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*** Long Shot ***


lshot kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Romantische Komödie und politische Satire in Einem: In seiner neuen Regiearbeit bringt Humorexperte Jonathan Levine („Mädelstrip“) zwei eher selten kombinierte Genres zusammen. Unterhaltsam ist das Ganze vor allem dank Charlize Theron und Seth Rogen, die als ungleiches Paar überraschend gut harmonieren.
 
Chaot trifft Staatsfrau
 
Groß ist der Ärger, als der verplante, aber idealistische Journalist Fred Flarsky (Rogen) erfährt, dass der verhasste Medienmogul Parker Wembley (zu einem Steve-Bannon-Klon geschminkt: Andy Serkis) seine Zeitung übernehmen wird. Da der junge Mann seinen Prinzipien treu bleiben will, kündigt er umgehend seinen Job, muss allerdings feststellen, dass der Arbeitsmarkt nicht unbedingt auf ihn gewartet hat.
 
Durch Zufall trifft er auf einer Spendengala nur wenig später seine frühere Babysitterin Charlotte Field (Theron) wieder, die inzwischen das Amt der US-Außenministerin bekleidet und insgeheim den obersten Posten im Staate anvisiert. Erst kürzlich hat ihr der unterbelichtete Präsident Chambers (Bob Odenkirk), der derzeitige Lenker im Weißen Haus, mitgeteilt, dass er nicht noch einmal kandidieren werde, sondern eine Leinwandkarriere anstrebe. Um ihre Pläne erfolgreich anzuschieben, engagiert die in der Öffentlichkeit als zu wenig witzig wahrgenommene Charlotte kurzerhand ihren alten Schützling Fred, dem sie während einer weltweiten Werbetour für eine wichtige Umweltinitiative langsam näherkommt.
 

 
Wo man sonst oft über den fehlenden Mut in Hollywood-Produktionen schimpfen muss, darf man die Macher hier einmal für ihre Risikobereitschaft loben. Zwei so unterschiedliche Schauspieler wie Charlize Theron und Seth Rogen als Liebespaar in Stellung zu bringen, ist sicher kein allzu naheliegender Gedanke.
 
Die ungewöhnliche Zusammensetzung funktioniert jedoch erstaunlich gut, auch wenn es Levine bei der gegensätzlichen Zeichnung der Protagonisten vielleicht ein bisschen übertreibt. Dass der stets in ausgebeulten Trainingsklamotten herumlaufende, unrasierte und tollpatschige Fred in den engen Zirkel der amerikanischen Außenministerin aufgenommen wird, ist – das deutet der deutsche Untertitel bereits an – in der Tat höchst unwahrscheinlich. Und doch nimmt man die Entwicklung bereitwillig hin, was vor allem an der starken Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern liegt. Theron und Rogen spielen sich mit Charme und kräftigem Augenzwinkern die Bälle zu und verleihen dem Geschehen auf der Leinwand, bei dem traditionelle Geschlechterrollen hinterfragt werden, eine unerwartete Dynamik.
 
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Politische Seitenhiebe
 
Überraschend – gerade im Kontext einer romantischen Komödie – sind auch die regelmäßig eingestreuten Spitzen gegen die Trump-Regierung, die Kritik an rechtspopulistischen Meinungsmachern und die deutlichen Hinweise auf den Sexismus, der Frauen in hohen Positionen nach wie vor entgegenschlägt. Während durchsetzungsfähige Männer zumeist für ihre Leistungen gefeiert werden, sehen sich erfolgreiche Damen nach wie vor ständig mit Diskussionen über ihr Aussehen konfrontiert. Charlottes Frausein ist in fragwürdigen TV-Sendungen Dauerthema, hinter dem ihre inhaltlichen Kompetenzen klar zurücktreten. Bei aller Freude über die bissigen Seitenhiebe und Beobachtungen lässt sich allerdings nicht bestreiten, dass die Liebesgeschichte insgesamt mehr Raum und Aufmerksamkeit bekommt. Mitunter erscheinen die politischen Anspielungen wie schmückendes Beiwerk und werden manchmal etwas willkürlich abgefeuert.
 
Im Weg steht den satirischen Bestrebungen in einigen Momenten auch der Hang der kreativen Köpfe zu eher grobem Slapstick- und Genitalhumor. Einige der derben Gags sind fraglos lustig, manche zünden aber schlichtweg nicht. Bedauern muss man außerdem, dass sich der phasenweise erfrischend erzählte Film gerade gegen Ende zu sehr an altbekannte Romantic-Comedy-Muster klammert. Statt anarchisch und unberechenbar zu bleiben, zaubern die Drehbuchautoren Liz Hannah und Dan Sterling einige forcierte Plot-Entwicklungen aus dem Hut, was die emotionale Wirkung etwas schmälert. „Long Shot“ ist gewiss in weiten Teilen amüsant, hätte aber sicher noch viel verrückter und unkonventioneller ausfallen können.
 
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Fazit
 
Charlize Theron und Seth Rogen machen Laune, nicht wenige Pointen finden den Weg ins Ziel, dramaturgisch ist Levines Liebestanz auf politischem Parkett seinen unangepassten Ambitionen allerdings nicht immer gewachsen.
 
 
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