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***Lena Love***

llove kritik
 
Autor: Tim Prahle
 
„Ein bekanntes Phänomen in modernem Gewand“ - so beschreibt Regisseur Florian Gaag den Hauptaspekt seines neuen Films LenaLove. Doch die Geschichte bietet noch enige Facetten mehr.
 
Ein unbekannter Freund
 
Lena (Emilia Schüle) ist ein intelligentes, hübsches Mädchen. Sie tanzt gerne und gestaltet kunstvolle Collagen. Doch in ihrer Klasse ist sie eher eine Außenseiterin. Besonders Mitschülerin Stella (Sina Tkotsch) und Lenas ehemalige beste Freundin Nicole (Kyra Sophie Kahre) haben es regelmäßig auf sie abgesehen. Zu Beginn des Films kommt Lena ihrem neuen Mitschüler Tim (Jannick Schümann) näher. Beide haben ein besonderes (analoges) Interesse – Lena ihre Collagen, Tim ist ein begabter Zeichner. Doch der Rest der Klasse versteht nicht, was Tim, der in der Vergangenheit bereits im Jugendknast saß, ausgerechnet an der langweiligen Lena findet. Diese Konstellationen eröffnet einen Reigen an Intrigen, Mobbing und Betrug.
 
Denn Außenseiterin Lena hat zumindest im digitalen raum einen echten, zu ihr halten Freund - „Noah“. Wer er ist oder wie er aussieht wissen sie und die Zuschauer lange nicht. Noah ist das einzig beständige in Lenas Leben, nachdem sich Nicole an Tim herangemacht hat und Lena Zuflucht im digitalen Raum sucht.
 
So vertraut sie ihm alles an. Ihre Gefühle und auch, dass ihre Mutter eine Affäre mit dem Vater von Nicole hat. Sie öffnet sich ihrem Chatpartner blind, ohne zu wissen, wer dahinter steckt. Die Beziehung zu Noah ist eines der Schlüsselelemente in LenaLove und zeigt deutlich, bis ins Surreale auf, welchen Gefahren sich Jugendliche hingeben, wenn sie im vermeintlich sicheren digitalen Raum sind.
 
Der Film beleuchtet aber auch die Täterrolle des Cybermobbings ausführlich. Er zeigt, wie Stella und Nicole sich der Konsequenzen ihrer Taten nicht bewusst werden wollen und es eher mit jugendlicher Leichtigkeit, als mit einem tatsächlichen Verantwortungsbewusstsein handeln. Ein reines Jugenddrama ist der Film jedoch auch nicht, denn die Konsequenzen des „digitalen Schaffens“ (be-)treffen nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Erwachsenen – denen die sozialen Netzwerke mal mehr, mal weniger fremd sind und die auf ihre eigene Weise damit umgehen.
 
 
Große Musik, wenig Text
 
So klar ein gewisses Täter-Opfer-Schema gegeben ist, so schwer macht es der Film, sich den Protagonisten zu nähern. Ein bewusstes und sinnvolles Element, spiegelt diese Problematik doch genau das wieder, worauf der Film aufmerksam macht – die scheinbare Nähe und gleichzeitige Distanz in sozialen Netzwerken und auf anderen Internet-Plattformen.
 
Wobei: Jugendliche, die den Film sehen werden sich nochmal ganz anders in ihren gleichaltrigen Protagonisten nähern, als Erwachsene. Erreicht wird die fehlende Nähe vor allem durch die Minimierung an Sprache. Dialoge sind in dem Film eine Seltenheit, alles was gesagt wird, ist wegweisend für den verlauf des Films. Viel mehr wird mit Musik gearbeitet. Sie ist ein mächtiges und subtiles Element zugleich, nimmt den Zuschauer mit, führt die Darsteller durch den Film und begleitet die Handlung stets. Richard Ruzicka kann auf seine Arbeit sehr stolz sein.
 
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Beeindruckende Nachwuchsdarsteller

Mit Emilia Schüle („Boy 7“), Jannick Schümann („Homevideo“) und Sina Tkotsch („Das Dschungelkind“) sind bei LenaLove drei Nachwuchsschauspieler zu sehen, die bereits einiges an Kinoerfahrung sammeln durften. Ergänzt wird das Trio durch Kyra Sophie kahre, die ein beeindruckendes Filmdebüt hinlegt.
 
Die vier Jungerwachsenden tragen den Film darstellerisch und überzeugen durch durch Authentizität, unaufgeregtem Spiel und hamonieren gut mit den Erwachsenden-Darstellern. Hervorzuheben ist hier vor allem der Aspekt des wenigen Textes, der besonders bei Emilia Schüle als Hauptdarstellerin zum tragen kommt, aber keineswegs stört. Zu sehr ist der Zuschauer von ihrer Figur Lena gebannt.
 
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Ein Film mit Nachwirkung
 
Zunächst wirkt der Film, als sei er nur etwas für die Menschen, die sich auf ihn auch ab der ersten Sekunde einlassen. Das täuscht. Denn wer nicht bereits nach wenigen Minuten das Kino wieder verlässt (wofür es auch keinen Grund gäbe) kommt nicht um den Bann – den die Geschichte und die Inszenierung auslösen – herum. Es ist ein gewaltiges Jugenddrama, behandelt eine nicht mehr unbekannte und trotzdem fremde Welt und ihren Einfluss auf die Realität. Dabei zeigt er die Konsequenzen ohne den erhobenen Zeigefinger und lässt den Zuschauer zu dessen eigenen Schluss kommen. So dürfte das Ende auch für manche einen unbefriedigend sein – für den Film ist es perfekt.
 
Dass der Film bereits das „Prädikat wertvoll“ erhalten hat, überrascht wenig. Es ist ein schlüssiges Kunstwerk, das „überaus gelungen die Balance zwischen spannender Unterhaltung und Aufklärungscharakter hat“ (Aus der Begründung der Deutschen Film und Medienbewertung).
 
Florian Gaag hat einen Film geschaffen, der nachwirkt und den Zuschauer auch nach dem Film intensiv beschäftigt. Ein Film der Sorte, - und das ist als Kompliment zu verstehen - die man sich im Jahr nur einmal anschauen kann. Aber eben auch anschauen sollte.
 
 
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