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*** Sauerkrautkoma ***


 
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Autor: Walter Hummer
         
Die neueste Verfilmung eines Romans von Rita Falk zeigt wieder regionale, nationale und sexistische Vorurteile und Szenen, in denen viel ungesunde fett- und kohlehydratreiche Nahrung aufgenommen wird. Der Film bietet also alles, was die Fans lieben. Aber bietet er auch etwas für Zuschauer, die sich dem Reiz der Buchserie bisher entziehen konnten?
 
„München kann mich am Arsch lecken“
 
Dorfpolizist Franz Eberhofer hat es schwer. Dauerfreundin Susi will, dass sich die gemeinsame Beziehung weiter entwickelt. Das ist schlimm. Dann wird er noch nach München versetzt. Das ist noch schlimmer. Und so muss der Mittvierziger bei Papa und Oma ausziehen. Das ist am schlimmsten. Irgendwann wird eine Leiche gefunden. Das ist wieder halb so schlimm.
 
Regionalkrimis verhalten sich zu echten Krimis, wie Regionalpolitik zu echter Politik. Menschen mit geringer Begabung schaffen eine Version des überregionalen Vorbilds, die man nur interessant finden kann, wenn man Interesse an der jeweiligen Region hat. Daher ist es auch unergiebig, die Krimihandlung von „Sauerkrautkoma“ nachzuerzählen. Wollte man nämlich mehr als drei Sätze darüber schreiben, müsste man unweigerlich die Aufklärung verraten. Aber dass die Krimihandlung nebensächlich sein würde, war zu erwarten. Nicht zu erwarten war aber, wie nebensächlich in diesem Film das Opfer behandelt wird. Nicht nur die Filmfiguren verschwenden keinen Gedanken an das Leben und den gewaltsamen Tod eines jungen Mädchens. Auch den Filmemachern war das Schicksal des Opfers sowohl vor als auch nach dem Mord offensichtlich komplett gleichgültig. In „Immer Ärger mit Bernie“ wird der Leiche mehr Respekt bezeugt als in diesem Film.
 
 
„Rudi, es woa ein Spass!“
 
Aber der Film ist ja kein reiner Krimi, sondern eine Krimikomödie. Wie sieht es also mit den komödiantischen Elementen aus? Einige Szenen sind wirklich witzig gestaltet. Das erste Konzert der Schul-Punkband nach dreißig Jahren ist ebenso herrlich schräg anzusehen, wie ein Besuch in einem Swingerclub am „Männertag“, weil dann der Eintritt billiger ist. Auch der Sprachwitz funktioniert in einigen Szenen ganz wunderbar. Auf einen furchtbaren, spontanen Heiratsantrag folgt ein kaum weniger furchtbarer, vorbereiteter Versuch mit der köstlichen Dialogzeile, „Gmeinwieser Susi, mogst Du mi heiraten?“
 
Leider hält der Film dieses Niveau nicht durch. Verdauungshumor wirkt ja selten wirklich witzig. Die Auswirkungen von übermäßigem Saukrautkonsum werden hier in einer bemühten Parallelmontage sowohl drastisch erklärt als auch gezeigt. Das ist dann ebenso unlustig und vor allem überflüssig wie das Bollywood-Männerballett am Ende des Films. Die Szene bei einem teuren Juwelier haben wir so oder so ähnlich bereits in einigen Hundert Filmen gesehen. Und selten weniger witzig.
 
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„Ja, scho …“
 
Regisseur Ed Herzog zeigt in vielen Szenen echtes Können. Die Drehorte werden herrlich schräg in Szene gesetzt. Die protzige Fertigteilvilla des Bürgermeisters, eine Junggesellenbude oder auch ein hippes Großraumbüro erinnern an die Alptraumlandschaften eines Uli Seidl. An solchen Orten wird der fühlende Mensch zum Fremdkörper. Eine Szene in einem Bus zeigt, dass Herzog seine Klassiker kennt.
 
Leider machen es sich Herzog und sein Drehbuchautor Stefan Betz meistens allzu leicht, wenn sie auf altbewährte Muster und Stereotypen zurückgreifen. Alle Frauen wollen Kinder und/oder heiraten. Die Männer hingegen wollen vor allem in Ruhe essen und saufen. Am Land ist es schön, in der Stadt wird einem das Auto gestohlen. So weit so unmodern. Besonders altmodisch wird es, wenn ein ehemaliger Mitschüler zwar in Silicon Valley reich geworden ist, sich aber wie ein Zuhälter aus den 80ern kleidet. Hier hätte die Kostümabteilung statt zum weißen Anzug und pastellfarbenen T-Shirt dann doch eher zum Rollkragenpullover greifen sollen. Und wenn man nicht das Budget hat, einen Tesla-Roadster für eine Unfallszene zu opfern, hätte man die Szene eben besser umgeschrieben. Ein alter Honda CRX sieht nicht aus wie ein Tesla. Auch nicht, wenn ein anderes Fahrzeug darauf steht.
 
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Der Film ist mit kompetenten Darstellern besetzt, die allesamt zu gut sind, für das was sie da spielen müssen. Vor allem Ulrike Beimpold kann einem wirklich leidtun. Und Gedeon Burkhard hätte sich auch besser wieder von einem Schäferhund abschlecken lassen sollen, als diese Rolle zu übernehmen.
 
Fazit
 
Die Fans der Serie bekommen, was sie sich wünschen. Alle anderen Filmfreunde bekommen nichts, was sie nicht schon besser gesehen hätten.
 
 
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