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***13 Hours***

13h kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Exakt elf Jahre nach den 9/11 Anschlägen kommt es am 11. September 2012 auf einem amerikanischen Diplomatengelände in der libyschen Stadt Bengasi zu einem tödlichen Zwischenfall. Radikale Islamisten dringen mit Gewalt auf das als provisorische Botschaft dienende Anwesen ein und töten unter Anderem US Botschafter Christopher Stevens, dem der Kriegsfilm „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ auch gewidmet ist.
 
So bekommt der Zuschauer noch vor den Credits einen Nachlass zum getöteten Stevens und den gefallenen Soldaten vorgetragen, welcher den von Regisseur Michael Bay zelebrierten Patriotismus auf die Spitze treibt. Davor aber hält der sich sonst alles andere als subtile Krawumm-Experte angenehm mit dem Hurra-Pathos zurück, doch der fade Beigeschmack bleibt, dass „13 Hours“ mehr solide kurzweilige Standard-Action als ein intelligentes politisches Statement bietet.
 
Während in Libyen ein Bürgerkrieg tobt, wird Soldat Jack Silva (John Krasinski) nach Bengasi beordert, wo er mit einer Spezialeinheit unter der Leitung von Tyrone Woods (James Badge Dale) beauftragt wird, ein vorübergehend als amerikanische Botschaft dienendes Luxus-Gelände abzusichern. Jenes wird dann in der Nacht plötzlich auch von einer großen Welle islamistischer Terroristen angegriffen. Während man ohne Erfolg um Verstärkung erbittet, muss das gerade mal siebenköpfige Team um Jack alleine die Stellung halten...

 
Action und Explosionen ala "Transformers"
 
Mit Michael Bay brachte man zuletzt fast nur noch die Transformers-Reihe zusammen, die mit dem vierten Teil qualitativ einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Nein, Bay-Filme sind meist keine guten Werke, doch man erinnert sich gerne an Ausnahmen wie „Bad Boys 2“ zurück. Erstmals seit „Pearl Harbor“ (2001) wagt sich der Action- und Explosions-Meister nun wieder an einen Kriegsfilm mit einem realen historischen Kontext. Was damals aufgrund einer fürchterlich propagierenden Darstellung der Ereignisse in Kombination mit einer aufgesetzten Liebesgeschichte komplett in die Hose ging, ist diesmal erfreulich reifer und besser gelöst worden. „13 Hours“ trieft zwar natürlich auch voller Patriotismus, wie man es von Bay gewohnt ist, doch driftet er nicht ins Absurde ab und übersteigt nicht den vergleichbarer Filme wie „American Sniper“ oder „Zero Dark Thirty“.
 
Die beiden Beispiele unterscheiden sich jedoch stark in ihrer Botschaft und ihrer Auseinandersetzung mit der politischen Situation von Bays Kriegsfilm. In „13 Hours“ gibt es nur in den ersten Minuten eine Zusammenfassung der Lage in Libyen und wie es zum Bürgerkrieg kam, danach spielen die Probleme des Landes und der Part der Vereinigten Staaten darin keine Rolle mehr. Es geht ausschließlich nur noch um den Angriff der Terroristen und die bleihaltige Verteidigung des Diplomatengeländes. In keinem weiteren Dialog trauen Bay oder Autor Chuck Hogan (The Strain) sich auch nur ansatzweise, sich Gedanken um den Nahostkonflikt zu machen, geschweige denn eine kritische Perspektive zu ziehen.
 
„13 Hours“ bleibt enttäuschend zynisch und kommt nie darüber hinaus, einfach nur effekthaltige Kriegsszenen ohne Meta-Ebene oder Reflexion zu zeigen. Das wird vor allem daher zur Farce, weil die gemeinte Action unterhaltsam und gut inszeniert daher kommt. Der Schrecken des Krieges bleibt in „13 Hours“ inhaltlich außen vor. Da passt es ironischerweise hervorragend, wenn der gesamte politische Kontext zum Schluss von einem Soldaten zusammengefasst wird, der zu einem Bürger sagt: „Dein Land hat ne Menge Probleme. Ihr müsst eine Lösung dafür finden.“

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Es geht nicht ohne Autos...
 
Dennoch ist „13 Hours“ klar besser als etwa „Pearl Harbor“, weil dem Zuschauer zum Beispiel eine unnötige Nebenhandlung erspart bleibt. Zwar wird die familiäre Situation um Protagonist Jack ein paar Mal angedeutet, mehr Raum nehmen diese potenziellen Bremser aber nicht ein. Hier reduziert Bay die Geschichte auf ihr Wesentliches. Es geht von Anfang an bis zum Ende zur Sache. Zwar bleiben die Figuren allesamt austauschbar und blass, doch das ist im wirklich einmal mehr Bay-typisch sehr aufwendig inszenierten Gefecht eh nicht so wichtig.
 
Wenn dann die Kugeln fallen, schepperts, krachts und explodiert einmal mehr alles einem um die Ohren, was durch größtenteils real gedrehte Effekte auch toll aussieht. Optisch ist „13 Hours“ nicht nur dynamisch, sondern auch authentisch. Eine Ausnahme bilden da nur die nagelneuen Mercedes Modelle, die es anno 2012 unlogischer weise noch gar nicht auf dem Markt gab und hier etwas zu deutlich zur Produktplatzierung verwendet wurden.
 
Wo es inhaltlich schon die zynische Darstellung des Konflikts in Libyen zu bemängeln gab, kann das Drehbuch vor allem mit seinen Dialogen alles andere als glänzen. Irgendwie will kein einziger Satz richtig sitzen. Die Texte der Charaktere wirken arg aufgesetzt und einfach schwach geschrieben. Dafür bleibt dem Zuschauer auch der peinliche Humor der „Transformers“-Filme oder von „Pearl Harbor“ erspart. Wie schon angedeutet, fehlt es „13 Hours“ zwar an intelligentem Inhalt, allerdings gibt es auch keine absurden Ausbrüche oder geschmacklose Darstellungen.
 
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Fazit:

„13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ ist kein guter Film und weit entfernt von der Klasse eines „Black Hawk Down“. Michael Bays neuer Film ist aber auch viel besser als seine zuletzt katastrophalen Werke und auch „Pearl Harbor“ wird mühelos in den Schatten gestellt.
 
Der sonst so dick aufgetragene Patriotismus und auch die Masse an übertriebener Krawall-Action fallen diesmal erfreulich subtiler aus. Innovationen im Genre, Figuren, die einem nahe gehen oder eine Reflexion der Ereignisse, sucht man dafür vergebens. „13 Hours“ bietet zwar solide gut gemachte Action aber auch nie mehr.
 
 
 
 
 
 
 
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