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Mein Name ist Somebody: Zwei Fäuste begeistern Berlin


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Terence Hill stellt seinen neuen Film vor
 
Für ihn musste Winnetou auf Ribanna verzichten und gemeinsam mit Bud Spencer führte er eine Prügelei nach der anderen. Der 80 Jährige Mario Girotti alias Terence Hill erweist nun Berlin die Ehre und plaudert über sein außergewöhnliches Leben. Zum ersten Mal getroffen haben sich Bud Spencer und Terence Hill übrigens am Set zum Italo-Western „Gott vergibt… Django nie!“.
 
Bekannt wurden die Beiden aber eher in der Konstellation des komödiantischen Schauspielerduos, z.B. in Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ oder „Zwei außer Rand und Band“.
 
Über die Jahre wurden sie zu guten Freunden und so zeigt sich im Interview auch ein tiefbetroffener Terence Hill, der den Verlust von Bud Spencer immer noch nicht verarbeitet hat und ihn sehr vermisst. Ihm zu Ehren widmet er nun auch seinen neuen Film „Mein Name ist Somebody“ und versetzt den Zuschauer damit noch ein Mal in die guten, alten Zeiten der Western Filme.
 
Frage: Wer nennt Sie heute noch Mario Girotti und wer Terence Hill?
 
Meine Brüder nennen mich Mario und alle anderen Terence.
 
Wie sind Sie auf den Namen Terence Hill gekommen?
 
Ich habe damals eine Liste bekommen und die Anweisung, dass wir in 24 Stunden einen Namen brauchen. Ich bin dann auf eine lateinische Historie gestossen, die „Terenzio“ heisst.
 
Hill habe ich gewählt, weil man es so spricht, wie man es schreibt. Jeder kann es sagen und so war der Name „Terence Hill“ geboren.
 
Wie haben Sie ihre Jugend in Lommatzsch bei Dresden während des 2. Weltkrieges verbracht?
 
Ja, ich habe alles miterlebt in Lommatzsch. Man konnte die Bomben sehen oder wir waren im Keller und waren froh, dass nichts passiert ist. Alle hatten Angst.
 
Ich kann ihnen sagen, was nur eine Bombe mit einem Kind anrichten kann, obwohl es nicht verletzt wird: Das prägt dich für dein Leben! Ich habe viele Bücher gelesen und hatte bis ich 30 Jahre alt war noch Albträume. Man will sich gar nicht vorstellen, dass sowas auch jetzt wieder in Syrien passiert.
 
Wie oft sprechen Sie deutsch? 
 
Es ist eigentlich meine Muttersprache. Ich habe deutsch gesprochen bis ich sechs Jahre alt war. Dann bin ich wieder nach Italien gegangen und meine Mutter ist ganz jung gestorben. Deshalb habe ich die deutsche Sprache nicht mehr wirklich gesprochen.
 
Was verbinden Sie noch mit Deutschland und gefällt ihnen besonders gut?
 
Alles! Ich habe eine Cousine hier in Bayern und werde sie auch in München treffen. Wir haben viele Freunde besucht, als meine Mutter noch gelebt hat. Meine Frau hat einige Verwandte in Deutschland. Deswegen bin ich auch oft hier her gekommen und um meine Filme zu machen.
 
Welche Beziehung haben Sie zu Berlin?
 
Ich bin oft in Berlin gewesen, weil ich hier Produzenten hatte, wie z.B. Wendtlandt, Rialto, Tobis u.s.w. und sie sind dann auch nach Rom gekommen.
 
Die ersten europäischen Western sind Deutsche gewesen, nämlich die Winnetou Filme von Karl May. Die Italiener haben erst später damit begonnen, aber das wissen viele nicht. Und eigentlich habe auch ich schon in „Winnetou II“ damit angefangen.
 
Sie können reiten, schiessen, Motorrad fahren. Ist Ihnen irgendwann mal etwas nicht gelungen im Film oder haben sich sogar verletzt? 
 
Ja, in einem Wald in den Alpen. Ein Pferd hat mir ans Bein getreten und ich habe erst mal nichts gesagt. Doch dann ist es angeschwollen und der Knochen war gebrochen.
 
Es war ziemlich schlimm, denn ich bekam auch noch eine Infektion. Ich wurde insgesamt bestimmt um die 15 Mal von einem Pferd geschmissen oder von ihm getreten.
 
Sie haben seit 20 Jahren keinen Film mehr gemacht, nur Fernsehen. Warum jetzt plötzlich wieder ein Film und war es ein Herzensprojekt? 
 
Nach so vielen Jahren im Fernsehen wollte ich zurück ins Kino. Ich wollte nochmal einen Film machen, nach Almeria gehen und in Ruhe arbeiten. Mal wieder etwas erleben, so wie früher.
 
Beim TV hat man nicht so viel Zeit und muss acht Seiten am Tag lesen. Das ist hier eine ganz andere Situation (lacht). Es war wie ein Urlaub.
 
Sie haben auch das Drehbuch selbst geschrieben. Wie lange hat alles in allem gedauert?
 
Die Idee habe ich schon seit zehn Jahren, daran geschrieben etwa zweieinhalb Jahre.
 
Sie haben diesen Film ihrem Freund Bud Spencer gewidmet. Vermissen Sie ihn?
 
Ja, ich habe mich immer gefragt: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Aber dann ist etwas passiert. Wir haben nach einem Drehort gesucht und ich wollte einen Platz haben, bei dem man sich richtig fürchtet, wo man Angst bekommt.
 
Wir waren da oben in einer Höhle (zeigt auf das Filmplakat) und ich mochte den Platz, aber sagte zum Team: „Wir müssen uns noch mehr von diesem Ort ansehen.“ In diesem Moment klingelte mein Handy und es war der Sohn von Bud Spencer.
 
