in denen die vier Damen munter drauflos plappern. Mal miteinander, mal mit anderen, in einigen Szenen sogar mit sich selbst. Diese Dialoge werden von den vier Vollblutkomödiantinnen großartig serviert. Und so merkt man als Zuseher kaum, wie klischeehaft das alles ist. Wenn man aber genau aufpasst, merkt man schnell, wie alle vier Handlungsstränge nichts anderes bieten als die typischen Verwicklungen, die wir schon in unzähligen romantischen Komödien gesehen haben.
 
Die forsche Vivian hat zwar jede Menge Sex, vermeidet aber jede Intimität. Als eine alte Liebe (Don Johnson in seiner besten Rolle seit langem) ihr genau diese Intimität bietet, ist sie überfordert und geht auf Distanz. Die verwitwete Diane verliebt sich in einen gutaussehenden, wohlhabenden Piloten (Andy Garcia, der nach „Mamma Mia“ wohl ein neues Rollenfach für sich entdeckt hat), dieser erwidert ihre Gefühle und die überforderte Diane geht auf Distanz. Sharon entdeckt das Internet-Dating für sich, hat gleich beim ersten Date heißen Sex auf dem Parkplatz (Richard Dreyfuss in einer kleinen, aber feinen Nebenrolle), ist davon überfordert und deaktiviert ihren Account in dem Dating-Forum. Nur Carol ist nicht überfordert und geht auch nicht auf Distanz. Obwohl das ihrem Mann sicher lieber wäre. Der bekommt von seiner Frau nämlich unwissentlich gleich zwei Viagra ins Bier gekippt und gerät in diesem „Zustand“ in eine Polizeikontrolle. Craig T. Nelson verdient für diese Szene die „Ich-bin-mir-für-nichts-zu-schade“-Ehrenmedaille der Schauspielergewerkschaft.
 
„Du hast keine traurige Geschichte, weil Du reich bist“
 
All diese Verwicklungen mögen halbwegs lustig sein. Mit dem tatsächlichen Alltag von Senioren haben sie rein gar nichts zu tun. Gerade in den USA, wo selbst Angehörige der gehobenen Mittelschicht in den letzten Jahren teilweise erhebliche wirtschaftliche Probleme zu bewältigen haben, stellt sich in diesem Film nie die Frage, ob sich eine Witwe nach dem Tod des Mannes das große Haus im Nobelvorort und die Flugreisen zu ihren Kindern überhaupt leisten kann. Und der pensionierte Ehemann hat auch keine anderen Sorgen, als Teile für die Restauration seines alten Motorrads zu besorgen (für die Leser, die sowas zu würdigen wissen: Honda CB 750 Four aus den 70er Jahren! Wunderschön). Niemand in diesem Film hat irgendwelche echten Sorgen. Zumindest keine, die man nicht lösen könnte, in dem man mal zwei Minuten in Ruhe nachdenkt.
 
01 ©2018 SquareOne Entertainment02 ©2018 SquareOne Entertainment03 ©2018 SquareOne Entertainment04 ©2018 SquareOne Entertainment
 
Und Bill Holderman macht in seinem ersten Film als Regisseur das naheliegendste: Er lässt diese vier Brillanten glänzen. Drehbuch, Regie, Ausstattung, Nebendarsteller, … all das bildet nur die Fassung für diese vier Edelsteine. Und so besteht der Film fast ausnahmslos aus Szenen, in denen die vier Damen munter drauflos plappern. Mal miteinander, mal mit anderen, in einigen Szenen sogar mit sich selbst. Diese Dialoge werden von den vier Vollblutkomödiantinnen großartig serviert. Und so merkt man als Zuseher kaum, wie klischeehaft das alles ist. Wenn man aber genau aufpasst, merkt man schnell, wie alle vier Handlungsstränge nichts anderes bieten als die typischen Verwicklungen, die wir schon in unzähligen romantischen Komödien gesehen haben.
 
Die forsche Vivian hat zwar jede Menge Sex, vermeidet aber jede Intimität. Als eine alte Liebe (Don Johnson in seiner besten Rolle seit langem) ihr genau diese Intimität bietet, ist sie überfordert und geht auf Distanz. Die verwitwete Diane verliebt sich in einen gutaussehenden, wohlhabenden Piloten (Andy Garcia, der nach „Mamma Mia“ wohl ein neues Rollenfach für sich entdeckt hat), dieser erwidert ihre Gefühle und die überforderte Diane geht auf Distanz.
 
Sharon entdeckt das Internet-Dating für sich, hat gleich beim ersten Date heißen Sex auf dem Parkplatz (Richard Dreyfuss in einer kleinen, aber feinen Nebenrolle), ist davon überfordert und deaktiviert ihren Account in dem Dating-Forum. Nur Carol ist nicht überfordert und geht auch nicht auf Distanz. Obwohl das ihrem Mann sicher lieber wäre. Der bekommt von seiner Frau nämlich unwissentlich gleich zwei Viagra ins Bier gekippt und gerät in diesem „Zustand“ in eine Polizeikontrolle. Craig T. Nelson verdient für diese Szene die „Ich-bin-mir-für-nichts-zu-schade“-Ehrenmedaille der Schauspielergewerkschaft.
 
