Als Farasha und ihre Freundin Una (Carlotta von Falkenhayn) in der Nacht nach Hause müssen, bietet sich Faris kurzerhand als Fahrer an. In einer unübersichtlichen Baustelle kommt es zu einem Unfall, den Akın erst später aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen wird. Hier verschwindet der Wagen des jungen Mannes einfach nur zwischen den bunten Leuchtzeichen – dann der Schnitt zu einem im Krankenhaus aufwachenden Faris, der von seiner Mutter (Anna Bederke) beruhigt wird.
Von einem Moment auf den anderen bricht seine Welt zusammen. Denn nur wenig später erfährt der frischgebackene Abiturient, dass Farasha bei dem Crash gestorben ist. Das Ende der aufkeimenden Liebesgeschichte scheint unumstößlich. Doch dann biegt das Drehbuch, das der Regisseur zusammen mit Ruth Toma („Der Junge muss an die frische Luft“) geschrieben hat, mit einer spannenden Wendung um die Ecke. Vom Jenseits aus kann Farasha Kontakt zu Faris aufnehmen, allerdings nur in seine Träumen und noch dazu bloß 40 Tage lang. Danach verschwindet sie, wie es an einer Stelle heißt, im Nebel der Erinnerung, muss den Trauernden endgültig verlassen.
Große Fragen, große Gefühle
Obwohl die Protagonisten schon nach wenigen Minuten auseinandergerissen werden, entfaltet sich in „Geister“ eine Romanze ohne übertriebene Kitschanfälle, die immer wieder zu berühren weiß. Mariam Dawoud und Shooting-Star Eren M. Güvercin, unter anderem bekannt aus der RTL+-Serie „Euphorie“, transportieren das Knistern zwischen Farasha und Faris schon beim ersten Treffen, was die Tragik der Situation nur noch verstärkt. Hier haben sich offenbar zwei Menschen gefunden, die wirklich auf einer Wellenlänge funken. Und doch hat das Schicksal nichts Besseres im Sinn, als das frische Glück zu zertrümmern.
Auch im weiteren Verlauf ist die Anziehung, dank des feinfühligen Spiels der beiden Hauptdarsteller, fast mit Händen greifbar, wobei der Film auch vor düsteren Winkelzügen nicht zurückschreckt. Kann, darf die Liebe größer als der Tod sein? Oder anders gefragt: Welchen Sinn hat das Leben nach dem schmerzhaften Verlust noch? „Geister“ packt große Themen an, tut das aber mit einer gewissen Leichtigkeit, die man keineswegs mit Oberflächlichkeit verwechseln sollte.