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***Dirty Grandpa***

dgrandpa kritik
 
Autorin: Angelika Wessbecher
 
Das hätte Jason (Zac Efron) seinem Opa Dick Kelly (Robert de Niro) wirklich nicht zugetraut: Just einen Tag nach dem Tod der Großmutter, mit der jener 40 Jahre lang anscheinend glücklich verheiratet war, erwischt ihn sein Enkel beim Pornoschauen und einem wüsten Saufgelage.
 
Als wäre dem nicht genug, überredet Opa den eher sittsamen Jason kurz vor dessen Hochzeit auch noch zu einer Spritztour nach Daytona Beach in Florida , um dort beim „Spring Break“ so richtig auf den Putz zu hauen.
 
Generationenkonflikt und Frühlingsgefühle
 
„Dirty Grandpa“ ist ein Roadmovie, das geschickt mehrere Handlungsstränge miteinander verknüpft. Die innige Beziehung zwischen Dick und Jason wird schon im Vorspann angedeutet. Darin zeigt sich, dass wie so oft Großeltern und Enkel sich einander näher stehen als Eltern und Kinder, auch wenn der unter der Fuchtel seines Vaters stehende Jason zunächst völlig schockiert über die Frühlingsgefühle seines Großvaters ist.
 
Während des unfreiwilligen Junggesellenabschieds mit Opa zeigt sich immer deutlicher, dass Jason im Begriff ist, eine verfehlte Ehe einzugehen, und als Anwalt einen Beruf gewählt hat, der seinen eher künstlerischen Neigungen entgegensteht. Meredith (Julienne Hough), die zukünftige Braut von Jason ist eine herrschsüchtige Perfektionistin, die ihm bereits einen Job in der Anwaltskanzlei ihres Vaters gesichert hat.
 
Nur haben sie haben sie die Rechnung ohne Opa gemacht. Der Plot lebt von einer kompletten Rollenumkehr der Generationen. Hier der vorzeitig vergreiste Enkel und dort der völlig hyperaktive sexbesessene jugendliche Opa. Somit sind die Reibungsflächen für einen burlesken, phasenweise völlig abgedrehten Actionfilm angelegt.
 
 
Pointenreiches Drehbuch und Top-Regie
 
John M. Phillips hatte sein pointenreiches Drehbuch dem Produzenten Barry Josephson unaufgefordert zugeschickt. Mit Erfolg, denn dieser konnte wohl beim Lesen gar nicht mehr mit dem Lachen aufhören. Es basiert phasenweise auf den Erinnerungen an den eigenen offenbar recht lebenslustigen Großvater des Autors, und viele von dessen wenig jugendfreien Sprüchen sind in den Film eingegangen.
 
Mit dem Regisseur Dan Mazer („Brüno“, „Der Diktator“ und „Borat“) wurde ein erfahrener Fachmann für schräge Komödien gefunden. Wenn Mazer seine Truppe während des Drehs von der Leine ließ, toppte diese wohl immer wieder die vorgegebenen Gags und improvisierte manchmal bis zu 20 Minuten – und das scheinbar so überzeugend, dass der Regisseur diese spontanen Einlagen im Film beließ.
 
Wilde Partys und rasante Actionszenen
 
Die Szenerie entführt den Zuschauer aus der geleckten Fassade der amerikanischen Oberschicht in die Welt der zügellosen Strandpartys, Drogenhändler und Knäste im Süden der USA. Dazwischen gibt es jede Menge rasante Actionszenen und Verfolgungsjagden mit bunten Hippieautos und Polizeiwägen. Auf ihrem Trip treffen Großvater und Enkel auf drei Mädchen Shadia , Leonore und Bradley die in Daytona Beach ihren Schulabschluss feiern. Während Dick ein Auge auf die wilde Leonore (Aubrey Plaza) geworfen hat, bringt Shadia (Zoey Deutch) die Heiratspläne von Jason ins Wanken.
 
„Dirty Grandpa“zeigt die Kehrseite eines prüden Amerikas mit orgiastischen Massenszenen und besessenem Dauer-Dirty Talking. Das ist dick aufgetragen und phasenweise ermüdend. Dementsprechend polarisierte der Film die US-Kritiken. Während einige die konsequenten Tabubrüche feierten, äußerten sich andere gelangweilt über den Dauerbeschuss mit sexuellen Turnübungen und Crackwolken.
 
Doch in der bisweilen atemlosen und lärmenden Handlung scheinen immer wieder verhaltene Momente auf, die von den authentischen Beziehungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Hauptakteure zeugen. Die Stärken des Films bestehen darin aufzuzeigen, wie sich die Lebenslügen der Akteure entlarven. Etwa, dass Opa damals alles andere als ein seriöser College-Professor war. Und wie Jasons Tugendpanzer langsam bröckelt, nachdem ihm Großvater seine Hochzeit gründlich vermasselt hat und er in der freiheitsliebenden Shadia ein passendes Pendant findet.
 
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Spitzenschauspieler von der Rolle
 
Schon während Phillips sein Drehbuch schrieb, hatte er beständig Robert de Niro (Jg. 1943) für die Hauptrolle im Kopf und freute sich, dass dieser umgehend zusagte. Der zweifache Oscarpreisträger und Held von „Taxi Driver“ (1976) war die letzten Jahre gut im Geschäft (zuletzt in der Komödie „Man lernt nie aus 2015) und machte auch mit seinen eigenen Firma „Tribeca Productions“ von sich reden.
 
Als Dick Kelly bringt er eine beachtliche Schlagfertigkeit mit -als würde er permanent unter Speed stehen- und die nötige Gelenkigkeit für seine zahlreichen Stunts und Sexszenen. Und er stiehlt den Youngsters im Hexenkessels des „Spring Breaks“ allemal die Show.
 
Teenie-Schwarm Zac Efron (Jg. 1987) war begeistert, sich als Jason Kelly an der Seite des Megastars de Niro bewähren zu können. Er wurde bekannt durch das „Higschool-Musical“ von 2006 und war 2015 zuletzt mit „“We are your friends“ erfolgreich in den Kinos vertreten. Zac Efron verkörpert glaubhaft die Wandlung vom zugeknöpften Milchbubi zu einem lebendigen kreativen jungen Mann und steht auch für die leiseren poetischen Momente des Films.
 
Zoey Deutch, die sich unter anderem auch schon als Sängerin und Designerin hervortat, spielt als Shandia ein zartes seelenvolles Hippiemädchen und entspricht dem musischen Jason allemal mehr als die toughe ehrgeizige Meredith, deren unsympathische Rolle von Julianne Hough mit routiniertem Verve absolviert wird.
 
Aubrey Plaza spielt als Leonore mit aufreizender Lazivität eine sexbesessene Abiturientin, die am Ende dem Film zu einer überraschenden Wende verhilft.
 
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Fazit
 
„Dirty Grandpa“ ist alles in allem ein temporeicher Film mit tollen Akteuren und spektakulären Schauplätzen, dem eine gewisse Entschleunigung und der Verzicht auf die eine oder andere Ballermann-Szene nicht geschadet hätte.
 
 
 
 
 
 
 
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