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*** Dora und die goldene Stadt ***


ouatih kritik

Autor: Alexander Friedrich
 
Ausgerechnet auch noch das interaktive Zeichentrickformat „Dora“ hat es jetzt auf die Leinwand geschafft. Die dick aufgeblasene Kino-Adaption emanzipiert sich jedoch von der Vorlage und probiert sich mehr als „Indiana Jones“-Interpretation mit stolzer Latino-Botschaft.
 
Kein zweites Black Panther
 
Ethnische Minderheiten, die aus dem Schatten treten und zu großen Helden reifen – mit dem Marvel-Film „Black Panther“ ging diese Prämisse an den Kinokassen wunderbar auf. Noch stärker als das Box-Office-Ergebnis war die unvergleichliche Resonanz, die mit dem Titel einherging. „Black Panther“ war fast mehr politische Bewegung als typischer Superheldenfilm. Die LA Times traute im August 2019 einen ähnlichen Effekt dem nun startenden „Dora und die goldene Stadt“ zu.
 
Obwohl die beiden Werke kaum unterschiedlicher sein könnten, eint sie die Besetzung jener gesellschaftlichen Randgruppen. Während es in „Black Panther“ afroamerikanische Heroen waren, wurde für die Leinwandadaption der Nickolodeon-Serie größtenteils auf eine Besetzung mit süd- und mittelamerikanischen Wurzeln zurückgegriffen. Die LA Times prognostizierte in ihrem Artikel eine „seltene Chance für den lateinamerikanischen Status in Hollywood”. Und das Selbstbewusstsein für die Latino-Kultur ist im ersten „Dora“-Kinofilm mehr als greifbar, der „Black Panther“-Effekt bleibt jedoch aus.
 

 
In erster Linie will „Dora und die goldene Stadt“ nämlich gar nicht so laut mit seiner Botschaft umgehen und hält sich mit politischen Statements weitestgehend zurück, da ging „Black Panther“ ungleich weniger subtil vor. Immerhin bleibt der „Dora“-Film eine Produktion für Kinder, auch wenn die Zielgruppe etwas älter als bei der Vorlage ausfallen dürfte. Die erstmals vor 19 Jahren auf Nickolodeon ausgestrahlte Zeichentrickserie „Dora“ richtete sich mit ihrem pädagogischen Ansatz vor allem an den Vorschul-Nachwuchs. Der quietschbunte wie infantile Look weicht nun aber einem erwachseneren wie realistischeren Gewand eines Hollywood-Realfilms, was sich auch in der Protagonistin selbst widerspiegelt.
 
Eine andere Dora
 
Dora ist in „Die goldene Stadt“ kein siebenjähriges Mädchen mehr, sondern eine Teenagerin, die von der talentierten Isabela Moner verkörpert wird. Die 18-jährige Schauspielerin machte vor allem mit ihren Rollen in „Transformers: The Last Knight“ und „Sicario 2“ auf sich aufmerksam und verleiht nun der ikonischen Trickfigur Dora ein ungewohnt emanzipiertes Gesicht. Gleich zu Beginn wird mit einem Augenzwinkern auf die Mitmach-Elemente der Vorlage verwiesen (Moners Dora spricht hier wie früher kurz mit einer Frage direkt den Zuschauer an), nur um sich danach von dieser zu distanzieren.
 
So zieht Dora aus dem heimischen Regenwald in den Großstadtdschungel von Los Angeles und löst mit ihrem unbegrenzten Optimismus und ihrer Abenteuerlust bei ihren neuen Schulkameraden schnell verwunderte Blicke aus. Hier wird der Film auch am interessantesten, wenn sich die populäre Serienfigur in einer ihr völlig fremden Umgebung zurechtfinden muss und ihre Schwierigkeiten hat, neue Kontakte zu knüpfen. Sogar so manchen Querverweis auf die aktuelle Situation der USA und deren hitzig geführte Waffendebatte traut sich der Familientitel zu, wenn zum Beispiel Dora bei ihrer neuen High School erst eine strenge Sicherheitskontrolle samt Durchsuchen der Taschen absolvieren muss, um ins Gebäude zu gelangen.
 
