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*** After the Wedding ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Julianne Moore und Michelle Williams treffen in einem Film von Moores Ehemann Bart Freundlich aufeinander. Das klingt zunächst mal sehr interessant …
 
Filmgeschichte und Spoiler
 
Julianne Moore hat ihre Karriere in der TV-Serie „As the World Turns“ begonnen. Lange vor „Benny & Joon“ und „Auf der Flucht“ spielte sie in dieser amerikanischen „Soap Opera“ eine Frau, die sich in einen Mann verliebt, der sie ermorden will weil er ihre Tante liebt die gleichzeitig ihre Stiefmutter ist und dabei selbst getötet wird. Später lernt sie zufällig eine bisher unbekannte Halbschwester kennen. Offensichtlich hatte Frau Moore irgendwann Sehnsucht nach dieser Zeit, sonst hätte sie sich nicht „After the Wedding“ als nächstes Projekt ausgesucht.
 
Üblicherweise verraten wir bei fantasticmovies.de nur ungern überraschende Wendungen der Handlung. Aber die Handlung dieses Films besteht nur aus überraschenden Wendungen. Michelle Williams spielt Isabel, die in Indien ein Waisenhaus leitet. Die Unternehmerin Theresa (Moore) lädt sie nach New York City ein, um mit ihr eine Spende von Zwei Millionen Dollar zu besprechen. Nach einem oberflächlichen Gespräch lädt Theresa Isabel zur Hochzeit ihrer Tochter ein.
 
Dort muss Isabel feststellen, dass Theresas Ehemann Oscar ihr Exfreund ist (!) mit dem sie vor Zwanzig Jahren eine Tochter hatte (!!), die sie gemeinsam zur Adoption freigegeben haben (!!!). Tatsächlich hat Oscar die Tochter damals behalten (!!!!), später Theresa kennen gelernt, die hat seine kleine Tochter adoptiert und mit ihm aufgezogen und - was soll ich noch sagen? – die Braut, die vor dem Altar steht, ist Isabels leibliche Tochter (!!!!!).
 

 
Seifenoper für Fortgeschrittene (und weitere Spoiler)
 
Ich weiß, wir sind bereits bei 5 Ausrufezeichen. Aber wir sind noch nicht einmal bei der Hälfte der Handlung und die schrägsten überraschenden Wendungen liegen noch vor uns. Therese leidet an einer dieser Hollywood-Arten von Krebs (!!!!!!), gegen die rein gar nichts hilft und bei der man noch genau drei Monate zu leben hat. Theresas Familie weiß nichts davon (!!!!!!!) Weil mir bald die Ausrufezeichen ausgehen, kürze ich jetzt ab. Die todkranke Millionärin stellt die leibliche Mutter ihrer Tochter vor die Wahl: Die auf Zwanzig Millionen (!!!!!!!!) erhöhte Spende an ihr Waisenhaus gibt es nur, wenn Isabel im Gegenzug dafür in New York bleibt um sich nach Theresas Tod um ihre beiden achtjährigen Söhne, ihre gemeinsame Tochter und ihren Ehemann (gleichzeitig Isabels Ex, wir erinnern uns?) zu kümmern !!!!!!!!!
 
Wir haben also hier einen Film, in dem eine der beiden „Heldinnen“ lügt, manipuliert und die andere „Heldin“ erpresst, damit auch nach ihrem eigenen Tod alles ganz genauso läuft, wie sie sich das vorstellt. Das Drehbuch steckt zwar voller überraschender Wendungen, die niemanden überraschen (Theresas tödliche Krankheit wird jedem Zuseher nach 20 Minuten offenbar). Davon abgesehen ist es aber furchtbar langweilig und unentschieden geschrieben und so wird nie klar, was wir von dieser Theresa halten sollen. Freundlichs Inszenierung lässt auch keine Haltung zu dieser Figur erkennen. Auf die Art wird uns die eine der beiden „Heldinnen“ nie wirklich sympathisch.
 
Die Figur der anderen „Heldin“, Isabel, hat noch mehr unter Drehbuch und Regie zu leiden. Während die Millionärin Theresa unsympathisch aber klug ist, ist Isabel unsympathisch aber dumm. Alles was Theresa im Verlauf der Handlung anstellt ist furchtbar manipulativ, während Isabel sich einfach immer nur dumm anstellt. Angeblich arbeitet sie seit vielen Jahren für das Waisenhaus. Aber in jeder Szene in der sie mit der potentiellen Millionenspenderin zu tun hat, stellt sie sich an als hätte sie noch nie Spenden auftreiben müssen.
 
Zur Hochzeit kommt sie zu spät. Sie hat sich nie gefragt, wie es eigentlich dem Mann ergangen sein mag, mit dem sie vor Zwanzig Jahren mal ein Kind hatte. Sie hat über ihre potentielle Millionenspenderin nie im Internet recherchiert und dabei ein Bild ihres Ehemannes gesehen, nicht einmal nachdem sie überraschend zur Hochzeit eingeladen wurde. Später hadert Isabel mit sich, ob sie Theresas Bedingungen akzeptieren soll und der Zuseher muss sich fragen, ob diese Figur wirklich meint, ihre Person wäre wichtiger für das Waisenhaus als Zwanzig Millionen Dollar?
 
