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***Sully***

 sully kritik
 
Autor: Vivien Neder
 
New York und Flugzeugkatastrophen - ein recht empfindliches Thema für die meisten Amerikaner. Bis zum 15. Januar 2009. An jenem Tag gelang Flugkapitän Chesley „Sully“ Sullenberger eine Notwasserung auf dem Hudson River. Und das ohne Opfer. Alle 155 Passagiere und Crewmitgleider an Bord des US Airways Fluges 1549 von LaGuardia nach Charlotte kamen mit dem Leben davon. Und Kaptiän „Sully“ wurde von allen als Held gefeiert. Wobei…, wirklich von allen?
 
Was fühlt ein Kapitän, der erfolgreich die Notwasserung einer vollbesetzten Passagiermaschine über einer der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt durchgeführt hat? Fühlt er sich als Held? Nagen Zweifel an ihm und an der Richtigkeit seiner Entscheidung? Ist er traumatisiert?
 
Kapitän Sullenberger (Tom Hanks) hat nach seiner Meisterleistung auf dem Hudson River mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen: Immer wieder plagen ihn Albträume, in denen er die Maschine nicht erfolgreich landet, sondern den Tod aller Insassen - und seinen eigenen - durch seine gewagte Entscheidung herbeiführt. Er träumt immer wieder von einem Crash.
 
Doch persönliche Angstzustände sind nicht sein einziges Problem: Das National Transportation Safety Board (kurz NTSB) untersucht den Fall eingehend und scheint sich dessen sicher zu sein, dass der Kapitän falsch gehandelt hat. Das wiederum wäre das schmachvolle Ende der Karriere jenes Piloten, der von den Medien und vom amerikanischen Volk als Held gefeiert wurde.
 
 
Wenn die Stewardessen - „Brace for Impact“ brüllen
 
Viele Menschen dürften ein ähnliches Gefühl beim Betreten eines Flugzeuges haben. Es ist natürlich ein sehr sicheres Transportmittel (viel sicherer als Autofahren, nicht wahr? Das zumindest führt man sich beim Einsteigen in ein Flugzeug gerne mal vor Augen, um sich selbst zu beruhigen…) aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Dass man dann vor Panik „austicken" möchte, wenn die Motoren in Brand geraten und die Stewardess einen auffordert, sich für den Aufprall bereit zu machen, dürfte klar sein. Die Erleichterung nach einem solchen Absturz, wenn man ihn überlebt hat - wenn ALLE ihn überlebt haben - ist vermutlich unermesslich.
 
Tom Hanks hat immer wieder ein gutes Händchen für interessante Filme bewiesen. Auch dieses Mal. Er spielt den Kapitän ruhig und der Situation überlegen (zumindest nach außen hin). Man leidet mit ihm, wenn die Alpträume darüber kommen, was alles hätte passieren können. Vor allem die Alpträume darüber, was alles hätte schief laufen können. Auch schafft er es, jene innere Haltung auszustrahlen - das Verständnis der Verantwortung für so viele Menschenleben - die den echten Sully zum Helden macht.
 
Aaron Eckhart als Erster Offizier Jeffrey Skiles an seiner Seite spielt gut, so wie immer, liefert aber nichts besonderes. Er unterstützt Tom Hanks, auf dessen Schultern der Film logischerweise ruht. Was soll er auch sonst tun?
 
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Terrain, Terrain, pull up
 
Ist er nun ein Held oder nicht? Die Sichtweise auf die Tat eines einzelnen kann ganz unterschiedlich sein. Während die einen den Held feiern, haben die anderen die finanziellen Konsequenzen des Verlustes eines Flugzeuges zu tragen. Das Untersuchungskomitee, das von der NTSB im Fall Sullenberger beauftragt wurde, kommt in „Sully“ nicht so gut davon. Sämtliche Repräsentanten des NTSB scheinen sich gegen Sullenberger zu wenden. Eine solche Haltung bedient natürlich die Annahme, dass nach einer großen Tat die „Geier“ hervorkommen und den Helden in seine Einzelteile zerpicken wollen.
 
Inwiefern dies bei Kapitän Sullenberger tatsächlich der Fall war, oder ob der Film im Dienste der dramatischen Wirkung übertreibt, ist schwer zu beurteilen. Allerdings wird so ein Effekt der Spannung kreiert, da dem erfolgreichen Helden nach seiner überragenden Leistung die Vertreter der Realität gegenüberstellt werden, die seine fast schon goldene Reputation zerstören und seine Laufbahn beenden könnten.
 
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The Miracle of the Hudson
 
Clint Eastwood schafft es, in „Sully“ das Interesse des Zuschauers zu halten, obwohl der Ausgang des Films im Grunde genommen bekannt ist. Jeder, der am 15. Januar 2009 Zugang zu Medien hatte, dürfte die Geschehnisse zumindest mit halber Aufmerksamkeit mitverfolgt haben.
 
Nüchtern erzählt, wird dem Kapitän, der in einer lebensbedrohlichen Lage einen kühlen Kopf bewahrt und sein sinkendes Flugzeug als letztes verlässt, alle Ehre erwiesen. Gerade weil es sich um eine wahre Begebenheit handelt, empfindet man für diesen Helden viel mehr Respekt als vor einem Szenario, das sich Hollywood-Schreiber aus den Fingern gesogen haben. Ein höchst interessanter und sehenswerter Film.
 
 
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