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***Dalida***

 
dalida kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Iolanda Cristina Gigliotti war eine in Ägypten geborene, italienische Sängerin, die in Frankreich unter dem Namen „Dalida“ berühmt wurde. Sie war eine starke, moderne Frau und doch immer auch verletzlich.
 
Sie traf ihre eigenen, oft unkonventionellen Entscheidungen und ließ ihr Leben doch allzu oft von den Männern darin bestimmen. Der Film „Dalida“ der Regisseurin Lisa Azuelos versucht nun das abenteuerliche Leben der Sängerin zu zeigen. Das gelingt vor allem dank der fantastischen Hauptdarstellerin Sveva Alviti.
 
Wie inszeniert man ein Leben?
 
Dalidas Leben würde Stoff für mehrere Filme bieten. Dieser Film beginnt 1967 mit ihrem ersten Selbstmordversuch. Drehbuch und Inszenierung erzählen das Leben der Künstlerin sehr uneinheitlich. Die Eröffnungssequenz dauert 4 Minuten und zeigt bloß wie Dalida verreist und in einem Hotel eincheckt. Im Gegensatz dazu dauert die Sequenz in der sie und ihr Entdecker, Lucien Morisse, sich ineinander verlieben weniger als zwei Minuten.
 
In einer originellen Szene benutzt Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Azuelos einen Dreifachspiegel um die Ambivalenz der Heldin zu zeigen. Dann verteilt sie die einzelnen Lebensabschnitte weiter sehr ungleichmäßig über die Laufzeit des Films. Von der Beziehung zu dem Sänger Luigi Tenco wird nur die verhängnisvolle Teilnahme am Festival in San Remo gezeigt. Andererseits zieht sich die Beziehung zu Richard Chanfray fast über die gesamte zweite Hälfte des Films. Drehbuch und Regie machen es uns teilweise nicht leicht, Dalida sympathisch zu finden.
 
 
Die Beziehung zu dem sehr viel jüngeren Studenten Lucio hätte eine Episode werden können, in der eine moderne Frau selbst über ihre Beziehung und ihre Sexualität bestimmt. Leider funktionieren diese Szenen nicht richtig. Wenn Dalida sich den jungen Mann von einem Mitarbeiter zuführen lässt, wirkt das irritierend. Wenn sie dem Studenten später zum Abschied einen Scheck vom gleichen Mitarbeiter überbringen lässt, ist das nur noch unpassend.
 
Ein Leben voll Musik
 
In einem Film über das Leben einer Musikerin darf man auf den Soundtrack gespannt sein. Die Musikauswahl in „Dalida“ ist selten überraschend. Einen Selbstmord mit Dalidas französischer Version von „Bang Bang (My Baby shot me down)“ zu unterlegen ist zumindest fragwürdig. Der Einsatz von „Il venait d’avoir 18 ans“ (zu Deutsch „Er war gerade 18 Jahr“) während der Liebesszenen mit einem 18-jährigen Studenten ist sogar anachronistisch, weil das Lied erst einige Jahre nach der Affäre aufgenommen wurde.
 
Dalidas Männer
 
Jean-Paul Rouve durfte schon in „La vie en rose“ Erfahrung in einem Biopic sammeln. Hier spielt er Dalidas Entdecker und ersten Ehemann Lucien Morisse. Wenn wir als Zuseher nicht ganz nachvollziehen können, warum die junge Dalida ihn unbedingt heiraten will, ist das nicht die Schuld des Schauspielers.
 
Wegen des Malers Jean Sobieski verlässt Dalida ihren Mann nur einen Monat nach der Hochzeit und sorgt damit für einen Skandal. Das Drehbuch gibt dem jungen Niels Schneider in dieser Rolle nichts zu tun. Der Musiker Luigi Tenco begeht Selbstmord, nachdem er beim sich mit seinem Lied nicht für das Finale beim Festival in San Remo qualifizieren kann. Alessandro Borghi spielt ihn mit unverhohlener Verachtung für sein Publikum. So wie er sein Lied im Film vorträgt, ist es kein Wunder, wenn er verliert. Sein anschließender Selbstmord berührt uns daher wenig. Brenno Placido spielt den 18-jährigen Studenten Lucio sehr unbedarft. Nicolas Duvauchelle spielt Dalidas letzten Ehemann Richard Chanfray. Im Film wird er schnell vom eingebildeten Schaumschläger zum eifersüchtigen Würstchen.
 
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Sveva Alviti IST Dalida
 
Die große Überraschung des Films ist Sveva Alviti. Sie sieht nicht nur aus wie Dalida. Sie allein vermittelt die Ambivalenz und Zerrissenheit dieser besonderen Künstlerin. Alviti spielt eine Frau, die genau weiß was sie will und dann doch zutiefst verwirrt falsche Entscheidungen trifft. Eine selbstständige Frau, die Geborgenheit bei den falschen Männern sucht.
 
Die 31-jährige Schauspielerin spielt Dalida mit Anfang Zwanzig, in ihren Dreißigern, Vierzigern und mit über 50. Allerdings lässt man die Hauptfigur nicht bloß mit Make-up künstlich altern. Sveva Alviti stellt eine Frau in ihren verschiedenen Lebensabschnitten dar, indem sie diese einfach nur spielt. Das ist große Schauspielkunst. Das macht den Film absolut sehenswert.
 
Fazit
 
Bei Künstlerbiografien stellen sich immer zwei Fragen: Wird der Film dem Künstler gerecht? Und ist der Film auch interessant, wenn man mit dem Künstler vorher nicht vertraut war?
 
„Dalida“ ist die Geschichte einer faszinierenden Künstlerin. Vereinzelte Schwächen des Drehbuchs und der Regie werden von der großartigen Hauptdarstellerin mehr als ausgeglichen. Wer die Sängerin vorher nicht gekannt hat, wird aber vielleicht Mühe mit dem Film haben.

 
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