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*** The Favourite: Intrigen und Irrsinn ***


tfiui kritik
 
Autor: Allan F
      
Eine Königin, zwei Konkurrentinnen und der Weg zur Macht. Klingt nach altem ...
 
... Schinken, aber hier steckt noch mehr drin...
 
Liebe, Hass und die Frauen Wir schreiben das frühe 18.Jahrhundert. England liegt im Krieg mit Frankreich. Die umstrittene Anne Stuart (Olivia Colman) ist Königin auf dem britischen Thron. Ranghöchste Dame am Hof ist Sarah Churchill (Rachel Weisz), die nicht nur in der Politik, sondern auch in den Privatgemächern der Queen, ihren Einfluss und Machthunger spielen lässt. Neu am Hof der Königin ist Abigal (Emma Stone), vom Stand einer Lady zu einer einfachen Magd degradiert, sucht sie im Zentrum der Macht wieder nach dem Aufstieg innerhalb der feinen Gesellschaft. Die Dekadenz dort tobt, während das britische Volk stark unter dem Kriegstreiben zu leiden hat.
 
Lady Sarah nimmt sich Abigail an, die schnell selbst erfährt, wer hinter den Kulissen wirklich die Fäden in der Hand hat. Während Sarah für ihre geliebte, aber seelisch verkrüppelte Queen alles tut und die eigentliche Monarchin hinter der Monarchin ist, schaltet und waltet in Englands Namen, wittert Abigail ihre Chance, der Königin und ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Als Sarah ihren wahren Absichten auf die Schliche kommt, entbrennt ein unerbittliches Duell um Macht, Reichtum und Liebe…
 
Bis hierhin mal kurz den Plot zusammengefasst. Allein hier könnte man schon abschalten und den Film direkt als bloßes Kostüm-Drama abtun, aber die historischen Fakten und die „Nägel-auf-der-Schiefertafel“-Inszenierung des Stoffes von Regisseur Yorgos Lanthimos lassen dieses Stück Historie zu einem blanken Alptraum im Reifrock werden. Eine sündhafte Dreiecks-Beziehung im züchtigen Großbritannien, die maßgeblich die Geschichte Englands geprägt hat. Dass die besten Drehbücher das Leben schreibt, ist mit „The Favourite“ wieder mal bewiesen worden. Für den ganzen geilen Rest sorgt Mr. Lanthimos…
Barry Lyndon 2001
Die ersten fünf Minuten des Filmes laufen und ich habe das leichte, aber gute Gefühl, ein wenig von Altmeister Stanley Kubrick zu entdecken. „Barry Lyndon“ kommt mir immer wieder in den Sinn, aber auch „Clockwerk Orange“. Die Geschichte ist englisch, die Ländereien sind natürlich englisch, die Anwesen und Bauten auch. Im Inneren ist es tiefschwarz, wenn es keine Kerze oder Leuchten gibt, alles nur mit natürlichem Licht gedreht. DP Robbie Ryan, hantiert lieber am Bild selbst, bläht die Räume unheilvoll auf oder verzerrt sie. Jedes Bild wirkt gewollt, wie gemalt, wie ein Gemälde aus der Barock-Epoche.
Wie Kubrick auch, hat Regisseur Lanthimos einen sehr eigenen Blick auf die Dinge und bringt diesen Blick in neuen Bildern auf die Leinwand. Ein Go-Pro-Wideshot durchs Fischauge in einem britischen Adels-Drama? Eigentlich undenkbar, aber Ryan und Lanthimos überzeugen, dass es geht. Und auch noch verdammt gut passt. Man muss die Augen erstmal daran gewöhnen, aber filmisch wird hier die Paranoia, die Liebe, die Lust und der Hass, sowohl in Plot, als auch in Bild, auf den Siedepunkt gebracht. Und nebenbei werden wirkungsvoll die Standards solcher Genrefilme auf den Kopf gestellt. Danke, Yorgos Lanthimos!
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Eyes wide shut shining
Von den Lobeshymnen auf das Äußere will ich gleich auch zum Inhalt kommen. Wie gesagt, kein besseres Skript als das Leben, denn hier gibt es alles, was einen guten Thriller ausmacht plus die Realität, die einen über den Rand der Leinwand hinaussehen lassen. Ein Land in der Krise, eine tieftraurige Königin und die menschlichen Abgründe hinter der Fassade der Geschichte. In einer Headline: Im Zentrum die Queen of England, ihre Liebhaberin und Beraterin und eine gefallene Lady mit eigener Agenda. Skandalöser geht es kaum.
Was diese Frauen verbindet, ist ihre Stärke zu Überleben in einer männerdominierten Welt. Was sie anzieht, ist was sie durchgemacht und miteinander teilen. All diese Facetten, die jede Figur dort hingetrieben hat, wo sie schlussendlich steht, werden nach und nach klar. Was aber alle gemeinsam am Ende in den Abgrund reißt, ist die Liebe in einer lieblosen Welt. Und so wehren sich die drei Frauen mit Allem gegen Alles, was ihrem Glück im Weg steht.
Nebenbei bemerkt: Deborah Davis, die das Drehbuch schrieb, hatte das Skript bereits 1998 verfasst, aber bis heute schien es zu schwierig, lesbische Beziehungen, vor allem in diesem Zusammenhang, und eine Story mit drei Frauen in der Hauptrolle auf die Leinwand zu bringen. Allein daher ist die Geschichte im Kern schon aktueller denn je. Aber ich schweife ab…
Deprimierender geht’s kaum, aber man kann nicht wegsehen. Colman, Weisz und Stone bringen vollen Einsatz in ihrer Rolle. Olivia Colman voran. Die britische Schauspielerin überzeugt als von Krankheiten geplagte, extrem wankelmütige Queen Anne in allen Szenen. Ihre fast schon kindischen Züge wechseln blitzschnell zu Melancholie zu angsteinflößendem (Fast-)Wahnsinn. Weisz als „schwarze Witwe“ des britischen Empires absolut brilliant. Emma Stone schwimmt manchmal im Akzent, aber nach Netflix-Kracher „Maniac“ ihre beste Performance für mich als die spröde, aber absolut tödliche Abigal. Der Rest war schön anzusehen, keine Einwände, aber um mehr geht es hier auch nicht. Aber ein bisschen Geschichtsunterricht dazu schadet überhaupt nie…
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Fazit
 
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass die vorherigen Filme von Yorgos Lanthimos „The Lobster“ und „The Killing of a Sacred Deer“ schon länger auf meiner Liste standen, aber ich bin jetzt noch nicht dazu gekommen bin. Daher war „The Favourite“ am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann war ich absolut überzeugt: Der Regisseur kann echt was.
 
Als ich mir dann noch „The Lobster“ im Nachgang zu Gemüte geführt habe, wusste ich noch mehr, warum ich „The Favourite“ irgendwie geil fand. Die Arbeit von Lanthimos und die Auswahl seiner Projekte machen absolut Eindruck in Bauch und Hirn und bin mir sicher, dass ich auch „The Killing of a Sacred Deer“ cool finden werde. Aber hier geht es um „The Favourite“ und dazu kann ich nur sagen: Wer wieder ungewöhnliches Kino, außergewöhnliche Stories und neue Wege in Licht, Bild und Ton erleben möchte, wird bei Lanthimos nicht enttäuscht. Hoffe ich jetzt mal…
 
 
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