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***Daddy´s Home***

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Autor: Manuel Boecker
 
Stiefvater vs. biologischer Vater und ihre Bemühungen zwischen Anbiederung und Akzeptanz bei den Kindern: „Daddy´s Home“ wildert mal albern, mal rührend an der Patchwork-Familienfront, doch die neue (Anti)-Buddy-Komödie von Sean Anders köchelt zu oft auf Sparflamme.
 
Schwer nachvollziehbar, denn eigentlich haben die Macher alles richtig gemacht: Ein Komödienplot, dessen komisches Konfliktpotenzial in einem Satz auf den Punkt gebracht werden kann und zwei Hauptdarsteller, deren Zusammenspiel in „Die etwas anderen Cops“ brillant erprobt wurde. „Daddy´s Home“ schmeckt jedoch wie das halbherzig aufgewärmte Essen von gestern.
 
Der Filmtrailer von „Daddy´s Home“ verspricht eine überdrehte Slapstick-Nummern-Revue mit zwei herrlich grundverschiedenen Protagonisten. Soweit so gut. Das funktioniert auch phasenweise, etwa wenn der kreuzbrave Brad in purer Selbstüberschätzung Dustys Harley besteigt und das Motorrad Sekunden später durchs Dachfenster auf den Familienvan kracht.
 
Das mag überdreht und albern wirken, legt die komische Latte aber hoch an. Doch der Film hat darüber hinaus wenig zu bieten. In zähflüssigen Dialogen wie der moderne Vater sich denn nun so verhalten sollte, schleppen sich die Figuren über vereinzelte Gag-Inseln und verzetteln sich in pädagogischen Diskursen, bevor dann endlich wieder einmal eine ersehnte Stunt-Einlage eingestreut wird. Die man aus dem Trailer dann doch lustiger in Erinnerung hat. Übrig bleibt lauwarmes Mainstream-Kino mit zwei Hauptdarstellern, die, von Regie und Drehbuch gebremst, schlicht unter ihren schauspielerischen Möglichkeiten bleiben.
 
 
Skurrilitäten, sinnfreien Wortklaubereien und Verschrobenheiten
 
Der biedere Radioproduzent Brad träumt davon, eine Karriere als Super-Daddy hinzulegen. Die angebeteten Kinder sind jedoch der Nachwuchs seiner Frau Sara und zeichnen ihren Stiefpapa auf Familienbildern bevorzugt mit einem Messer im Kopf. Als das Eis langsam zu schmelzen beginnt und Brad eine zarte Vertrauensbande zu Megan und Dylan geknüpft hat, taucht deren leiblicher Vater auf. Zwar riecht Sara den Zwist der Daddys im Voraus, doch Brad gibt sich gönnerhaft und holt den Draufgänger Dusty ahnungslos in sein Haus.
 
Gutgläubig öffnet sich Brad seinem Vorgänger und merkt nicht, wie dieser Stück für Stück an der Stellung des Hausherrn sägt, bis das von Eifersucht getriebene Buhlen um die Gunst der Kinder in Unfällen, Ausfällen und Reinfällen endet. Dustys Übergriffigkeit mündet schließlich in der Untersuchung durch einen befreundeten Urologen, um dem vermeintlich unfruchtbaren Brad doch noch die Chance auf ein eigenes Kind zu ermöglichen. Brads Eifersucht droht die Familie am Ende zu zerreißen, die genervte Sara schmeißt schließlich beide Streithammel aus dem Haus, nachdem sich erst Brad und dann auch Dusty in der Vaterrolle selbst disqualifiziert haben.
 
