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***Schloss aus Glas***

 
sag kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Das Drama „Schloss aus Glas“ basiert auf den erfolgreichen Memoiren von Jeanette Walls, die damit ihre eigene Vergangenheit bewältigt und versucht hat, mit ihrem ungewöhnlichen Großwerden zurechtzukommen.
 
Es ist ein interessanter Film, der nicht auf simple Schwarzweißzeichnung setzt, sondern dem Schlechten auch das Gute gegenüberstellt. Großartig gespielt ist das von Woody Harrelson, während Brie Larson eher zurückhaltend agiert.
 
Ein ungewöhnliches Leben
 
Jeannette Walls (Brie Larson) hat es geschafft. Sie ist als Journalistin erfolgreich und mit einem Banker verlobt. Ihr Leben könnte perfekt sein, wären da nur nicht ihre Eltern – und die Erinnerungen an ihre Kindheit. Denn ihr Vater Rex (Woody Harrelson) ist ein nonkonformistischer Mensch, der mit seiner Frau Rose Mary (Naomi Watts) mit den Kindern ständig umgezogen ist. Immer dann, wenn er seinen Job verloren oder mit den Behörden Ärger bekommen hat.
 
Die Kinder gingen nicht zur Schule, stattdessen brachte Rex ihnen bei, was nur das Leben lehren kann. Aber er ist auch ein Trinker, der nur zu gerne vergisst, auf seine Familie acht zu geben. Und er ist ein Träumer, der seinen Kindern von einem Schloss aus Glas vorschwärmt, das er bauen will, das aber letztlich nie Gestalt annimmt. Derweil verbringt die Familie ihr Dasein in bitterlicher Armut.
 
 
Nun, da Jeanette sich von diesem Leben freigestrampelt hat, muss sie sich fragen, wie sie ihren Eltern noch begegnen kann – und ob ihr jetziger Weg wirklich der Richtige ist.
 
Zwei Welten
 
Im Grunde ist Rex kein sympathischer Mensch. Das gilt auch für seine Frau. Sie vernachlässigen ihre Kinder, lassen sie hungern, schicken sie nicht zur Schule, leben in verwahrlosten Zuständen, aber man merkt ihnen schon an, dass sie ihre Kinder lieben. Das ist das Zwiespältige an dieser Geschichte, denn Rex und Rose Mary sind im Grunde Rabeneltern, deren Kinder als Erwachsene überhaupt nur ein normales Leben führen konnten, weil sie sich selbst gerettet haben.
 
Daraus entsteht der Konflikt, weil Rex, der das System und alles, was damit zusammenhängt, verabscheut und auf eine erwachsene Tochter trifft, die Teil davon ist.
 
Es stellt sich die Frage, welcher Lebensstil besser, welcher echter ist. Die Wahrheit ist: Keiner davon. Es ist eine Frage der persönlichen Wünsche und Vorstellungen. Falsch wird ein Lebensstil nur, wenn er anderen aufgezwungen wird. Darum haben die Walls-Eltern auch versagt, weil sie in ihren Wünschen egoistisch waren. Das arbeitet der Film sehr gut heraus, vergisst dabei aber nicht, auch die Kraft und die Macht der Vergebung zu zeigen, denn was auch immer geschieht, diese Menschen sind eine Familie.
 
Es ist ein starker Moment, als Jeanette sich weigert, Rex in seinen letzten Tagen noch einmal aufzusuchen. Ihr Bruder erinnert sie daran, dass nicht alles schlecht war. „Er hatte seine Momente“, sagt er und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

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Ein Träumer
 
Man kann argumentieren, dass Rex Walls seinen Kindern ein reicheres Leben geschenkt hat, als es mit Geld aufzuwiegen wäre. Weil er ihnen ein Lebensgefühl beschert hat, das selten geworden ist. Aber auch, weil er ein großer Träumer war. Sicher, ultimativ konnte er keinen seiner Träume verwirklichen, aber das schmälert nicht ihre Kraft. Auch und gerade, weil es einen starken Moment gibt, der zeigt, dass sie niemals wahr werden können, weil er nicht in der Lage ist, sie zu verwirklichen: Als er vor dem alten Haus den Graben für ein Fundament aushebt und Jahre später nur noch Müll darauf liegt.
 
Dem gegenüber stehen die Momente innigen Glücks, die es in dieser Familie auch gegeben hat. „Schloss aus Glas“ macht es sich, aber auch dem Zuschauer nicht leicht, weil er kein Urteil fällt, sondern Platz zur Diskussion lässt.

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Fazit
 
„Schloss aus Glas“ ist ein großartig erzähltes Drama, das auf zwei Zeitebenen erzählt ist. Die jungen Schauspieler rund um Woody Harrelson und Naomi Watts sind hervorragend. So sehr, dass die erwachsene Version von Jeanette, gespielt von Brie Larson, sogar etwas schwächer wirkt, was aber auch daran liegt, dass die Rolle in ihren späteren Jahren zurückhaltender angelegt ist.
 
Im Kern ist es eine Geschichte darüber, wie man sich selbst verwirklicht und seinen Träumen folgt, egal, ob diese wahr werden oder nicht. Und das wiederum ist eine schöne Botschaft.
 
 
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