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*** Nach einer wahren Geschichte ***


 
newg kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Die Heldin von Roman Polanskis neuem Film ist eine Romanautorin mit Schreibblockade. Am Ende des Films fragt sich das Publikum, ob eine einfache Schreibblockade nicht doch besser ist als ein mehrfaches Plagiat.
 
Das leere Word-Dokument
 
Delphine ist eine erfolgreiche Schriftstellerin. Daher ist ihre Signierstunde auch so gut besucht. Dort wird sie zum ersten Mal von einer Fremden angesprochen. Die Frau bittet sie ihr Buch zu signieren, obwohl Delphine die Veranstaltung gerade abgebrochen hat. Am Abend muss sich Delphine auf einer Party blicken lassen. Und weil sich die interessantesten Leute auf Partys immer in der Küche aufhalten, trifft sie dort auch die Frau von der Signierstunde wieder. Elle ist auch Schriftstellerin, schreibt als Ghostwriterin die Autobiografien von Prominenten.
 
Schnell spricht Elle sehr vertraut mit Delphine, stellt ganz nebenbei fest, wie groß bei Delphine nach ihrem Erfolg nun die Gefahr eines Zusammenbruchs sei. Bald danach ruft Elle an, obwohl Delphine sich gar nicht erinnern kann, ihre Telefonnummer hergegeben zu haben. Elle wohnt gegenüber und kann von ihrem Fenster in die Wohnung der erfolgreicheren Autorin sehen. Sie lädt Delphine zu ihrer Geburtstagsparty ein, zu der dann keine anderen Gäste erscheinen. Für das mitgebrachte Geschenk bedankt sie sich mit einer tränenreichen Umarmung. Aber Delphine scheinen diese Grenzüberschreitungen nichts auszumachen. Sie lässt Elle den Entwurf zu ihren neuen Roman lesen, mit dem sie nicht vorankommt. Das Manuskript wird von Elle hart kritisiert. Bald zieht Elle in Delphines Wohnung und übernimmt die Organisation ihres Alltags. Elle schottet die Schriftstellerin von allem ab, damit sie sich auf die Arbeit an ihrem „verborgenen Roman“ konzentrieren kann. Nachdem Delphine sich bei einem Sturz verletzt, bringt Elle sie in ihr einsames Haus auf dem Land …
 
 
Charles Bukowski meinte einmal: „Über Schreibblockade zu schreiben ist besser, als überhaupt nicht zu schreiben.“ Nach Polanskis neuem Film, entstanden nach einem Roman von Delphine (!) De Vigan, kann ich Buk in dieser Hinsicht nicht mehr zustimmen. Bücher in denen Autoren darüber schreiben, wie schwierig das Schreiben ist, sind immer eine Nabelschau und daher selten interessant. Und „überraschende Wendungen“ am Ende von Thrillern sind selten wirklich überraschend. Das einizig überraschende an der Wendung am Ende dieser Geschichte ist, dass jemand der Meinung war, sowas könnte überraschend sein.
 
Dabei ist die Vorhersehbarkeit nicht mal das Schlimmste an der Geschichte. Richtig übel ist, wie bekannt uns Geschichte vorkommt. Kinofans die Stephen Kings Bücher „Misery“ und „Das geheime Fenster“ gelesen haben (oder auch nur die Verfilmungen gesehen haben), können über Madame De Vigans Dreistigkeit nur staunen. Es gibt eine Grenze zwischen Reminiszenz und Plagiat. Und so brutal wie Delphine De Vigan diese Grenze überschritten hat, wurde seit dem 01.09.1939 keine Grenze mehr überschritten. Auch deshalb ist die Handlung so vorhersehbar. Für den Künstler muss das Schlimmste an einem Plagiat selbstverständlich der Diebstahl geistigen Eigentums sein. Für das Publikum ist das Schlimmste daran aber, dass wir das alles längst kennen.
 
Die einfallslose Regie von Roman Polanski fällt bei diesem Drehbuch kaum noch ins Gewicht. Polanski hat vor vielen Jahrzehnten zwei oder drei originelle Filme gemacht. Visuell waren vor allem „Rosemary’s Baby“ und „Chinatown“ hervorragend. Sein neuer Film ist einfach nur langweilig anzusehen. Pawel Edelmann ist sicher ein kompetenter Kameramann. Aber dieser Film enthält nicht eine Einstellung, die man so nicht auch in einer beliebigen Folge einer passablen Fernsehserie sehen könnte. In jeder anderen Hinsicht ist die Gestaltung des Films auch bestenfalls langweiliges Mittelmaß. Ob Polanski mit den Darstellern tatsächlich an ihren Rollen gearbeitet hat, ist nicht zu erkennen.
 
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Frauen unter sich
 
Emmanuelle Seigner war schon keine besonders gute Schauspielerin, als sie vor dreißig Jahren in „Frantic“ zum ersten Mal unter der Regie ihres späteren Ehemanns Polanski zu sehen war. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Man kann das was sie macht kaum „Schauspielen“ nennen. Sie führt Regieanweisungen aus. Wenn im Drehbuch vor einer Dialogzeile in Klammern die Anweisung „aufgeregt“ zu lesen war, hebt sie die Stimme. Stand dort in Klammern das Wort „interessiert“, beugt sie sich vor und öffnet die Augen ein bisschen weiter. Seigner spielt niemals eine Situation, sie vermittelt keine Emotion, sie zeigt uns keinen Charakter. Sie bietet uns praktisch nichts. Wenn man ihr zusieht, kann man bloß die Regieanweisungen vor seinem inneren Auge mitlesen.
 
Ich gebe es besser gleich zu; ich habe eine Schwäche für Eva Green. Sie ist nicht bloß eine extrem interessante und vielseitige Schauspielerin. Sie spricht auch mehrere Sprachen fließend, ist eine klassische Pianistin und Flötistin und ganz nebenbei eine der schönsten Frauen, die je vor einer Kamera gestanden haben. Und in ihrem Blick liegt so etwas Gewisses. Sagen wir es wie es ist: Sollte Eva Green mal an meiner Tür klingeln, hätte meine Frau fünf Minuten später die Koffer vor der Tür stehen. Aber zurück zum Thema: Natürlich ist Eva Green das Beste an dem ganzen Film. Aber auch Frau Green braucht eine Rolle, die ein kompetenter Drehbuchautor geschrieben hat und einen interessierten Regisseur, der mit ihr diese Rolle erarbeitet. Und so kann auch sie diesen sehr mittelmäßigen Film nicht retten.
 
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Fazit
 
Roman Polanski hat einige wenige gute Filme gemacht und auch ein paar wirklich schlechte. Sein neuer Film ist einfach nur belanglos.
 
 
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