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*** Ich war noch niemals in New York ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Ist es überhaupt ein Musical, wenn man nur alte Schlager mit einer hanebüchenen Handlung verknüpft? Und ist es überhaupt ein Film, wenn man das dann mit geringen technischem Aufwand von der Bühne auf die Leinwand überträgt?
 
Vielen Dank für die Blumen
 
Die ersten Minuten von Philipp Stölzls („Der Medicus“) neuem Film verheißen nichts Gutes. Ohne jedes erkennbare Gespür für Komik führt uns Stölzl die übelsten Rollenklischees aus der Klamottenkiste vor: da sind die zickige Karrierefrau, der schwule Maskenbildner, der wütende Boss, die anhängliche Mutter und die fleißige Assistentin. Im weiteren Verlauf des Films lernen wir noch den Griechen mit der behaarten Brust kennen aber auch die schmierigen Gigolos und den verklemmten Professor.
 
Klischeehafter als die Figuren fällt nur noch die Handlung aus. Was Gabriel Barylli („Butterbrot“) sich zusammen mit drei Ko-Autoren aus dem Ärmel geschüttelt hat, reicht als Story vielleicht für eine Episode einer mittelmäßigen deutschen Sitcom. Wieso sollte man sich also die Entsprechung einer Folge von „Atze“ oder „Pastewka“ ansehen, in der einige mehr oder weniger verdiente deutsche Schauspieler mehr oder weniger gute Karaoke-Darbietungen aufführen?
 

 
Na, weil das Ganze dann doch recht irgendwie recht nett ausgefallen ist. „Ich war noch niemals in Ney York“ ist sicher kein guter Film. Dazu wirkt Stölzls Regie einfach zu schablonenhaft und plump. Dazu sind die Sets einfach zu billig und zu klein ausgefallen. Dazu ist es zu offensichtlich, dass das in New York spielende Finale zum großen Teil leider „niemals in Ney York“ gedreht wurde. Dazu sind die meisten Gags einfach zu lahm. Dazu zieht sich die Handlung zu lange hin.
 
Alles, was gut tut
 
Fast alles an diesem Film ist mittelmäßig. Und was nicht mittelmäßig ist, ist leider ziemlich schlecht. Aber zwei Dinge sprechen für diesen Film: Da ist zum einen natürlich die Musik von Udo Jürgens. Die Lieder des verstorbenen Meisters waren immer großartig, hatten immer eine Qualität die weit über dem Durchschnitt dessen lag was man so als „Schlager“ bezeichnet. Und diese Lieder werden immer großartig bleiben. Selbst wenn sie von verschiedenen Schauspielern in unterschiedlicher Qualität dargeboten werden.
 
Und so kommen wir zum zweiten Pluspunkt dieses Films: Der Besetzung. Wir wissen nicht erst seit „Hilde“, dass Heike Makatsch singen kann. Aber sie kann nicht bloß singen, sie kann auch tanzen. Sie kann herumwirbeln und das Publikum verzaubern. Sie kann lächeln, dass der verklemmte Professor natürlich gar nicht anders kann als sich sofort in ihre Figur zu verlieben.
 
Den Professor gibt Moritz Bleibtreu („Elementarteilchen“). Und natürlich ist er ein viel zu guter Schauspieler für diese klischeehafte Rolle. Dafür ist er ein viel zu schlechter Sänger für diesen Part. So gleicht sich das wieder aus. Und was soll es, wenn Bleibtreus Gesangskünste nicht ganz aber fast an die von Pierce Brosnan erinnern? In seinen Szenen mit Heike Makatsch entwickeln die beiden eine fantastische Chemie. Wenn sie zusammen singen und tanzen wünscht man ihren Figuren das ganz große Glück. Und den beiden Darstellern wünscht man einen besseren Regisseur und ein größeres Studio. Selten waren zwei Schauspieler so offensichtlich zu gut für einen Film.
 
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Katharina Thalbach („Die Blechtrommel“) spielt am Anfang des Films eine liebe alte Dame. Wenn sie dann – mit 65 Jahren – plötzlich zur sexy Liebhaberin wird, ist das beeindruckend. Was ihr beim Singen an Stimme fehlt, gleicht sie mit Herzlichkeit und Spielfreude wieder aus.
 
Warum Michael Ostrowski („Schlawiner“) für seine Rolle eines schwulen Maskenbildners Michel Serraults beinahe vergessene Darstellung aus „Ein Käfig voller Narren“ wieder aufgewärmt hat, ist unklar. Ein besserer Regisseur hätte ihn davon abgehalten. Ostrowski ist sicher kein Sänger und wird wohl auch keiner mehr werden.
 
Uwe Ochsenknechts Darstellung eines alternden Eintänzers ist eine weitere Überraschung des Films. Er spielt nie annährend so übertrieben wie sein Kollege Mat Schuh. Die noch größere Überraschung ist aber Ochsenknechts Gesangstimme. Die klingt sehr gut. Sogar verdächtig gut für jeden der mal seine CD aus dem Jahr 1992 gehört hat. Aus rechtlichen Gründen möchte ich aber betonen hier weder „Autotune“ noch die Möglichkeit eines unbekannten „Synchronsängers“ erwähnt zu haben.
 
Die großartige Andreja Schneider von den „Geschwistern Pfister“ in dem Film auftreten und dann kein einziges Mal allein singen zu lassen, ist der größte von vielen Fehlern dieses Films. Und in diesem Film fährt immerhin ein Schiff mal von links nach rechts und dann von rechts nach links durchs Bild, obwohl es doch die ganze Zeit nur in die gleiche Richtung unterwegs ist.
 
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Fazit
 
„Ich war noch niemals in New York“ ist weniger ein Film als eine Karaoke-Show mit Rahmenhandlung. Gerettet wird das Ganze nur von einem Ensemble dessen gute Laune ansteckend wirkt. Und natürlich von der Musik des Meisters. Dafür sagen wir „Merci, Udo“.
 
 
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