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***Lion - Der lange Weg nach Hause***

lion kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Obwohl für vier Golden Globes nominiert, ging „Lion“ in diesem Jahr leer aus. Er musste sich „La La Land“ geschlagen geben, hätte aber zweifelsohne auch jeden Preis verdient, den man sich vorstellen kann, denn die Verfilmung des Bestsellers „Mein langer Weg zurück“, in dem Saroo Bierley beschreibt, wie er als Kind verlorenging und bei einer anderen Familie aufwuchs, ist hochemotionales, sehr packendes Kino.
 
Verirrter Junge
 
Der fünfjährige Saroo (Sunny Pawar) begleite seinen Bruder zum Bahnhof einer indischen Kleinstadt, wird dann aber so müde, dass er auf einer Bank einschläft. Sein Bruder will ihn später wiederholen, doch als Saroo erwacht, sucht er nach seinem Bruder und schläft dann in einem Zug wieder ein. Als er erwacht, rollt der Zug bereits – und stoppt erst 1.600 Kilometer später in Kalkutta. Saroo versteht kein Bengali und ist hoffnungslos verirrt. Doch nach einigen Irrungen und Wirrungen, die ihn ins Waisenhaus führen, gibt es doch einen Silberstreif am Horizont.
 
Denn das australische Ehepaar Sue (Nicole Kidman) und John (David Wenham) will den Jungen adoptieren. So wächst er behütet und privilegiert in einer Stadt in Tasmanien auf, doch als Erwachsener erinnert er sich an einige Momente seiner Kindheit – und sein Wünsch wird größer, seine leibliche Mutter wiederzufinden.
 
 
Der wahre Star
 
Dev Patel war für einen Golden Globe als bester Nebendarsteller nominiert. Er spielt zwar die Titelrolle, aber längst nicht die Hauptrolle. Der größere Teil des Films wird von dem jungen Sunny Pawar getragen, der zuvor noch nie als Schauspieler aktiv war und vom Casting-Team in einer Schule für benachteiligte Kinder in Mumbai gefunden wurde.
 
Obwohl er noch so jung ist, spielt er exzellent. Das Verlorensein, die Angst, seine Familie niemals wieder zu sehen, die Verzweiflung, als er alleine in Kalkutta herumstromert, all das kann man im Gesicht dieses jungen Schauspielers ablesen. Es ist eine bemerkenswerte Darstellung, die die gestandenen Schauspieler dieses Films in ihre Schranken verweist.
 
Aber das soll nicht heißen, dass die schlecht wären. Nicole Kidman liefert eine nuancierte, feinsinnige und imposante Darstellung einer Mutter ab, die für ihre Kinder alles tun würde, während David Wenham eine Güte und Kameraderie ausstrahlt, die einnehmend ist. Um dem Ganzen einen Hauch von Irrsinn zu geben, ist Rooney Mara dabei. Die Szene, als Saroo und ihre Figur Lucy sich kennen lernen und auf verschiedenen Straßenseiten nebeneinander herlaufen, ist von magischer Schönheit.
 
01 ©2017 Universum Film02 ©2017 Universum Film03 ©2017 Universum Film04 ©2017 Universum Film
 
Emotionale Achterbahn
 
Natürlich könnte man „Lion“ vorwerfen, dass er auf der Klaviatur der Gefühle spielt und den Zuschauer manipuliert. Aber diese Art von Film darf das, umso mehr, wenn es sich noch dazu um eine wahre Geschichte handelt. Denn auch das ist eine der Stärken des Films. Dass er ein Gefühl von Hoffnung schenkt, dass er standhaft davon erzählt, dass jede Geschichte, und sei sie auch noch so schmerzhaft, zu einem Happyend kommen kann. Das mag es im Leben nicht für jeden geben, aber darauf hoffen darf jeder. Und dieser Film bestärkt darin.
 
„Lion“ ist exzellent in Szene gesetzt. Jede Szene ist auf die maximale Wirkung ausgelegt, es gibt aber auch Momente, die von ihrer subtilen Schönheit getragen werden. Das sind vor allem Szenen mit Saroos späterer Familie. Ein gänsehauterzeugender Moment kommt, als Saroo mit seiner Mutter spricht und sich fast dafür entschuldigt, dass sie keine Kinder bekommen kann und darum adoptieren musste. Was folgt, ist nicht nur eine Sternstunde von Nicole Kidman, sondern auch überraschend.
 
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Fazit
 
„Lion“ ist ein eindrucksvoller, zu Herzen gehender Film, der eine große, sehr menschliche Geschichte erzählt, bei der nicht alle Elemente vollständig der Wahrheit entsprechen, da natürlich auch auf die Dramatik geachtet werden musste, aber der Kern ganz und gar erhalten blieb.
 
Technisch makellos, lebt dieser Film von den exzellenten Darstellern, allen voran dem kleinen Sunny Pawar, der die Entdeckung des Jahres ist, was man jetzt schon feststellen darf.

 
 
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