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*** LeMans 66: Gegen jede Chance ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Der Ford GT 40 ist bis heute der einzige amerikanische Rennwagen, der je das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hat. Der neue Film von James Mangold erzählt die Geschichte der Kerle hinter diesem Erfolg.
 
Echte Kerle
 
In den frühen Sechzigerjahren wollte die amerikanische Ford Motor Company den praktisch bankrotten Sportwagenhersteller Ferrari kaufen. Die Verhandlungen scheiterten im letzten Moment. Henry Ford II, der Enkel des Firmengründers Henry Ford, wollte sich für diese Demütigung revanchieren und die bis dahin dominanten Ferrari in Le Mans schlagen. Der ehemalige Le Mans-Sieger und Sportwagenkonstrukteur Carroll Shelby wurde mit der Aufgabe betraut, das Fahrzeug dazu zu konstruieren und den Rennstall zu leiten. Hilfe bekam er dabei von dem erfahrenen Rennfahrer Ken Miles …
 
Bei der Pressevorführung zu „Le Mans 66“ bezeichnete eine der anwesenden Damen diesen Film als „Männer-Film“. Aber was macht einen Film zum „Männer-Film“? Und was macht einen Mann zum Mann? Die alten Anforderungen -Baum pflanzen, Haus bauen und Sohn zeugen – sind mittlerweile sicher zumindest diskussionswürdig. Ich selbst kann zwar auch keine bessere Definition anbieten, möchte aber zwischen “Männern“ und „Kerlen“ unterscheiden. Kerle suchen Herausforderungen, notfalls auch dort wo gar keine sind. Und nicht erst seit „Animal House“ sind Kerlen „nutzlose und dumme Gesten“ immens wichtig. James Mangold zeigt uns in „Ford v Ferrari“ (wie der Film im englischen Original heißt) genau das: echte Kerle, die sich Herausforderungen suchen und jede Menge nutzlose Gesten.
 

 
Nutzlose Gesten
 
Ken Miles ist so ein Kerl, der einen Kunden in seiner Werkstatt schon mal belehrt, statt das Auto einfach so einzustellen wie es dem Kunden passt. Dieser Kerl wirft auch schon mal mit dem Schraubenschlüssel nach Carroll Shelby, seinem Freund und Boss. Und wenn Miles seine Karriere hinter sich glaubt, schmeißt er auch schon mal seine Trophäen in den Müll. Da prügeln langjährige Freunde und echte Kerle auch mal aufeinander ein, um sich dann wieder zu versöhnen. Und ist nicht auch Henry Ford II ein echter Kerl, wenn er Millionen bloß dafür ausgibt, sich für eine Demütigung zu revanchieren? Der GT 40 hat zwar vier Mal in Folge das wichtigste Langstreckenrennen der Welt gewonnen, verkauft wurden davon aber weniger als 100 Stück. Diese ganze Geschichte nutzloser Gesten müsste aus heutiger Sicht also reichlich unreif wirken.
 
Wenn uns diese Geschichte trotzdem berührt, so liegt das zum Teil daran, dass James Mangold ein großartiger Geschichtenerzähler ist. Wie bereits bei seinem Film „Walk the Line“ kombiniert er wahre Begebenheiten, Mythen und reine Erfindung zu einem unterhaltsamen und eben auch berührenden Werk. Dabei hilft ihm ein großartiges Ensemble von Darstellern, angeführt von Christian Bale, der seine beste Leistung seit fast zehn Jahren zeigt.
 
Große Worte
 
Kerle schwingen gerne große Reden. Und sie wissen oft nicht, wann sie aufhören sollen. Daher sind auch die Dialoge nicht unbedingt die Stärke dieses Films. Die Kerle in diesem Film reden viel. Selbst dann wenn die großartigen Bilder ausreichen würden. So muss Matt Damon als Carroll Shelby sowohl die erste Szene als auch einen Unfall am Ende des Films aus dem Off kommentieren, nur um dann in einem überflüssigen Epilog nochmal zu viel zu reden. Aber auch alle anderen Figuren müssen immer wieder viel zu viel kommentieren. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
 
01 ©2019 Constantin Film02 ©2019 Constantin Film04 ©2019 Constantin Film05 ©2019 Constantin Film
 
Bei dem vielen überflüssigen Gerede gehen die wirklich guten Dialogstellen fast unter. Wenn Miles‘ Ehefrau ihren Mann anherrscht, kein Geheimnis aus seinen Wünschen und Gefühlen zu machen, nur weil er meint, sie damit glücklich zu machen, ist das eine der emotional stärksten Stellen des Films. Und zuweilen lenkt der Dialog auch fast von den hervorragenden Bildern ab, die uns sehr viel besser vermitteln, was in den Figuren vorgeht. Wenn Miles zum ersten Mal den GT 40 über ein Flugfeld jagt, hat jeder echte Autofreak doch plötzlich was im Auge und gleichzeitig spontan Schnupfen bekommen und braucht deshalb und nur deshalb mal eben ein Taschentuch.
 
Die Ausstattung des Films ist fast zu schön. Schon lange wurden klassische Automobile nicht mehr so in Szene gesetzt wie hier. Auch die Rennszenen sind spannend gestaltet ohne unrealistisch zu wirken. Hier ist zwar alles „fast“ aber nichts „furious“. Die Macher des Films haben es geschafft, ein Gefühl für die Gefährlichkeit der alten Rennstrecken zu vermitteln. Das macht die Rennsequenzen auf wunderbar altmodische Weise spannend. Was macht es, wenn zu den vielen inhaltlichen Fehlern und Auslassungen auch noch teilweise lächerliche Anachronismen hinzukommen? (mir gefiel besonders das Bild aus dem 1965 entstandenen Bond-Film „Feuerball“, das im Film bereits 1963 zu sehen ist).
 
Viele Kerle und eine Frau
 
Christian Bale spielt Ken Miles, den Testpiloten und Rennfahrer, der im Film erheblichen Anteil an der Entwicklung des GT 40 hat. Bale hat immer schon dann am besten gewirkt, wenn er besondere Typen spielte, die beinahe aber noch nicht ganz unsympathisch waren. Man kann sich in dieser Rolle kaum einen anderen Darsteller vorstellen.
 
Matt Damon hat in den mehr als zwanzig Jahren seiner Karriere die unterschiedlichsten Rollen in den unterschiedlichsten Filmen gespielt und spielt doch irgendwie immer nur wie Matt Damon. Dementsprechend blass wirkt er als Carroll Shelby neben Christian Bale.
 
John Bernthal („The Walking Dead“) hat als Lee Iacocca nicht viel zu tun. Josh Lucas („Poseidon“) hat als Ford-Manager Leo Beebe vor allem fies zu sein.
 
Die große Überraschung des Films ist Caitriona Balfe in der Rolle von Ken Miles‘ Ehefrau. Diese begabte Darstellerin war bisher nur aus der mittelmäßigen Fernsehserie „Outlander“ bekannt. Hier macht sie das Beste aus einer kleinen aber wichtigen Rolle und bildet als einzige Frau unter lauter Kerlen das emotionale Zentrum dieses Films.
 
Fazit
 
„Le Mans 66“ erzählt die Geschichte von ein paar echten Kerlen und ihren nutzlosen Gesten. Ein Film wie der GT 40: nicht nach jedermanns Geschmack, sicher nicht besonders elegant, aber mit einem starken Motor ausgestattet und von Kerlen für Kerle gemacht.
 
 
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