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***The Finest Hours***

tfh kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
The Finest Hours ist dank toller Schauspieler spannungsreich ohne zu übertreiben und emotional ohne kitschig zu wirken. Ein Hollywood-Blockbuster im besten Sinne.
 
Nach einer wahren Geschichte
 
Mittlerweile lassen sich die meisten Filme in zwei Kategorien einteilen, einerseits die fantastischen Bildwelten und märchenhaften Charaktere der fiktionalen Stoffe und auf der anderen Seite unglaubliche Geschichten aus dem „echten“ Leben, die nun filmisch aufgearbeitet werden. Man lässt sich unbewusst viel stärker auf eine Geschichte ein, wenn man weiß, dass sie sich so oder so ähnlich wirklich zugetragen hat.
 
Die Handlung ist im Grunde schnell erzählt, was sie nicht weniger bemerkenswert erscheinen lässt. Im Winter bei Sturmflut bricht ein großer Tanker vor der Küste entzwei, vier Jungs von der Küstenwache entscheiden sich entgegen aller Warnungen, mit einem kleinen Rettungsboot den Naturgewalten zu trotzen, um etwaigen Überlebenden zu helfen. Tatsächlich hat im Schiffsrumpf ein Teil der Maschinencrew überlebt, auch sie kämpfen gegen die Wellen, die Zeit und die Resignation.
 
Eingerahmt wird diese Katastrophe von einer klassischen Liebesgeschichte, der frisch verlobten Miriam (Holliday Grainger) obliegt die Aufgabe, an Land um ihren pflichtbewussten Traummann Bernie (Chris Pine) zu bangen, den Anführer der Rettungsmission. Dabei tritt auch ihr starker Charakter zu Tage, etwa wenn sie vom Leiter der Küstenwache vehement fordert, er solle seine Männer zurückbeordern. Die Chemie zwischen dem jungen Liebespaar mag für den Ausgang des Films nicht relevant sein, doch sie erzeugt eine zusätzliche emotionale Farbe, die im angenehmen Kontrast zu den mürrischen und wortkargen Seeleuten steht.
 
 
Wohlkalkuliert und handwerklich einwandfrei

Auch eine nostalgische Komponente trägt zum Ton und damit zum Erfolg des Filmes bei. Ähnlich wie in Titanic dürfen sich gerade Szenenbild und Kostüm austoben, um uns diesmal 50er Jahre von ihrer besten Seite zu zeigen. Frauen stapfen mit kurzen Röcken durch den Schnee, die Automobile sind durchweg eine Augenweide und auch ein Tanzball mit vollem Brokat darf natürlich nicht fehlen. In dem Bewusstsein, dass die Realität wohl etwas weniger schick ausstaffiert gewesen sein dürfte, taucht man doch gerne ein in diese Welt, gerade auch dank dem 3D-Effekt.
 
Die starken Bilder von Javier Aguirresarobe fügen sich dabei nahtlos ein in den handwerklich durchgehend stark gemachten Film. Die Kameraführung ist inspiriert von Filmen wie Life of Pi mit sehr klaren poetischen Momenten, aber auch actiongeladenen Passagen mit tollen CGI-Shots auf dem Niveau von 2012. Es gibt sogar eine lange, augenscheinlich schnittfreie Sequenz im Maschinenraum des havarierten Schiffes, die stark an Birdman erinnert und die klaustrophobische Enge spürbar werden lässt.
 
Die Schauspieler liefern eine tolle Ensembleleistung ab, alle Rollen sind mit der nötigen Ernsthaftigkeit angelegt ohne sich je unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Wenn einige Charaktere eher blass bleiben, ist das dem Umfang des filmischen Personals geschuldet und tut der Nachvollziehbarkeit der Handlung keinen Abbruch. Es geht dem Regisseur (Craig Gillespie) in erster Linie merklich darum, der starken Geschichte gerecht zu werden, und die Figuren nicht zu pathetisch zu skizzieren.
 
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Frauen machen sich Sorgen und fahren schlecht Auto

Man kann dem Film höchstens vorwerfen, dass er in der zur Verfügung stehenden Zeit etwas zu viel versucht. Da die Handlung zwischen Rettern und zu Rettenden hin und her springt, fehlt die Muße, die emotionalen Verstrickungen zwischen den einzelnen Personen klar herauszuarbeiten, wodurch entstehende soziale Konflikte manchmal etwas hölzern oder konstruiert wirken. Gerade die Szenen mit dem Chef der Küstenwache oder auch die Konfrontationen der zwei Rädelsführer im Bauch des Schiffswracks bleiben seltsam vage über den gesamten Zeitraum.
 
Eine weitere Problematik betrifft die Rolle der Frauen. The Finest Hours ist zweifellos gute und spannungsreiche Unterhaltung, doch gerade wegen der thematischen Nähe muss er sich an Filmen wie Titanic messen lassen. Obgleich er also in etwa 40 Jahre später spielt, ist das Frauenbild um einiges konservativer. Während die Männer also ihr Leben auf hoher See riskieren dreht sich bei den weiblichen Rollen alles um Heirat, Kinder und Verpflegung. Während der Verlobte mit den Wellen kämpft, hadert die Heldin mit den Straßenverhältnissen und der Steuerung ihres Wagens.
 
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Das wirkt manchmal so aufgesetzt und ausgestellt, dass es schon wieder eine gewisse Komik in sich birgt. Es wäre wohl konsequenter gewesen, sich an dieser Stelle nur auf die Männer zu konzentrieren, anstatt zwanghaft einen dritten, weiblichen Handlungsstrang zu erzählen.
 
Doch insgesamt ist der Film durchaus emotional glaubwürdig und spannungsreich erzählt, mit vielen tollen Bildern, atemberaubenden Einstellungen und einer schier überlebensgroßen Geschichte, über den Mut vier junger Männer auf einer aussichtslosen Rettungsmission.
 
 
 
 
 
 
 
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