*** Die Täuschung ***

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Kritik: Die Täuschung


 
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Autor: Christopher Diekhaus
 
Unglaublich, aber wahr! John Maddens Spionagedrama „Die Täuschung“ rekonstruiert eine verrückte Geheimdienstoperation während des Zweiten Weltkriegs, mit der die Nazis an der Nase herumgeführt werden sollten.
 
Eine Leiche als Köder
 
Ein Drehbuchschreiber hätte sich nicht besser ausdenken können, was britische Geheimdienstler im Jahr 1943 in Angriff nahmen, um das deutsche Oberkommando auf eine falsche Fährte zu locken. Die Macht Hitlers in Europa sollte durch einen Invasion der Alliierten in Sizilien gebrochen werden. Aus Angst, die eigenen Soldaten ins offene Messer laufen zu lassen, kam man allerdings überein, dem Feind vorzugaukeln, dass eine Landung in Griechenland und auf Sardinien geplant sei.
 
Unter dem Namen Operation Mincemeat ging man einen höchst gewagten Plan an, der vorsah, eine Leiche mit einer fiktiven Identität und unechten Top-secret-Informationen über dem Meer abzuwerfen. In der Hoffnung, dass die Nazis die fingierten Hinweise nach dem Auftauchen des Toten an Land abgreifen und schlucken würden.
 
Mit diesem irrwitzigen Manöver befasste sich bereits das 1956 veröffentlichte Spionagedrama „Der Mann, den es nie gab“, das auf einem Tatsachenbericht Ewen Montagus basiert, einem der Lenker der ausgeklügelten Aktion. „Shakespeare in Love“-Regisseur John Madden legt nun eine neue Aufarbeitung der Ereignisse vor und orientiert sich dabei an einem Sachbuch des Historikers und Journalisten Ben Macintyre
 
 
In „Die Täuschung“ schlüpft Oscar-Preisträger Colin Firth (ausgezeichnet für seine Darbietung in „The King’s Speech“) in die Rolle des oben erwähnte Montagu, der zusammen mit Charles Cholmondeley (Matthew Macfadyen) die Idee der Leiche vorstellt, ausarbeitet und schließlich in die Tat umsetzt. Für ihre Operation wählen die Männer einen toten Obdachlosen namens Glyndwr Michael aus, dessen Körper Anzeichen eines Ertrunkenen aufweist. Aus ihm wird der Soldat Major William Martin, dem sie eine möglichst reichhaltige Biografie auf den Leib schreiben. Das Foto seiner angeblichen Verlobten steuert die verwitwete Sekretärin Jean Leslie (Kelly Macdonald) bei, für die sowohl Montagu als auch Colmondeley bald etwas empfinden.
 
Wirkungsvoll verdichtete Geschichtsstunde
 
„Die Täuschung“ ist keiner dieser Kriegs- oder Geheimdienstfilme, die über Spektakel und permanente Aktion funktionieren. Langweilig und trocken wird es jedoch nie, weil Madden und Drehbuchautorin Michelle Ashford („Masters of Sex“) die Mincemeat-Vorbereitungen und -Geschehnisse geschickt verdichten.
 
Unterhaltsam sind etwa die Passagen, in denen sich Montagu und seine Mitstreiter mit spürbarer Freude am Fabulieren Details und Eigenschaften für ihren fiktiven Major überlegen. Bekämpft wird der Feind nicht nur auf dem Schlachtfeld. Auch im stillen Kämmerlein werden wichtige Entscheidungen getroffen und Erfolge errungen. Das betont der Film immer wieder. Erfreulich ist, dass die Macher es regelmäßig schaffen, eher weniger aufregenden Momenten Spannung zu verleihen. Zum Beispiel einer Szene, in der die Beteiligten beisammensitzen und ein Telegramm erwarten. Die ernsten Blicke und Mienen und die Tatsache, dass es um sehr viel geht, reichen aus, um Nervenkitzel zu produzieren.
 
01 ©2022 Warner Bros Pictures02 ©2022 Warner Bros Pictures03 ©2022 Warner Bros Pictures04 ©2022 Warner Bros Pictures
 
Das Spiel mit Illusion und Täuschung, das Montagu und Co betreiben, findet seine Entsprechung in der Figur eines gelegentlich kommentierend eingreifenden Erzählers, der selbst in die Operation involviert ist. Der Name dieses oft an einer Schreibmaschine sitzenden Mannes: Ian Fleming, kein Geringerer als der Schöpfer der Spionageikone James Bond, der zehn Jahre nach Mincemeat seinen ersten 007-Roman präsentieren wird. Mehr als einmal sinniert er über das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion – und ergänzt die gediegen ausgestattete Geschichtsstunde um eine amüsante Metaebene.
 
Die Qualität des Hauptstranges bleiben manche Nebenplots- und schauplätze leider schuldig. Ins Auge sticht hier vor allem das in der Realität nicht belegte Liebesdreieck zwischen Montagu, Colmondeley und Leslie, das zwar nicht übermäßig plump ausgeschlachtet wird, aber dennoch klischeehaft und überflüssig bleibt. Unausgereift wirken auch die Schilderungen rund um Ewens Bruder Ivor (Mark Gatiss), der verdächtig wird, mit der Sowjetunion zu kollaborieren. Was die Macher mit diesen Zusatzinformationen und Ausschmückungen bezwecken, ist klar. Die Figuren sollen mehr Profil erhalten. Wirklich gelingen will es in der dargebotenen Form allerdings nicht.
 
Fazit
 
Spannend-informatives Spionagedrama um eine irrwitzige Operation im Zweiten Weltkrieg, dem einige holprige bis überflüssige Nebengeschichten etwas Ausdruckskraft rauben.
 
 
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