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***The Revenant***

trdr kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Anfang 2015 bescherte uns der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu (21 Gramm, Babel) mit seiner höchst eigensinnigen Satire „Birdman“ den zugleich folgenden Oscar-Gewinner (Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Kamera). Das neue Werk „The Revenant“ gilt nun als ebenso heißer Kandidat, allen voran dank Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio. Inhaltlich könnten beide Filme jedoch unterschiedlicher nicht sein.
 
Der Wilde Westen der 1820er Jahre fällt in „The Revenant“ ganz anders aus als allgemein hin vorgegaukelt. Statt in romantischer Prärie, spielt die Handlung in einer eiskalten schneebedeckten Waldlandschaft, durch die sich ein Jägertrupp unter dem Anführer Henry (Domhnall Gleeson) auf der Suche nach wertvollen Tierfellen durchschlagen muss.
 
Größter Widersacher sind dabei die ansässigen Indianer, die zu Beginn die Gruppe angreifen und deutlich dezimieren. Unter den Trappern ist auch Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der mit seinem Gespür für Taktik und Fährten zwar Respekt erntet, aber durch seinen halbindianischen Sohn Hawk (Forrest Goodluck) genauso auch Abneigung erfährt. Vor allem der Indianer-Hasser John Fritzgerald (Tom Hardy) kann es so gar nicht leiden, dass Hawk die Gruppe begleitet.
 
Während der Flucht vor den Indianern wird Hugh Glass schließlich von einem Bären angegriffen und schwer verwundet. Seine Männer halten seine Situation für aussichtslos und so tötet Fritzgerald Hawk und begräbt dessen wehrlosen Vater bei lebendigem Leibe. Als Hugh sich unter Qualen befreien kann, gibt es für ihn nur noch einen Zweck, sich allein und schwer verletzt durch die Wildnis zu schlagen: Rache für seinen getöteten Sohn nehmen.

 
Ästhetische Bilder und lebendige Kamera
 
Regisseur Alejandro González Iñárritu dreht stets sehr unterschiedliche Filme, die sich dann nochmal deutlich von normalen Blockbustern unterscheiden. Seit „Birdman“ ist der Mexikaner neuerdings nicht mehr nur noch in Cannes, sondern auch im Hollywood-Oscar-Olymp angekommen. Dabei werden seine Werke etwas überschätzt. „Birdman“ war wie die Filme davor zwar sehr gelungen, zum großen Kunstwerk, wie sich Iñárritu-Filme gerne inszenieren, reicht das aber nicht.
 
„The Revenant“ ist nun nochmal eine kleine Steigerung und markiert den wohl besten Iñárritu-Film. Natürlich ist das zu einem Großteil Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio zu verdanken, doch der eigentliche Star des Films ist ein ganz anderer. Kameramann Emmanuel Lubezki liefert wie schon in „Gravity“ und „Birdman“ eine so erstaunliche Arbeit ab, das man sich gar nicht vorstellen kann, dass die Kamera eigentlich von einer Person geführt wird.
 
Lubezkis Kamera scheint nämlich einfach durch die Szenen geradezu ästhetisch ruhig zu schweben. Selbst in den rasantesten Kampfszenen verfällt sie nie der Hektik, sondern hält stets das langsame geschmeidige Tempo und verliert dennoch nie die Aktion aus den „Augen“. Wo andere Filmemacher hier zur Handkamera und einem Stakkato-Schnitt greifen, schwenkt Lubezki das Bild und behält die Perspektive bei. Wie schon dem Norweger Sturla Brandth Grøvlen beim deutschen Geniestreich „Victoria“ gelingt Lubezki das Kunstwerk, die Kamera lebendig werden zu lassen.
 
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Regisseur Iñárritu trägt viel dazu bei, denn „The Revenant“ steckt voller Plansequenzen. Fast jede Szene kommt eigentlich ohne Schnitte aus, welche meist nur zur Über- und Einleitung anderer Handlungsstränge dienen. Zudem verzichtete Iñárritu beim Dreh komplett auf eine künstliche Beleuchtung, was für einen Film dieser Größe eigentlich undenkbar ist. So ist jede Szene ausschließlich durch natürliches Licht ausgeleuchtet, was überraschenderweise voll aufgeht. Optisch ist „The Revenant“ wahrlich brillant geworden. Den nächsten Oscar für die Kamera hat Lubezki jedenfalls wohl schon in der Tasche.
 
Ohne Worte zum Oscar?
 
Noch gar keinen Oscar in der Tasche hat dagegen Leonardo DiCaprio, was spätestens seit der Bravour-Performance in Martin Scorceses Meisterwerk „The Wolf of Wallstreet“ mehr als unverständlich ist. In „The Revenant“ knüpft er jedenfalls mühelos an seine vorherigen Leistungen an und legt abermals eine Energie an den Tag, die ihresgleichen sucht. Der Zuschauer leidet mit Hugh Glass pausenlos mit und das auch in einer wirklich einzigartigen Form. Selten war das Zusehen bei einem Survival-Film so schwer wie hier. „The Revenant“ kommt absolut kompromisslos brachial daher. Es gibt nichts zu lachen, nichts zu feiern und nichts zu erfreuen. Höhepunkt und der wohl brutalste Moment ist die Bärenattacke auf Hugh, die zwar zum Großteil am Computer entstand, jedoch nichts dabei an Härte einbüßt.
 
DiCaprio spielt in seinem Überlebenskampf ganz groß auf und ist sich für nichts zu schade, kommt dabei jedoch fast komplett ohne Text aus. Das hat durch die Verletzung des Bärs auch einen plausiblen Grund. Umso mehr geht einem DiCaprios Performance nahe. „The Revenant“ ist kein Film der vielen Worte und die braucht es auch gar nicht.
 
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Es mangelt aber nicht nur an Worten, sondern auch an Profil. Über die Figuren erfährt man jedenfalls wenig bis nichts. Selbst Hauptfigur Hugh Glass weißt kaum Profil oder Charisma auf. „The Revenant“ lebt fast ausschließlich vom Rache-Motiv, das simpel wie effektiv ist. So fällt einem erst bei genauerem Nachdenken eigentlich auf, wie wenig Handlung in Iñárritus neuem Film steckt. Auch Tom Hardy als Oberbösewicht Fritzgerald dient eigentlich nur dem Zweck und rückt weitestgehend in den Hintergrund. Der wahre Antagonist für DiCaprios Figur ist ohnehin die Natur, die sich zwischen ihn und seinem Ziel stellt.
 

Fazit

Technisch und inszenatorisch ist „The Revenant“ also ganz große Klasse und auch die sehr elliptische Erzählweise mit dem Reduzieren auf das Wesentliche ist zu begrüßen. Für den ganz großen Wurf reicht es durch die dennoch fehlende Tiefe und einige Längen dann aber doch nicht, wohl aber für einen der jetzt schon besten Filme 2016.
 
 
 
 
 
 
 
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