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Die Oper wird immer seifiger
 
Regisseur und Co-Autor Freundlich ist bei uns fast nur als Ehemann von Julianne Moore bekannt. „Das Familiengeheimnis“ und „Liebe ist Nervensache“ (beide mit Moore in den Hauptrollen), waren bemüht, aber vorhersehbar. Bezeichnend für seine Art des Filmemachens ist die erste Szene: Wir sehen einen Drohnenflug über ein indisches Dorf auf die meditierende Hauptfigur zu. Es folgt ein nicht besonders eleganter Schnitt zu einer Nahaufnahme der Hauptfigur, die dann bald viel zu viel spricht. Der Drohnenflug war nicht besonders beeindruckend, der Schnitt ungeschickt, das Bild der meditierenden Heldin ein bisschen prätentiös und viel zu schnell folgt viel zu viel Dialog. Man kann so einen Film eleganter beginnen.
 
Alles was wir in dieser ersten Szene zu sehen bekommen, begegnet uns im Verlauf des Films immer wieder. So als wären Drohnenflugaufnahmen etwas ganz Tolles, bekommen wir sie immer mal wieder gezeigt. Nicht unbedingt an Stellen, an denen sie nötig wären. Eher immer dann wenn Freundlich mal wieder danach war, die Drohne auszupacken. Die Übergänge von einer Szene zur nächsten sind selten wirklich elegant gestaltet. Die Nahaufnahmen der Heldin Isabel bringen nicht viel, weil Michelle Williams fast jede Szene gleich spielt. Und der Dialog ist – typisch für Seifenopern – einfach viel zu viel.
 
Alles, wirklich alles wird nur im Dialog erklärt. Dieser Film ist nicht bloß eine Seifenoper, er ist ein Hörspiel. Weil die Figur der Isabel viel zu dumm ist um irgendwas selbst zu merken, erklären ihr die Brautleute die wesentlichen Elemente der Handlung im Laufe ihrer Reden bei der Hochzeit. Es ist als hätte die Mutter vorher zur Tochter gesagt, „Ach ja, ich habe eine Dir unbekannte Frau zu Deiner Hochzeit eingeladen. Und weil es mir gerade einfällt, kannst Du in Deiner Rede erwähnen, dass Du zwar die leibliche Tochter Deines Vaters bist, aber von mir adoptiert wurdest? Danke, mein Schatz.“
 
Und dieser ganze Dialog ist an keiner Stelle auch nur halbwegs gut geschrieben. Klar, bei großen Mengen leidet immer die Qualität. Aber muss das alles so klischeehaft sein? Muss die Tochter zur leiblichen Mutter wirklich sagen, „Ich könnte kein Baby weggeben“? Muss eine Sterbende wirklich Sachen sagen wie „Ich sterbe“, „Wo gehe ich hin?“ und „Ich will nicht sterben“? Und warum sagt der Ehemann zu seiner Frau „Grüß Deine Schwester“? Hat er den Namen seiner Schwägerin vergessen?
 
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Seifensopranistinnen
 
Julianne Moore kann eine fantastische Darstellerin sein. Das hat sie erst neulich in „Gloria – Das Leben wartet nicht“ bewiesen. Sie kann aber auch übertreiben, wie in „Maps to the Stars“. Und sie kann auf der Leinwand nerven, wie in „Next“ oder „Mockingjay“. Von ihrer Leistung in „Gloria“ hat sie sich mit diesem Film weit entfernt.
 
Michelle Williams war bezaubernd in „My Week with Marilyn“. In “Alles Geld der Welt” wirkte sie verloren und „Venom“ hätte sie sich und uns ersparen sollen. Hier spielt sie fast den ganzen Film mit dem gleichen Gesichtsausdruck und mit der gleichen Haltung und beides passt nicht zu ihrer Figur.
 
Was ist eigentlich mit Billy Crudup los? Von „Mission: Impossible III“ über „Public Enemies“ und „Alien: Covenant“ muss der arme Mann seit Jahren immer wieder furchtbar unsympathische Figuren spielen. Hier muss er einen Mann darstellen, bei dem sich Drehbuch und Regie nie entscheiden konnten, ob der nun ein Armleuchter oder bloß ein armes Würstchen sein soll. Aus so einer Rolle lässt sich nichts machen.
 
Fazit
 
Wenn „After the Wedding“ die Art ist, wie das Ehepaar Moore-Freundlich ein Herzensprojekt umsetzt, möchte ich nicht wissen, wie die beiden Urlaub machen. Wer Seifenopern mag, bekommt hier eine recht aufwendig gestaltete Doppelfolge zu einer Serie die nie im Fernsehen lief. Alle anderen sollten lieber schauen, ob „Gloria – Das Leben wartet nicht“ noch irgendwo gezeigt wird.
 
 
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