05 ©2018 SquareOne Entertainment06 ©2018 SquareOne Entertainment07 ©2018 SquareOne Entertainment08 ©2018 SquareOne Entertainment
 
„Du hast keine traurige Geschichte, weil Du reich bist“
 
All diese Verwicklungen mögen halbwegs lustig sein. Mit dem tatsächlichen Alltag von Senioren haben sie rein gar nichts zu tun. Gerade in den USA, wo selbst Angehörige der gehobenen Mittelschicht in den letzten Jahren teilweise erhebliche wirtschaftliche Probleme zu bewältigen haben, stellt sich in diesem Film nie die Frage, ob sich eine Witwe nach dem Tod des Mannes das große Haus im Nobelvorort und die Flugreisen zu ihren Kindern überhaupt leisten kann. Und der pensionierte Ehemann hat auch keine anderen Sorgen, als Teile für die Restauration seines alten Motorrads zu besorgen (für die Leser, die sowas zu würdigen wissen: Honda CB 750 Four aus den 70er Jahren! Wunderschön). Niemand in diesem Film hat irgendwelche echten Sorgen. Zumindest keine, die man nicht lösen könnte, in dem man mal zwei Minuten in Ruhe nachdenkt.
 
Ganz nebenbei bemerkt hat „Book Club“ so ziemlich die weißeste Besetzungsliste seit den Zeiten der UFA. Ich meine in Vivians Hotel mal einen afroamerikanischen Mitarbeiter gesehen zu haben. In einer Straßenszene war vielleicht mal ein asiatischer Passant zu sehen. Latinos gibt es in diesem Film, der im Südwesten der USA spielt, überhaupt keine. Man fragt sich, wer all die schönen Häuser sauber hält …?
 
Aber zurück zu den Hauptfiguren: Deren genaues Alter wird im Film an keiner Stelle erwähnt. Allerdings wird immer so getan, als wären die vier Damen in ihren Sechzigern. Das Gründungsfoto des Buchclubs zeigt die Stars als junge Frauen und soll in den achtziger Jahren aufgenommen worden sein. Vivien soll einige Zeit danach noch eine junge Frau gewesen sein, als sie ihre große Liebe abblitzen ließ. Jane Fonda war aber 1980 auch schon 43 Jahre alt. Mitte der Achtziger war sie also knappe 50 und damit definitiv älter als auf den Bildern, die im Film zu sehen sind. Candice Bergen ist mittlerweile 72 Jahre alt und ihr Filmsohn sieht aus, als müsse er sich noch nicht allzu lange regelmäßig rasieren. Diese und andere Ungereimtheiten können einem schon ein bisschen verwirren, in einem Film, der uns Geschichten über das Altern vermitteln möchte.
 
More than this …
 
Jane Fonda hat bereits zwei Oscars für „Klute“ und „Coming Home“ gewonnen. Sie bezaubert in diesem Film mit ihrer mitreißenden Energie und ihrer fantastischen Ausstrahlung. Leider leidet sie an dieser geheimnisvollen Krankheit, die so viele amerikanische Schauspielerinnen ab einem gewissen Alter befällt. Hauptsymptom sind veränderte Gesichtszüge, die diese Damen immer so erstaunt dreinschauen lassen. Selbst wenn gerade gar nichts Erstaunliches zu sehen ist …
 
Diane Keaton hat ihren Oscar vor mehr als vierzig Jahren für „Der Stadtneurotiker“ bekommen. Hier spielt sie eine Rolle, die sie bereits in so vielen Filmen gespielt hat, dass sie diese vermutlich selbst nicht mehr auseinanderhalten kann.
 
Aber es ist immer angenehm jemandem zuzusehen, der etwas tut, das er gut kann. Mary Steenburgen ist mit gerade mal 65 Jahren das Küken der Truppe. Deshalb hat sie ihren Oscar auch vor gerade mal siebenunddreißig Jahren für „Melvin & Howard“ bekommen. Sie zeigt in diesem Film so viel liebenswürdigen Charme, dass man komplett übersieht, wie furchtbar das ist, was ihre Figur ihrem Mann antut.
 
Candice Bergen hat noch nie einen Oscar gewonnen. Keine Ahnung, wie sie sich in diese Besetzung reingeschummelt hat. Allerdings war sie mal für „Starting Over“ nominiert und hat damals gegen Meryl Streep verloren. Vermutlich dachten sich die Produzenten, dass man gegen Meryl Streep nicht ankommen kann und haben sie deshalb mitmachen lassen. Ernsthaft; sie macht das Beste aus einer sehr schlampig geschriebenen Rolle und wirkt am ehesten wie eine echte, selbstständige, reife Frau. Man wünscht Frau Bergen sobald als möglich wieder einen Film mit einem richtigen Drehbuch, in dem sie zeigen kann, was sie draufhat.
 
Fazit
 
Ebenso wie es in „Shades of Grey“ nicht um realen Sex geht, zeigt uns „Book Club“ nichts vom tatsächlichen Leben älterer Menschen. Als romantische Episodenkomödie mit einer All-Star-Besetzung funktioniert der Film so halbwegs.
 
 
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