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*** Child´s Play ***


cplay kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Im Kinderzimmer werden wieder Messer gewetzt: Der Norweger Lars Klevberg verpasst mit „Child’s Play“ einem schrägen Horrorstreifen eine Frischzellenkur, der hierzulande als „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.
 
Spielzeug mit allen technischen Finessen
 
Nach ihrem ersten Auftritt im Jahr 1988 tauchte die blutrünstige Titelfigur in sechs weiteren Filmen auf und genießt bei manchen Genreliebhabern veritablen Kultstatus. Don Mancini, Drehbuchautor des Ursprungswerks und kreativer Kopf der ganzen Reihe, war wenig erfreut, als bekannt wurde, dass andere Produzenten, da es die Rechtelage möglich machte, eine Neuinterpretation des Originals in Angriff nehmen würden. Ohne seine Mitwirkung entstand unter der Regie von Lars Klevberg, der Anfang 2019 mit dem öden Gruselbeitrag „Polaroid“ in den deutschen Lichtspielhäusern aufschlug, ein in der heutigen Zeit angesiedeltes Remake, das sich in diversen Punkten von „Chucky – Die Mörderpuppe“ abhebt.
 
Besonders auffällig ist schon die unterschiedliche Art und Weise, wie das Böse in die Welt gelangt. War es in dem von Mancini mitgeschriebenen und von Tom Holland inszenierten Achtziger-Jahre-Schocker noch der Geist eines Serienkillers, der eine Puppe befiel, hängt das Grauen dieses Mal mit den ausbeuterischen Zuständen des globalen Kapitalismus zusammen: In einer heruntergekommenen Fabrik in Vietnam wird – natürlich kostengünstig – ein High-Tech-Spielzeug namens Buddi gefertigt, das Kindern als Freund und Wegbegleiter dienen soll. Die etwas unheimlich aussehende Puppe kann sprechen, lernt von ihrer Umwelt und verbindet sich drahtlos mit allen anderen im Haushalt befindlichen Geräten des Konzerns. Eine Art Smart-Home-Wunder für den Nachwuchs.
 

 
Als in der vietnamesischen Produktionsstätte ein Mitarbeiter von seinem Vorgesetzten übel beschimpft und gefeuert wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Aus Rache für die Entlassung deaktiviert der Betroffene bei einem Exemplar alle Sicherheitsprotokolle und Hemmschranken, um anschließend in den Tod zu springen. Die Puppe kommt nur wenig später, hübsch verpackt, in die USA und landet auf Umwegen beim 13-jährigen Andy (Gabriel Bateman), dem seine alleinerziehende Mutter Karen (Aubrey Plaza) ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk machen möchte.
 
Hat der hörgeschädigte Teenager anfangs noch seinen Spaß mit dem sich selbst Chucky (im Original gesprochen von Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill) nennenden Spielzeug und kann dank ihm sogar Kontakt zu anderen Jugendlichen in seinem Wohnhaus knüpfen, erkennt er schon bald die mörderische Seite des kleinen Kameraden. Um das Band zu Andy zu festigen, ist Chucky zu allem fähig.
 
Makabre Tötungsszenen
 
Klevberg und Drehbuchautor Tyler Burton Smith bemühen sich durchaus um anspruchsvolle erzählerische Akzente, verfolgen diese letztlich jedoch nicht konsequent genug. Neben den bereits erwähnten Seitenhieben auf die teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen in einem immer stärker globalisierten Umfeld thematisieren die Macher auch den stetig wachsenden Einfluss, den die Technik auf unser Zusammenleben und unsere Kommunikation ausübt. Bereitwillig holen wir uns Apparate in die eigenen vier Wände, die uns zu gläsernen Menschen werden lassen und alles, was wir sagen, aufzeichnen.
 
„Child’s Play“ spitzt die Gefahren dramatisch zu und konfrontiert das Publikum mit einem hochentwickelten, aber außer Kontrolle geratenen Spielzeug, das manche in der Wut getätigte Äußerungen Andys für bare Münze nimmt und entsprechend handelt. Durch zahlreiche Missverständnisse erzeugt der Film einiges an absurder Komik. Gleichzeitig ist die Vorstellung einer abhörfähigen, auf menschliche Gefühlsausbrüche reagierenden Puppe allerdings auch höchst beunruhigend. Umso bedauerlicher, dass das Skript die letzten Schritte zu einer bissigen Satire nicht gehen möchte.
 
01 ©2019 CapeLight Pictures02 ©2019 CapeLight Pictures03 ©2019 CapeLight Pictures04 ©2019 CapeLight Pictures
 
Den guten Ansätzen steht eine Reihe an klischeehaften Entscheidungen gegenüber, die dem Geschehen Relevanz rauben, die Spannung beschneiden und keine dichte Gruselstimmung aufkommen lassen. Nervig sind nicht nur einige ausgelutschte Plot-Bausteine – etwa der obligatorische Tod eines Haustiers. Zum Augenrollen verleiten ebenso ein paar arg lächerlich gezeichnete Nebenfiguren.
 
Besonders negativ ins Auge springen der lüsterne Hausmeister (Trent Redekop) und Karens durchweg unsympathischer Liebhaber (David Lewis). Vorhersehbare Buh-Effekte tragen ihren Teil dazu bei, dass „Child’s Play oftmals zu formelhaft daherkommt. Deutlich kreativer geht es jedoch in den rüden, betont absurden Tötungsszenen mit ihren makabren und bösartigen Einfällen zu. Insgesamt ist Klevbergs Remake mehr eine derbe, blutrote Komödie als ein waschechter, unter die Haut kriechender Horrorfilm.
 
Fazit
 
Trotz einiger spannender Zutaten bietet die Neuverfilmung von „Chucky – Die Mörderpuppe“ unter dem Strich nur Genredurchschnittskost.
 
 
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