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*** Jurassic World: Das gefallene Königreich ***


 
jw2 kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Als „Jurassic Park“ vor 25 Jahren rauskam, war das etwas ganz Besonderes. Damals kamen aber auch bloß ein bis zwei Blockbuster pro Jahr ins Kino. Heute sind es ein bis zwei pro Woche. Gibt es also etwas, das „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ zu etwas ganz Besonderem macht?
 
Warum hört nie jemand auf Jeff Goldblum?
 
Die Handlung der Fortsetzung setzt einen Tag nach dem Ende des ersten Teils ein. Der amerikanische Präsident (gespielt von Stanley Anderson) berät mit seinem Krisenstab, wie man die Situation auf der Isla Nublar in den Griff bekommen kann. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) wiederholt alle seine Argumente von 1993. Danach gibt der Präsident den Befehl, den er von Anfang an geben wollte und Luftwaffe und Marine bombardieren die Insel so lange bis dort nicht mal mehr eine Mücke lebt, die vielleicht einen Dinosaurier gestochen haben könnte. Die Dinos sind alle tot und endlich ist Ruhe.
 
Gut, ich gebe es zu: diese Handlung habe ich mir ausgedacht. Aber bloß weil die tatsächliche Handlung von „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ so lächerlich ist, dass man sich darüber nicht mehr lustig machen kann.
 
 
Die Erbschleicher von Michael Crichton
 
Blockbuster gibt es nun seit über 40 Jahren. Und natürlich ist die Handlung der meisten Blockbuster lächerlich. „Der weiße Hai“ hätte ja wirklich mal woanders hinschwimmen können. Der Atlantik ist schließlich groß genug. Und „E.T.“ hat erst das Weltall durchquert um dann von seinen Freunden vergessen zu werden. Zählen die Extraterrestrischen nicht nach, ob alle an Bord sind, bevor sie wieder aufbrechen? Aber was sich die Autoren Colin Trevorrow („The Book of Henry“) und Derek Connolly (Kong: Skull Island“) hier aus den Fingern gesogen haben, geht auf keine Saurierhaut. John Belushis lange Reihe lächerlicher Entschuldigungen in „Blues Brothers“ klingt dagegen richtig plausibel.
 
Die Heldin Claire (Bryce Dallas Howard), die im ersten Teil noch die knallharte Managerin des Saurierparks war, leitet nun eine Organisation, die sich für die Rettung eben dieser Klongeschöpfe einsetzt. Warum ihr daran so viel liegt, bleibt unklar. Dafür gehen sie und ihr Exfreund Owen (Chris Pratt) einen Deal mit einem Geschäftsmann ein, dem das Wort „Betrüger“ in Neonbuchstaben auf die Stirn geschrieben steht. (Verzeihung, aber das war kein Spoiler. Jeder, der in seinem Leben auch nur einen einzigen Film gesehen hat, weiß in der ersten Szene sofort, was es mit dieser Figur auf sich haben wird.). Auf der Insel treffen sie auf eine Söldnertruppe, deren wahre Absichten niemandem auch nur eine Sekunde unklar bleiben können. Dann bricht der Vulkan auf der Insel aus.
 
Dann muss ein gefährlicher Dinosaurier operiert werden, wozu man erst einem noch gefährlicheren Dino Blut abzapfen muss. Dann bringen die Bösewichter all die gefährlichen Dinos in eine geheime Einrichtung, in der schon ein noch viel gefährlicherer Dino wartet. Dann bricht erst der ganz gefährliche Dino aus. Dann bricht ein anderer auch recht gefährlicher Dino aus. Dann brechen ganz viele Dinos aus, manche gefährlich, andere weniger. Dann bricht auch noch ein Feuer aus. Irgendwann habe ich den Überblick verloren, aber es könnte sein, dass tatsächlich noch ein alter Freund von auswärts zu Besuch kommt. Vielleicht ist da auch ein Erdbeben. Und eine schreckliche Flutwelle...
 
