Helen Mirren und Alden Ehrenreich in würzigem Verwirrspiel um Wahrheit und Fiktion.
Mission impossible in der Schweiz US-Schriftstellerin Patricia Highsmith, oft als Königin des psychologischen Thriller gefeiert, erschuf diverse aufregend-ambivalente Figuren. Keine hat sich aber so sehr im popkulturellen Gedächtnis festgesetzt wie der soziopathische Hochstapler und Mörder Tom Ripley, dem René Clément in „Nur die Sonne war Zeuge“ (1960) und Anthony Minghella in „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) filmische Denkmäler setzten. 2024 erschien mit „Ripley“ auch eine vielgelobte Serie auf Netflix, die Andrew Scott in der Titelrolle zeigt.
Highsmith schrieb fünf Romane um den kühl kalkulierenden Jedermann. Der letzte, „Ripley Under Water“, erschien 1991, vier Jahre vor dem Tod der Autorin, die sich ab 1981 in der Schweiz niedergelassen hatte. Ausgehend von der Popularität Ripleys und der oft beschriebenen Exzentrik seiner Erfinderin, entwickelte die Australierin Joanna Murray-Smith das 2014 uraufgeführte Bühnenwerk „Switzerland“, das um die Arbeit an einem real nicht existierenden sechsten Ripley-Band kreist. Mit „Ein Talent fürs Morden“ kommt nun eine Adaption des Theaterstücks in die Kinos, die unter der Regie des Niederländers Anton Corbijn („A Most Wanted Man“) entstand. Murray-Smith selbst verfasste dabei das Drehbuch.
Seine Herkunft spürt man dem Stoff vor allem in der ersten halben Stunde an, die sich als mit humorvollen Spitzen gewürztes Kammerspiel präsentiert. Der aus New York kommende Verlagsmitarbeiter Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) schlägt in der Schweiz auf, wo er die zurückgezogen in ihrem Chalet wohnende Patricia Highsmith (Helen Mirren) besucht. Sein Auftrag hat es in sich: Der junge Mann soll die eigenwillige, der Welt überdrüssige Schriftstellerin davon überzeugen, noch einmal in den Kosmos Tom Ripleys zurückzukehren, einen weiteren Roman mit den Winkelzügen des so unscheinbaren Betrügers zu füllen.