Er sagte mir, dass sein Vater gerade eben von uns gegangen ist. Dann war ich ganz traurig und habe es einfach nicht verstanden. Später war es aber auch wie ein Zeichen für mich und ich wusste, dass das hier der richtige Platz sein soll. Ich habe mich daran erinnert, dass ich Bud Spencer zum ersten Mal auch in Almeria getroffen habe.
 
Und so war dort der Anfang und das Ende. Wir waren sehr gute Freunde und er hat immer einen tollen Instinkt gehabt, hohe Qualität und war so intelligent. Ich wollte deswegen perfekt sein und er hat dann immer zu mir gesagt: „Hör auf, geh und mach es einfach!“
 
Sie waren lange mit Bud Spencer befreundet. War es für Sie merkwürdig einen Film ohne ihn zu drehen? 
 
Nein, denn wir haben beide auch Filme alleine gemacht und dieser Film war schon so geplant. Mit Bud Spencer wollte ich noch einen Film machen, wie „Die Gebrüder Grimm“ oder sowas ähnliches. Das wäre gut gewesen, aber leider ist das nichts mehr geworden. 
 
Wenn Bud Spencer heute hier sein könnte, was hätte er über den Film „Mein Name ist Somebody“ zu sagen?
 
Er war immer sehr stolz auf mich und er hat mich beschützt. Er hat mich gefördert und konnte selbst nie still sein. Er hat z.B. gesagt: „Oh fliegen ist schön, ich werde es lernen“ und dann konnte er fliegen und sagte: „Oh ein Helicopter, ich möchte auch das lernen“. Seine Frau hat immer mit ihm geschimpft : „Ich muss dich hier behalten, sonst hast du wieder eine neue Idee“ (lacht).
 
Früher waren Sie die lustige Nervensäge und Bud der mürrische Brummbär. In „Mein Name ist Somebody“ nehmen Sie seine Rolle ein und Lucia übernimmt ihren Part. Wollten Sie ihn mit dieser Geste ehren?
 
Nein, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich war mehr an Lucia interessiert, als an mir selbst. Es sollte eine junge Frau sein, etwas anderes als sonst. Und da fast nur noch contemporary Filme gedreht werden, musste ein Western her.
 
Warum hat Pino Donaggio die Musik für „Mein Name ist Somebody“ geschrieben? 
 
Ich habe ihn gefragt, ob er meine Musik machen würde. Es ist gut, wenn ein Charakter im Film ein Leitmotiv hat und meins hat er dann geschrieben.
 
Für Lucia wollte ich eher eine romantische, nostalgische und melancholische Melodie und habe mich für eine Piano Variante von Schubert entschieden.
 
Jetzt haben Sie von Romantik gesprochen. Was ist das Geheimnis um Ihre Ehe aufrechtzuerhalten?
 
Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und treffe immer impulsive Entscheidungen. Manchmal sollte man der Intuition mehr folgen und nicht so viel nachdenken.
 
Bud Spencer hatte in den letzten Jahren noch einen riesigen Erfolg mit seiner Autobiografie. Hat man Sie jemals gefragt ein Buch zu schreiben?
 
Ja, man hat mich schon gefragt, aber ich möchte das nicht in andere Hände geben. Du sprichst es und jemand anderes schreibt es auf. Die meisten machen das so, aber ich möchte das selber machen. Ich hab so viel zu erzählen und das in ein paar Monaten zu schreiben, ist für mich nicht richtig.
 
Ihr Alter sieht man Ihnen nicht an. Was ist Ihr Geheimnis um sich so jung zu halten?
 
Ich habe die Gene meines Vaters und 60 Jahre lang geturnt. Das war auch sehr gut, wenn ich Filme mit Bud Spencer gedreht habe, da konnte ich dann alles selbst machen.
 
Ich habe auch nie so viel gegessen, weil wir kein Geld hatten und man in Italien generell nicht so viel Fleisch gegessen hat.
 
Sie haben in Amelia eine Eisdiele namens „Gelati Girotti“. Was machen Sie dort für Eis und was ist ihre Lieblingssorte?
 
Natur Eis oder Eis ohne Milch und mein Lieblingseis ist natürlich Pistazie (lacht).
 
Was löst der noch immer andauernde Hype um ihre Person in Ihnen aus?
 
Ich bin sehr froh und dankbar. Was mir an dem Hype besonders gut gefällt, ist dass mich die Menschen nicht als Star sehen, sondern eher als guten Freund. Das habe ich jetzt auch wieder in Dresden beobachtet und das macht mich wirklich zufrieden.
 
 
 
Sich mit Terence Hill zum Interview zu treffen, ist als ob man sich mit einem Freund zum Eis essen verabredet. Da sitzt zwar eine Legende auf dem Stuhl, das Gespräch fühlt sich allerdings ganz normal an.
 
Die Aufregung verfliegt nach Sekunden und man hängt gebannt an seien Lippen. So viele Generationen hat die Schauspielikone mit seinen Filmen begeistert und begeistert auch weiterhin mit seiner aufgeschlossenen Art und lustigen Anekdoten. Welcher Star würde schon ein Interview komplett auf deutsch geben, obwohl es für ihn auf englisch so viel leichter wäre.
 
Das ist einzigartig, macht ihn noch nahbarer für seine Fans und zeugt von seinem großen Respekt für dieses Land. Er weiss genau, was er Deutschland zu verdanken hat, denn mit „Winnetou II“ fing hier damals seine ganz große Karriere an.
 
„Mein Name ist Somebody“ mit Terence Hill läuft seit dem 23. August 2018 im Kino.
 
 Autorin: Vivien Albeck
 
 
 
 
 
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