Solch überraschend reife Einblicke gewähren Regisseur James Bobin und sein Autorenteam allerdings nur selten, auch weil der Schauplatz sehr schnell wieder von Los Angeles auf den tropischen Dschungel wechselt. Dora und ihr Cousin Diego (Jeffrey Wahlberg) sowie drei ihrer Schulkameraden werden kurzerhand nach Perü entführt, um für eine Gaunerbande die sagenumwobene Inka-Stadt Parapata zu finden. Auch wenn die Schauwerte von „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Szenenbildner Dan Hennah trotz einiger Künstlichkeit durchaus zu überzeugen wissen – die Großstadt war schlichtweg das interessantere und spannendere Fundament für die Geschichte, während Doras unfreiwilliges Survival-Abenteuer zu einer arg konstruierten Plotprozedur verkommt.
 
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Tomb Raider und Indiana Jones zum Mitknobeln
 
Dass sich die Macher dann nämlich doch nicht komplett vom Original lösen können, macht sich bei den zahlreichen Hindernissen bemerkbar, die sich den Kids bei ihrer Odyssee in den Weg stellen. Stellenweise wirkt der Titel wie ein Videospiel der „Tomb Raider“-Reihe, bei dem man zwar aufgefordert wird, mitzuwirken, aber trotzdem nicht eingreifen kann. So wird man wenig schlau daraus, wenn Dora und Co. mit mathematischen Phrasen um sich werfen, um ein Lichträtsel zu lösen, das man so schon dutzendfach mit Lara Croft auf der Spielekonsole erlebt hat. Die offensichtliche Ansprache ans junge Publikum bringt dabei weder einen lehrreichen Ertrag noch einen Unterhaltungswert mit sich. In Wirklichkeit zieht sich der Film mit seinen zähen 100 Minuten Laufzeit nur unnötig in die Länge, da sehr viele dieser ziemlich klischeehaften Kopfnuss-Einlagen auf sich warten. Eigentlich hat nur noch eine rollende Steinkugel gefehlt...
 
Auch die häufig aufdringlichen Wissensanekdoten stören eher, als dass sie für Esprit sorgen. So haut ein fieser Söldner einfach mal gerade heraus, dass Affen das Dreifache ihres Eigengewichts tragen können. Auf der anderen Seite ziehen die Macher ein konsequent hohes Tempo durch, um das Publikum bei Laune zu halten. Selbst eine psychedelische Sequenz, die in ihrer Optik an die Zeichentrickserie angelehnt ist, bleibt nicht aus. Und auch die berühmten tierischen Sidekicks Affe Boots und Fuchs Swiper treten in der Verfilmung auf und werden sogar von Benicio del Toro („21 Gramm“) und Danny Trejo („Machete“) vertont. „Narcos“-Star Michael Peña und Eva Longoria „Desperate Housewives“) als Doras Eltern runden den lateinamerikanisch geprägten Cast ab, groß im Gedächtnis können sich ihre filmischen Persönlichkeiten nicht verankern.
 
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Fazit
 
Am meisten bleibt jedoch Isabela Moners Dora hinter den Erwartungen zurück. Während sie in der Stadt noch mit ernsthaften Problemen einer jungen angehenden Erwachsenen konfrontiert wird, darf die Entdeckerin im bunten Rätsel-Dschungel wieder ganz die Alte sein, ohne Ecken und Kanten, dafür mit jeder Menge Ratschläge für die jeweils passende Situation. So wie man sie schon aus der Kinderserie kennt, nur eben etwas älter. So macht „Dora und die goldene Stadt“ einen Schritt vorwärts und zwei zurück.
 
 
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