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*** Eine ganz heisse Nummer 2.0 ***


ouatih kritik

Autor: Peter Osteried
 
Es kommt selten vor, dass eine Fortsetzung fast ein Jahrzehnt auf sich warten lässt. Vor acht Jahren erwies sich die Adaption von Andrea Sixts Beststeller um ein paar dörfliche Freundinnen, die eine Sex-Hotline aufziehen, als immenser Erfolg und lockte mehr als eine Million Zuschauer ins Kino.
 
Die Begehrlichkeit nach einem Sequel war da, ein entsprechender Roman fehlte. Nun hat man die Geschichte exklusiv für das Kino weitergesponnen.
 
Landidyll
 
Schon vor fast zehn Jahren lief es im kleinen bayerischen Örtchen Marienzell nicht mehr so gut, seitdem hat sich wenig geändert, und noch weniger zum Guten. So vermisst man sehr, dass es in dem kleinen Ort kein High-Speed-Internet gibt. Das ist auch einer der Gründe, wieso immer mehr Familien dem Ort den Rücken kehren. Aufhalten kann man diese Landflucht nur durch das Verlegen eines Glasfaserkabels, doch da Marienzell zu wenig Kundschaft verspricht, ist kein Anbieter bereit, die Kosten zu schultern.
 
Also beschließen die Männer von Marienzell, die mehreren Hunderttausend Euro zu sparen und das Kabel selbst zu verlegen. Die Frauen rund um Lena und ihre Freundinnen haben indes einen anderen Plan.
 

 
Sie wollen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, da mit der Gewinnsumme immerhin die Anzahlung für die Anschaffung des Glasfaserkabels gemacht werden könnte. Aber der Wettbewerb findet schon in zwei Wochen statt und keine der drei Damen hat auch nur die geringsten Tanzerfahrungen.
 
Ganz oder gar nicht
 
Schon der erste Film wurde mit britischen Sozialkomödien wie „Ganz oder gar nicht“ verglichen, da man in beiden Fällen kleine Orte und arbeitslose Menschen hat, die etwas Neues versuchen, um für sich und ihre Familien die Grundlagen für ein besseres Leben zu schaffen. Wo die britischen Filme dem hiesigen Zuschauer ein wenig fern sein mögen, kann man sich mit dem ländlichen Dasein der Marienzeller durchaus identifizieren – dafür muss man nicht aus Bayern, wohl aber einem kleinen Kaff kommen.
 
Dennoch bezieht der Film seinen Humor natürlich auch daraus, dass er mit bayerischen Klischees spielt. Das hat nicht nur mit der Hemdsärmeligkeit der Figuren und dem sehr kreativen Einsatz von Fremdwörtern, sondern auch dem Dialekt zu tun, der aber nie so intensiv wäre, dass Nicht-Bayern außenvorbleiben. Stattdessen nutzt man die typischen Klischees auf liebevolle Art und Weise und präsentiert sympathische Figuren, mit denen, aber nicht über die man lacht.
 
Dabei gibt es durchaus auch ein paar schrillere Einlagen wie die halbnackte Traktortour durchs Dorf, die Lena unternimmt, um endlich mal darauf aufmerksam zu machen, dass bald was geschehen muss. Und das nicht nur mit Marienzell, sondern auch im Privaten. Denn der Film befasst sich nicht nur mit der großen Geschichte, sondern spinnt auch die kleinen voran und mündet in ein paar sehr schöne familiäre Momente.
 
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Wiedersehensfreude mit alten Bekannten
 
Freuen dürfen wir uns dabei auch auf ein Wiedersehen mit Kultfiguren der bayerischen Komödie freuen. Vor allem auf Gisela Schneeberger, die schon in den achtziger Jahren bei Monaco Franze und in den Serien und Filmen von Gerhard Polt mit warmherzigen, bissigen Humor für viele Lacher gesorgt hat. Und als eigentliche Hauptfigur mit ihrer unverwechselbaren Art jetzt auch in diesem Film für beste Unterhaltung sorgt. Zu den besonderen Highlights zählen dabei auch die Szenen mit Volksschauspieler Günther Maria Halmer, den viele noch aus der Serie Münchner Geschichten von Helmut Dietl kennen dürften.
 
Die Landflucht
 
„Eine ganz heiße Nummer 2.0“ spricht aber auch ein reales Problem an: das der Landflucht. Die zeigt sich nicht nur in Bayern, sondern überall in Deutschland und ist eine Bedrohung für kleine Gemeinden, die verwaisen und aussterben. Der Film bietet hier nötigen Tiefgang, ohne ins Depressive zu verfallen. Wenngleich man die entschleunigte musikalische Untermalung der Szenen ein klein wenig dezenter hätte einsetzen sollen.
 
Er rückt damit dennoch ein Problem in den Fokus, mit dem man sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten befassen muss, will man nicht, dass die Menschen nur noch in riesenhaften Städten leben.
 
Mit einfachen Mitteln und der Hilfe von Jorge Gonzales wird das, wie im Film gezeigt, jedenfalls nicht zu beheben sein. Lösungsansätze, die somit der fiktionalen Unterhaltung vorbehalten bleiben.
 
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Fazit
 
„Eine ganz heiße Nummer 2.0“ ist insgesamt betrachtet ein sehr amüsanter, höchst vergnüglicher Film. Mit Schauspielern, denen man die Spielfreude ansieht, sowie einer unterhaltsamen Story, die vor allem bei bayerischen Kinozuschauern für viele De ja Vus und Lacher sorgen wird.
 
Aber auch ein Kinoerlebnis, bei dem man sich in die Hochzeiten von Helmut Dietls und Gerhard Polts Klassikern zurückversetzt fühlt.
 
 
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