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*** Knives Out ***


ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Rian Johnson („Star Wars: Die letzten Jedi“) bittet die Stars zu einem Stelldichein. In seiner enorm unterhaltsamen Krimihommage „Knives Out – Mord ist Familiensache“ tummeln sich zahlreiche prominente Gesichter und legen große Spielfreude an den Tag.
 
Klassisch und modern
 
Seitdem Johnsons neue Regiearbeit auf dem Filmfestival von Toronto uraufgeführt wurde, überschlagen sich die Kritiker mit Lobeshymnen. Derart euphorische Reaktionen sind oftmals mit Vorsicht zu genießen, da sich schnell eine eigene Dynamik entwickeln kann. In diesem Fall muss man den Beifall jedoch nicht einbremsen. „Knives Out – Mord ist Familiensache“ entpuppt sich als klug konstruierter Rätselspaß, der trotz vieler archetypischer Elemente kein bisschen angestaubt daherkommt. Vielmehr gelingt es dem vom Regisseur selbst verfassten Drehbuch, eine Geschichte im Agatha-Christie-Gewand mit hochaktuellen Themen zu verbinden. Kurzweilige Ermittlungen treffen hier auf gewitzte satirische Seitenhiebe, die immer mal wieder dem Trump-Amerika den Spiegel vorhalten.
 
Ausgangspunkt des wendungsreichen Treibens ist der plötzliche Tod des berühmten Krimischriftstellers Harlan Thrombey (Christopher Plummer), den eine Angestellte am Morgen nach der Feier seines 85. Geburtstags mit durchtrennter Kehle auffindet. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Selbstmord hin. Die Polizei und der anonym engagierte Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) haben dennoch einige Fragen und nehmen die Angehörigen des Verstorbenen in die Mangel.
 
 
Dass so manches Thrombey-Mitglied Dreck am Stecken hat, erkennt das Publikum schon während der ersten Verhörrunde, die in einer punktgenau getimten Montage mehrere Charaktere vorstellt und gleich diverse Lügengeschichten offenbart. Viel vormachen kann Harlans Pflegerin Marta Cabrera (Ana de Armas) den Ermittlern nicht, weil sie seit ihrer Kindheit von Brechattacken übermannt wird, sobald sie eine Unwahrheit erzählt. Blanc ist überzeugt, dass die junge Frau eine wichtige Rolle spielt, und spannt sie schließlich in seine Nachforschungen ein.
 
Wie auf einem Cluedo-Brett
 
Wie es sich für einen echten Krimi in Agatha-Christie-Tradition gehört, schlägt „Knives Out – Mord ist Familiensache“ diverse ungeahnte Volten und lässt den Betrachter ein ums andere Mal falsche Schlüsse ziehen. Selbst im Finale, das natürlich mit dem genreüblichen Vortrag des Detektivs einhergeht, gibt es noch einige vom Skript clever vorbereitete Überraschungen zu bestaunen.
 
Als Murder Mystery funktioniert der Film auch deshalb so gut, weil die namhaften Darsteller – neben Craig und Plummer geben sich etwa Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Toni Collette, Michael Shannon und Chris Evans die Ehre – ihre leicht überzeichneten Figuren mit Leben füllen. Der Spaß ist dem Ensemble jederzeit anzumerken und überträgt sich direkt auf den Zuschauer. Wenn hier die Fetzen fliegen und garstige Unterstellungen durch die Luft schwirren, braucht man sich bloß zurückzulehnen und das Ganze zu genießen.
 
01 ©2019 Universum Film02 ©2019 Universum Film03 ©2019 Universum Film04 ©2019 Universum Film
 
Zu einem originellen Kinoerlebnis wird „Knives Out – Mord ist Familiensache“ nicht zuletzt durch die regelmäßig eingestreuten Meta-Hinweise, die den klassischen Charakter der hier beschriebenen Krimikonstellation kommentieren. Nicht von ungefähr wird mehrfach betont, dass Harlans mysteriöses Ableben einem seiner Bücher entsprungen sein könnte. Und ganz bewusst beschreibt Johnson seine Anordnung an einer Stelle als lebensechte Version des detektivischen Gesellschaftsspiels Cluedo.
 
Mit großer Freude reißt der Regisseur die Fassade der feinen Gesellschaft ein und fördert äußerst unrühmliche Eigenschaften wie Egoismus, Neid und Scheinheiligkeit zu Tage. Über die Figur der aus einer Einwandererfamilie stammenden Pflegerin finden sogar handfeste politische Untertöne Eingang in das Geschehen. Mit kleinen, aber treffenden Pointen – zum Beispiel einem Running Gag über Martas Herkunftsland – stellt der Film das allgemeine Überlegenheitsdenken der US-Amerikaner bloß und entlarvt die Verlogenheit und die rassistischen Denkmuster der meisten Thrombey-Mitglieder.
 
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Fazit
 
Kurz und bündig: Wer mit Rian Johnsons Krimisatire ins neue Kinojahr startet, trifft eine gute Wahl.
 
 
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