Das charmante Finale des Films retten dann vor allem die Kinder (Scarlett Estevez und Owen Vaccaro mit hohem „Oh wie süß-Faktor“), die beide Daddys wieder in ihr Herz schließen. Am Ende gelingt den Drehbuchautoren John Morris, Brian Burns und Sean Anders noch ein überraschender Schachzug, als Dusty durch eine Heirat selber Stiefvater und von einem stiernackigen Daddy ausgekontert wird. Das Patchwork-Familienchaos wird perfekt, als auch Brad dann endlich „echter“ und damit leiblicher Vater wird…
 
„Die etwas anderen Cops“ mit Ferrell und Wahlberg lebten 2010 von Skurrilitäten, sinnfreien Wortklaubereien und Verschrobenheiten, wie etwa den Auftritten von Eva Mendes als ultraheißer Ehefrau, die von ihrem verstaubten Gatten als farblos und schlampig abgekanzelt wird. Solche verdrehten Wahrnehmungen sind „Daddy´s Home“ völlig fremd, sämtliche Ecken und spitzfindigen Inkorrektheiten wurden im Drehbuch so abgeschliffen, dass am Ende ein harmloser Familienfilm auf die Leinwand kommt, dem die Bewertung „nett“ wie ein Makel anhaftet.
 
02 ©2016 Paramount Pictures03 ©2016 Paramount Pictures04 ©2016 Paramount Pictures06 ©2016 Paramount Pictures
 
Weichspüler vs. öde Rechtschaffenheit
 
Will Ferrell verleiht seinem Brad eine öde Rechtschaffenheit, die ihn, gepaart mit einer gewissen Selbstverliebtheit, über weite Strecken unsympathisch erscheinen lässt. Als sich sein Stiefsohn ein „Gespräch unter Männern“ wünscht, ist Brad so aufgekratzt über den Vertrauensbeweis, dass er schnell noch ein Selfie schießen muss und den intimen Moment blitzschnell ruiniert.
 
Als er dann noch völlig betrunken in der Basketball-Arena einer Cheerleaderin beim Freiwurfwettbewerb den Ball ins Gesicht knallt, ist es mit der Sympathie für den Spießer bei seiner Familie und auch den Zuschauern abrupt vorbei. Andocken kann man jedoch auch schwer bei Dusty (Mark Wahlberg), seinem väterlichen Gegenspieler, der als cooler Draufgänger zwar mit Erzähl- und Kampfkünsten bei den Kindern punktet.
 
Aber Wahlbergs gestählter Biker mit Kumpelattitüde durftet zu sehr nach Weichspüler, um wirklich als authentische Provokation für das Normalo-Image von Brad durchzugehen. Als Dusty am gewöhnlichen Alltag, wie dem Einreihen mit dem Auto in die Schulabholschlange, scheitert, vermischt sich die Hilflosigkeit von Rolle und Schauspieler und Wahlberg entgleitet seine Figur stellenweise wie Seife in der nassen Hand.
 
Linda Cardellini (für den deutschen Zuschauer leicht zu verwechseln mit Anne Will) spielt Sara als Sexy-Mommy mit viel Verständnis für die kindlichen Macken ihres aktuellen und abgelegten Lebensgefährten. Hannibal Buress eröffnet eine neue ethnische Humorebene, sein Onkel Griff fügt sich jedoch nahtlos in die Vorstadtnormalität ein ohne nennenswerte Akzente zu setzen. Als Brads Chef beim Radiosender fungiert Thomas Haden Church, der einerseits Brads Verhalten kritisiert und gleichzeitig auf Dustys Lockerheit abfährt und diesen gleich als Claim-Singer engagiert.
 
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Fazit
 
Man kann „Daddy´s Home“ nicht böse sein, der Film spult brav, aber mutlos, sein Programm herunter und bettelt um wohlwollende Aufnahme.
 
Doch die Enttäuschung über die verschenkten Möglichkeiten dieses Filmes überwiegen. Aber vielleicht hat der Kritiker auch eine bitterböse Parodie auf die egomane Selbstoptimierung perfektionistischer Väter im materiell überfrachteten Einfamilienhaus übersehen. Das hätte dann schon wieder was…
 
 
 
 
 
 
 
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