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***Verräter wie wir***


vww kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Spionagethriller liegen den Briten einfach. Selbst, wenn man die bisherigen 24 Bond-Streifen weglässt, lassen sich allein die jüngeren Werke wie „Codename UNCLE“, „The Imitation Game“ oder „Kingsman“ finden. „Verräter wie wir“, basierend auf dem Roman von „Dame, König, As, Spion“-Autor John Le Carré, reiht sich darunter nur für die Statistik ein. Denn der Unterhaltungswert geht dem durchgehend langweiligen Thriller gänzlich verloren.
 
Eigentlich wollen Perry (Ewan McGregor) und Gail (Naomie Harris) in Marokko nur Urlaub machen, doch dann lernen sie den charismatischen Dima (Stellan Skarsgård) kennen und schnell entsteht eine Freundschaft, die bald in einem Spiel um Leben und Tod endet. Dima ist nämlich ein Geldwäscher der russischen Mafia und die hat es nun auf ihn abgesehen. Um Asyl der britischen Regierung zu erlangen, bietet Dima dieser wertvolle Informationen der Mafia an.
 
MI-6 Agent Hector (Damian Lewis) stellt sich jedoch quer und stellt das Vertrauen des millionenschweren Familienvaters in Frage. Perry scheint der Einzige zu sein, der zu Dima hält und obwohl er sich längst aus der Sache raushalten könnte, beschließt er, seinem neuen Freund zu helfen…
 
 
Reden statt schießen
 
Als Dima im Laufe des Films Perry fragt, warum er ihm denn eigentlich hilft, lautet dessen Antwort: „Ich weiß es nicht.“ Besser könnte Ewan Mcgregor nicht in diesem Moment es auf den Punkt bringen und man stellt sich dabei die Frage, ob Autor und Regisseurin ihren Film überhaupt ernst nehmen.
 
Bereits in dieser zusammenfassenden Synopsis lassen sich lauter Ungereimtheiten im Plot ausmachen. „Verräter wie wir“ will ein extrem spannender und realistischer Spionage-Thriller sein, der ganz ohne Agenten-Klischees wie Schießereien, Verfolgungsjagden und in riesigen Einrichtungen hausierenden Superbösewichten auskommen will. Der Fokus liegt stattdessen auf den Charakteren und ihren Beziehungen, doch genau hier liegt der Knackpunkt. Regisseurin Sausanna White begeht den eklatanten und vielleicht größt möglichen Film-Fehler. Die Figuren und ihre Schicksale sind uns nämlich völlig egal.
 
„Verräter wie wir“ bezieht seinen Konflikt und die gewollte Spannung auf die Frage, was mit Dima und seiner Familie passiert. Doch hier müssen wir ehrlich sagen, dass es uns einfach nicht interessiert, ob ein schwer reicher Krimineller, der seiner Tochter ein Kamel mit Goldketten zum Geburtstag schenkt, Schutz in England gewährt wird. Warum der von Ewan McGregor („Star Wars“) verkörperte Protagonist Perry bis zum Ende diesem auch noch hilft, bleibt zudem ebenso rätselhaft wie die Frage, weshalb Dima nicht einfach sein riesiges Vermögen verwendet, um sich seinen Schutz zu erkaufen (und warum muss es gerade das britische Königreich sein?).
 
Als Antwort auf all das bedient sich der Film bei Dimas Kindern. Eine so liebenswerte Familie, die kann man schließlich nicht im Stich lassen. Genauso eindimensional agieren dann die Charaktere, die zu keiner Sekunde unsere Empathie und Sympathie gewinnen. Die Folge ist ein unvorstellbar langweiliger Plot, der sich selbst kaum auf den wackeligen Beinen halten kann und mit starken Längen daherkommt.
 
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Zähe Kost
 
Möchte man sich nun Lichtblicke herausfiltern, kann man diese zum Beispiel in der Performance von Stellan Skarsgård („Verblendung“, „Thor“) ausmachen. Auch, wenn uns wie gesagt sein Charakter Dima alles andere als begeistert, kann Skarsgård ihn mit Leben füllen. Auch „Homeland“-Star Damian Lewis macht eine ordentliche Figur, ist sein undurchschaubarer MI6-Agent zumindest die spannendste Figur in der Geschichte. Die Hauptdarsteller Ewan McGregor und Naomie Harris bleiben dagegen ziemlich blass und schaffen einfach nie einen Bezug zum Zuschauer.
 
Die 108 Minuten Laufzeit, die auf uns wie 160 wirkten, werden zum Großteil von Dialogen dominiert, denen es leider an aussagekräftigen Zeilen und Substanz fehlt. So fällt es dem Betrachter schwer, dem Geschehen zu folgen. Die Romanvorlage mag da wahrscheinlich deutlich ausgeklügelter sein, gut umgesetzt wurde sie in diesem Fall nicht.
 
Zudem vermisst man als Zuschauer die in einem Thriller üblichen Wendungen und Überraschungen. Hier kratzt der Film gegen Ende zumindest mal etwas an der Oberfläche, für die gesetzten Ansprüche reicht das allerdings bei Weitem nicht.
 
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Fazit
 
Überwiegend seichter Thriller ohne Tiefgang, für den ein Kinobesuch wohl nur wegen der hochkarätigen Starbesetzung lohnt.
 
 
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