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*** Ma - Sie sieht alles ***


mssa kritik

Autor: Walter Hummer
 
„Blumhouse“ hat bisher vor allem Filme mit jugendlichen Protagonisten für ein jugendliches Publikum produziert. „Ma“ ist in mehr als einer Hinsicht der bisher erwachsenste Film dieses jungen Studios …
 
Safety Dance
 
Maggie zieht mit ihrer Mutter in eine kleine Stadt in Ohio. Schnell freundet sie sich mit ein paar Mitschülern an. Weil diese Teenager in „the land of the free“ leben, dürfte man ihnen zwar vollautomatische Waffen verkaufen, würde sich aber strafbar machen, wenn man ihnen ein paar Flaschen Bier für eine Party überließe. Als die mütterliche Sue Ann sich trotzdem einverstanden erklärt, ihnen Alkohol zu besorgen, können die jungen Leute ihr Glück kaum fassen. Später stellt „Ma“, wie Sue Ann sich bald nennen lässt, auch noch ihren Keller für Partys zur Verfügung. Nur die oberen Stockwerke des Hauses sind tabu …
 
„Blumhouse“ wurde im Jahr 2000 gegründet. Damit ist dieses Studio noch nicht alt genug, um in den USA ein Bier trinken zu dürfen. Trotz seines jugendlichen Alters hat „BH“ mit günstig produzierten Filmen und ihren unzähligen Fortsetzungen große Erfolge gefeiert. „Paranormal Activity Teil 1 – 47“, „The Purge“, „Die nächste Purge“, „Die übernächste Purge“, „Die Purge mit der alles anfing“, „The Purge – Die Fernsehserie“ oder auch die zwölfundsiebzig Teile und Spin-offs von „Insidious“ haben dieses Studio zu einer festen Größe in Hollywood werden lassen.
 

 
Und ab und an produziert „Blumhouse“ sogar einen Film mit originellem Konzept, der dann auch noch von einem kompetenten Regisseur inszeniert und mit guten Schauspielern besetzt wird, wie zum Beispiel den ersten Teil von „The Purge“. Offensichtlich war es wieder mal so weit. Denn auch „Ma“ lebt von einem originellen Konzept, gelungener Umsetzung und einer soliden Besetzung.
 
Funkytown
 
Gerade bei Horrorfilmen und Thrillern haben wir uns längst an die üblichen Bestandteile gewöhnt: dumme Teenager und einen bösen Killer, der einen Teeaner nach dem anderen sinnlos dahinmetzelt. Daher ist es eine erfrischende Abwechslung, wenn die jungen Menschen in diesem Film einer anderen Bedrohung ausgesetzt sind. Aber die noch auffälligere Besonderheit von „Ma“ ist es, Protagonisten zu zeigen, die eine Entwicklung durchmachen. Hier sehen wir eine bedrohliche Person, die nicht einfach von Anfang an eine Mörderin ist, bloß damit eben möglichst viele Leute schnell ums Leben kommen.
 
Es sind die kleinen Einfälle von Drehbuchautor Scotty Landes („Workaholic“), die von Regisseur Tate Taylor („The Help“) souverän und fachmännisch in Szene gesetzt werden. Wenn Mutter und Tochter am Anfang des Films in die Heimatstadt der Mutter zurückkehren und das Panorama vom nahen Kernkraftwerk dominiert wird, wird dem Betrachter ohne viele Worte vermittelt, mit diesem Umzug gehen keine Träume in Erfüllung. Die Uniform, die von der Mutter bei der Arbeit als Kellnerin getragen werden muss, sagt dann auch mehr als tausend Zeilen Dialog.
Eine Nebenfigur wird mit zwei kurzen Szenen als eine wirklich furchtbare Person ohne jeden Charakter eingeführt. Auch als die Lage bedrohlich wird, erspart der Film uns lange Dialoge und billige Effekthascherei. Der erste Mord geschieht schnell und undramatisch und hat deshalb eine umso drastischere Wirkung. Ein zweiter Mord wird gar nicht gezeigt. Wir bekommen nur das Ergebnis zu sehen. Die Grausamkeiten im letzten Akt kommen ohne Splatter-Effekte aus. Das trägt zum Realismus dieses Films bei.
 
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Do you remember?
 
Die große Stärke des Films liegt aber in der Besetzung. Octavia Spencer („The Help“) ist seit einigen Jahren auf die Rolle der resoluten Frau mit Herz aus Gold abonniert. Bereits 2017, in der hier erschienen Kritik zu „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ habe ich ihr empfohlen, sich dringend mal nach einer anderen Rolle umzusehen. Nun offensichtlich gehören auch Oscar-Preisträgerinnen zu unseren Leserinnen und Frau Spencer hat sich den Rat zu Herzen genommen. In der ersten Hälfte des Films brilliert sie als unsichere Frau die meint, ihre Jugend nachholen zu können. Im weiteren Verlauf des Films sehen wir ihre meisterliche Darstellung einer Person, die längst zu weit getrieben wurde.
 
„Ma“ unterscheidet sich auch insofern von vergleichbaren Filmen, weil hier Teenager von Schauspielern dargestellt werden, die tatsächlich wie Teenager aussehen. Diane Silvers („Glass“) wirkt als Maggie tatsächlich wie eine Sechzehnjährige die irgendwie Freunde, Boyfriend, Familie und Schule geregelt bekommen möchte und nicht, als wäre sie vor zehn Jahren mal Vierte bei GNTM geworden.
 
Auch der Rest der Clique wird von den jungen Talenten Corey Fogel, Gianni Paolo, Dante Brown und McKaley Miller sympathisch dargestellt. Juliette Lewis wirkt als Mutter immer glaubwürdig. Luke Evans spielt nach „Die Schöne und das Biest“ wieder mal einen echten Drecksack. Missi Pyle stiehlt in jeder ihrer wenigen Szenen die Show. Und Allison Janney macht das was sie am besten kann.
 
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Fazit
 
Auch wenn in „Ma“ Blut vergossen wird, ist das nicht der übliche Horrorfilm nach dem bekannten „Blumhouse“-Muster. Dieser handwerklich gut gemachte Thriller lebt von seinem originellen Drehbuch und der überdurchschnittlichen Besetzung und ist ein erwachsener Film für ein erwachsenes Publikum.
 
 
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