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Früher war mehr Wissenschaft …
 
1993 waren die Helden in „Jurassic Park“ noch Wissenschaftler. In dem Film waren damals tatsächlich intelligente Menschen schuldlos in Gefahr geraten. 2018 bekommen wir in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ keine einzige Person gezeigt, die einen IQ hat, der dem eines Brontosauriers ebenbürtig wäre. Den schlauen Deal, den die Heldin zu Beginn eingeht, haben wir bereits erwähnt.
 
Der Held wiederum kommt den Bösewichtern erst auf die Schliche, nachdem diese zum wiederholten Mal deutlich gemacht haben, warum sie auf der Insel sind. Ein Überlebensexperte hat nie gelernt, wie unterschiedlich Betäubungsmittel auf Dinos unterschiedlicher Größe wirken. Söldner lagern explosive Stoffe offen in Sichtweite eines aktiven Vulkans. Seeleute stechen mit ihrem Schiff in See, ohne vorher die Ladeluke zu schließen. Am schlimmsten trifft es aber den armen James Cromwell. Dieser großartige Schauspieler hat im Laufe seiner Karriere die verschiedensten Charaktere verkörpert. Aber noch nie, nicht mal in „Eine Leiche zum Dessert“, musste er einen so dummen Menschen spielen. Wir merken uns: wenn man jemanden eines schlimmen Verbrechens bezichtigt, sollte man diese Person niemals auffordern, doch bitte selbst die Polizei zu rufen.
 
Das Leben findet immer einen Weg
 
Dabei hätten wir hier alle Zutaten zu einem großartigen Film. Die Spezialeffekte sind fantastisch. Vor fünfundzwanzig Jahren waren wir alle begeistert, als eine Herde von Dinosauriern in Formation über eine Ebene galoppierte. Hier sehen wir nun ungefähr ein Dutzend verschiedene Spezies kreuz und quer durcheinanderlaufen, -springen und –kämpfen, während überall Lavabrocken vom Himmel fallen und die Helden in einer Glaskugel durchs Geschehen stürzen.
 
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Hawaii bildet wieder die grandiose Kulisse für die Szenen auf der Insel. Aber das Labor der Bösewichter erinnert dann doch zu sehr an den Unterschlupf eines der langweiligeren Bond-Schurken.
 
Die Regie zeigt interessante Einfälle: In einer beeindruckenden Szene sehen wir einen großen Sauropoden in der Asche des Vulkans sterben und bekommen so das Aussterben der Saurier als Einzelschicksal gezeigt. Die Actionsequenzen sind teilweise extrem spannend gestaltet. Eine Unterwassersequenz ist nicht nur für die Mitwirkenden atemberaubend. Andere Szenen wiederum sind so konventionell inszeniert, dass es zum Gähnen reizt.
 
Für die Schauspieler hatten weder Regisseur J.A. Bayonna noch die Drehbuchautoren viel Verwendung. Chris Pratt spielt irgendeine Art Experten. Das einzige worüber er im Film Bescheid zu wissen scheint, ist Gymnastik. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft er vor einer Gefahr flüchtend lässig über flache Oberflächen rutscht. Bryce Dallas Howards Rolle ist keine echte Person, noch nicht einmal ein Charakter, sondern bloß ein Handlungselement. Und nicht einmal ein wichtiges. Dann sind da noch ein Opa, eine Hipster-Veterinärin, ein IT-Spezialist und ein Kind. Es wird also jede Zielgruppe angesprochen. Vor allem das Kind trägt praktisch nichts zur Handlung bei.
 
Fazit
 
Der ganze Film wirkt ein bisschen wie die Szene nach dem Abspann: Ähnliches haben wir allein im letzten Jahr schon mehrmals witziger und origineller gesehen. Und so rechtfertigt das Ergebnis den ganzen Aufwand nicht.
 
 
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