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*** Midway: Für die Freiheit ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Was haben Japaner seit neuesten mit Aliens, Godzilla, steinzeitlichen Sklavenhändlern, dem Wetter und dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses gemeinsam? Sie alle waren schon mal die Bösewichte in einem Roland-Emmerich-Film.
 
1942
 
Kurz nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor hatte die US-Marine hat zu wenig Schiffe, zu wenig Flugzeuge und zu wenig Männer im Pazifik. Es drohte ein Sieg der Japanischen Flotte. Die Schlacht um Midway brachte innerhalb von zwei Tagen im Juni 1942 die Kehrtwende. Die Japaner verloren vier ihrer sechs Flugzeugträger und einen großen Teil ihrer Piloten. Roland Emmerich erzählt in seinem neuen Film seine Version dieser Geschichte.
 
Filme dieser Art beanspruchen für sich oft “based on a true story“ zu sein. Diese Formulierung ist vage genug, um Filmemachern Spielraum zu lassen. In Emmerichs Film wird gleich zu Beginn eingeblendet, es würde sich hier um „true account“ also einen wahrheitsgetreuen Bericht handeln. Aber bereits in einer frühen Szene sehen wir Admiral Yamamoto, wie er vom Angriff auf Pearl Harbor aus dem Radio erfährt. Sollen wir wirklich glauben, einer der wichtigsten und hochrangigsten Offiziere der japanischen Marine hätte an diesem Tag daheim Tee getrunken? Und warum ist einer der besten Piloten der US-Marine während einer der anspruchsvollsten und gefährlichsten Phasen des Pazifikkrieges regelmäßig daheim bei seiner Frau zu sehen? Wird der auf seinem Flugzeugträger gar nicht gebraucht?
 

 
Emmerich hat auch in anderer Hinsicht hohe Ansprüche. Im Interview meint er, seinen Spezialisten für visuelle Effekte vor Drehbeginn klar gemacht zu habe: „Wenn der Film nicht echt aussieht, können wir alle nach Hause gehen“. Nun die Qualität der Szenen rund um die Schlacht von Midway ist im Großen und Ganzen nicht schlecht ausgefallen. Nicht atemberaubend, aber auch nicht schlecht. Aber zu Beginn des Films wird auch der Angriff auf Pearl Harbor gezeigt. Und der Großteil der Effekte in dieser Sequenz wirkt kein bisschen überzeugend. Ganz allgemein haben weite Teile des Films keinen realistischen Look, sondern eher einen der an Filme wie „300“ erinnert. Dieser Look mag einem gefallen oder nicht. Besonders realistisch wirkt er aber sicher nicht.
 
Am Ende des Films lesen wir, der Film sei den amerikanischen und japanischen Soldaten gewidmet, die in diesem Konflikt gekämpft haben. Aber sowohl die eine als auch die andere Seite wird nicht anders dargestellt als in unzähligen anderen Filmen der letzten 70 Jahre. Auf amerikanischer Seite haben wir das coole Fliegerass, den verantwortungsbewussten vorgesetzten Offizier, den brillanten Analytiker und den Befehlshaber der alles für seine Männer geben würde. Auf japanischer Seite haben wir jede Menge überhebliche Kriegstreiber, die nicht auf wenigen Stimmen der Vernunft hören wollen. Und alle Japaner sind ganz wild darauf für den Kaiser zu sterben, gerne auch durch Selbstmord.
 
War! What is it good for?
 
Nach Filmen wie „Dunkirk“ und „Flags of our Fathers“ erscheint der Wahrheitsanspruch von „Midway“ ein wenig arg hochgegriffen. Selbst die Luftkampfszenen in „Tora! Tora! Tora!“ von 1970 wirkten nie so künstlich, wie manche Einstellungen dieses neuen Films. Und nachdem Clint Eastwood in „Letters from Iwo Jima“ die japanischen Soldaten als echte Menschen dargestellt hat, die ebenso geträumt, gehofft und gelitten haben wie die amerikanischen GIs, wird der Gegner in Emmerichs Film leider zu klischeehaft und altmodisch dargestellt.
 
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Alles an dem Film wirkt, als wäre der Film einige Jahrzehnte zu spät ins Kino gekommen. Emmerichs Regie, das Drehbuch, die Charaktere … alles wirkt furchtbar altmodisch. Das Fliegerass kaut Kaugummi, die resolute Ehefrau hält daheim die Stellung, Kriegswitwen trauern standhaft und irgendwann blickt man am Flugzeugträger in die Dämmerung und wartet auf das verschollen geglaubte Flugzeug des Helden. In dieser Szene hätte nur noch ein den Himmel anheulender Hund gefehlt, wie anno damals in „Luftschlacht um England“.
 
Anchors Aweigh
 
Emmerich hat die Besetzung hochkarätig zusammengestellt und den Darstellern dann zum großen Teil kaum etwas zu tun gegeben. Woody Harrelson hat bereits reale Vorbilder verkörpert und in „Larry Flint – Die nackte Wahrheit“, „Game Change“ und „LBJ“ jedes Mal beeindruckendes geleistet. Hier gibt man ihm als Admiral Nimitz kaum etwas zu tun. Wir erfahren nichts über den brillanten Strategen oder auch nur über den Menschen Nimitz.
 
Die Geschichte von Edwin Layton, Chef von Nimitz’ Nachrichtendienst, hätte einen eigenen Film verdient. Patrick Wilsons hat in der Rolle vor allem besorgt zu sein. Nick Jonas schlägt sich wacker in einer Rolle, die direkt aus einem Film der 50er-Jahre stammt. Dennis Quaid gibt den Kommandanten, der sich für seine Mannschaft aufarbeitet. Luke Evans spielt die alte Rolle eines Vorgesetzten, der einen seiner Piloten immer wieder tadelt und bremst, um dann doch zugeben zu müssen, dass eben dieser Pilot der Beste ist.
 
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Und dieser Beste der Besten war Richard Halsey Best. Auch diese Rolle ist eine Ansammlung von Klischees: Der Pilot zeigt zu Anfang des Films im Training ein Kunststück, für das er gerügt wird. Wer will wetten, ob er mit dem gleichen Kunststück am Ende des Films im Einsatz Leben retten wird? Niemand?
 
Dann will wohl auch niemand wetten, ob er die persönliche Krise gegen Ende des zweiten Aktes rechtzeitig überwindet, um im dritten Akt Heldentaten zu vollbringen. Ed Skrein (Francis … Verzeihung, Ajax aus „Deadpool“) macht das Beste aus dieser Rolle. Skrein, bei uns bisher nur aus Nebenrollen bekannt, ist der geborene „leading man“. Seinen unbändigen Charme und sein Charisma darf er hoffentlich bald in einer besseren Hauptrolle wieder zeigen.
 
Fazit
 
Brauchen wir noch einen Film, indem die Japaner die Bösen sind und die Amerikaner die Guten? Brauchen wir noch einen Film mit passablen Schlachten und klischeehaften Charakteren? „Midway“ bietet nichts Neues und nichts Besonderes. Und das macht ihn zu einem ziemlich überflüssigen Film.
 
 
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