*** Ocean´s 8 ***

 
oc8 kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Sandra Bullock, Cate Blanchett und ihre Crew treten in „Ocean’s 8“ nicht einfach bloß in die Fußstapfen von George Clooney, Brad Pitt und Co. Sie gehen in ihren eigenen Weg. Und das in High Heels.
 
Es liegt in der Familie …
 
Debbie Ocean (Sandra Bullock), die kleine Schwester des großen Danny Ocean, wird aus der Haft entlassen. Lange bleibt sie nicht ehrlich, was vielleicht auch daran liegt, dass sie es gar nicht erst versucht. Ihre alte Freundin Lou (Cate Blanchett) soll ihr helfen ein Team zusammenzustellen. Zusammen mit ihren Komplizinnen will sie auf einer Veranstaltung im Metropolitan Museum auf Art in New York ein Diamantencollier im Wert von 150 Millionen Dollar stehlen. Aber das ist nur ein Teil ihres Plans …
 
11, 12, 13 und dann kommt 8
 
Steven Soderbergh hat vor einigen Jahren mit seinem Remake von „Frankie und seine Spießgesellen“ (so der deutsche Titel des Originals mit Frank Sinatra) ein Franchise begründet. George Clooney und seine Truppe haben nach zwei Fortsetzungen nun Platz gemacht für die Damenmannschaft. Aber auch Steven Soderbergh hat den Regiestuhl geräumt. Und das ist gut so. Gary Ross („Seabiscuit“) schafft es als Regisseur und Co-Autor, dem Geist der Soderbergh-Filme treu zu bleiben, ohne sie zu kopieren.
 
 
Die Dialogszenen sind flott und trotzdem verständlich inszeniert. Während der Vorbereitungen, während des Überfalls und auch danach verzichtet man in diesem Film weitgehend auf langweilige Erklärungen. Die Filmemacher trauen dem Publikum zu, selbst zu erkennen, was auf der Leinwand passiert. In einer Zeit, in der man uns in Hollywood-Filmen regelmäßig erst erklärt was wir dann gezeigt bekommen um es uns danach nochmal zu erklären, ist das eine angenehme Abwechslung. Es kommt einem fast so vor, als hätten intelligente, gebildete Erwachsene einen Film für intelligente, gebildete Erwachsene gedreht.
 
Daran hat auch das Drehbuch großen Anteil. Die Dialoge sind auf eine smarte Art und Weise witzig. Selbst Rihannas Figur wirkt, als wüsste sie was sie tut. (Im echten Leben erweckt Rihanna diesen Eindruck ja nur selten.) Dieser Film ist nicht brüllend komisch, er möchte uns zum Schmunzeln bringen. Die Gags sind teilweise so subtil, dass sie fast untergehen. So ist z.B. der Name des Tarn-Catering-Unternehmens einem Musical nach einem Buch von Charles Dickens entnommen. Und einen der coolsten Lacher erntet Mindy Kalings Figur, als sie an genau der richtigen Stelle auf genau die richtige Art bloß „Oui“ sagt. Aber auch feine Sozialkritik hat ihren Platz in dieser Geschichte, wenn die Damen darüber sprechen, dass der Coup unter anderem deshalb von einem rein weiblichen Team umgesetzt werden muss, weil Frauen ohnehin immer ignoriert werden.
 
Das Produktionsniveau ist in jeder Hinsicht vom Feinsten. Weite Teile des Films wurden im Metropolitan Museum of Art in Ney York City gedreht (für die weniger Kunstbegeisterten: Will Smiths Fischteich in „I am Legend“). Selten wurde ein Drehort so gut in Szene gesetzt wie hier. Aber auch Bergdorf Goodman (Bekannt aus „Arthur“ mit Dudley Moore), das Plaza („Crocodile Dundee“, „Der Duft der Frauen“, …) und andere New Yorker Locations bilden eine großartige Kulisse.
 
01 ©2018 Warner Bros Pictures02 ©2018 Warner Bros Pictures03 ©2018 Warner Bros Pictures05 ©2018 Warner Bros Pictures
 
Die Kostümbildner zeigen nicht nur in den Galaszenen ihr Können. Die Damen sehen je nach Situation abwechselnd lässig oder elegant aber immer atemberaubend aus. Der Maskenbildner von Sandra Bullock hätte ein- oder zweimal ein bisschen zurückhaltender arbeiten können, aber Abschmink-Schwamm drüber. Kamera, Schnitt und Ton arbeiten auf Soderbergh-Niveau. Sogar der Soundtrack fängt immer perfekt die Stimmung der einzelnen Szenen ein.
 
Debbie und ihre Spießgesellinnen
 
Die größte Stärke des Films ist aber die Besetzung. Sandra Bullock wirkt ebenso souverän wie ihr großer Bruder. Am Ende des Films ist sie aber nur eine der drei besten Damen.
 
Cate Blanchett ist eine Göttin des Schauspiels. Die Rolle, die sie sich nicht zu eigen machen kann, muss erst noch geschrieben werden. Wenn sie hier bedauernswert wenige Szenen hat, ist das ein Glück für Bullock und den Rest der Damen, weil sie jede einzelne dieser Szenen dominiert. Blanchett wirkt hier so cool, dass man sich fragen muss, wann wir sie endlich mal als Actionheldin zu sehen bekommen? Warum lässt man einen müden Bruce Willis eine alte Rolle von Charles Bronson spielen, wenn man doch Cate Blanchett als Jane McClane in einem Remake von „Die Hard“ besetzen könnte?
 
Helena Bonham Carter zeigt in einer großartigen Parodie auf Vivienne Westwood, dass sie auch herrlich schräge Charaktere spielen kann wenn mal nicht ihr Exmann Regie führt.
 
Mindy Kaling ist eine Großmeisterin des Comedy-Timings. Awkwafina spielt eine Taschendiebin mit schnellem Mundwerk und noch schnelleren Fingern. Von Sarah Paulson als Suburban-Mom mit dunkler Vergangenheit hätten wir gerne mehr gesehen. Und auch Rihanna schlägt sich wacker.
 
Herrlich komisch ist vor allem Anne Hathaway als selbstverliebte Hollywood-Diva. In einem Interview meinte sie, der Schlüssel zu ihrer Rolle sei die Vorstellung, wie sie sich wohl entwickelt hätte, wenn sie Ruhm für etwas Reales halten würde. Wir sehen also Anne Hathaway, wie sie eine schräge Version von Anne Hathaway spielt. Und das ist einfach wunderbar anzusehen.
 
Fazit
 
„Ocean’s 8“ ist witzige Unterhaltung auf sehr hohem Niveau. Am Ende hofft man dann auf „Ocean’s 9“ und „Ocean’s 10“. Oder ist als nächstes Nummer 14 dran?
 
 
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