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***Assassin´s Creed***

ascreed kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
2007 hat Ubisoft, einer der größten Vertreiber für Computerspiele, die Marke „Assassin´s Creed“ ins Leben gerufen, die nach mittlerweile acht Hauptspielen zu den größten Spiele-Franchises der Welt zählt. Beim derzeitigen Trend von Videospiel-Verfilmungen war eine Leinwand-Adapation nur eine Frage der Zeit und somit beschert uns Ubisoft dieses Jahr ausnahmsweise mal keinen neuen Assassinenableger für die Heimkonsole, sondern bringt das neue Kapitel der Reihe in Zusammenarbeit mit 20th Century Fox ins Kino.
 
Interessant vor allem: Die Besetzung mit Michael Fassbender in der Hauptrolle und mit Justin Kurzel ein echtes Regietalent als Strippenzieher.
 
Callum Lynch (Michael Fassbender) soll eigentlich hingerichtet werden, doch statt im Jenseits wacht der Mörder in einer futuristischen Einrichtung der Firma Abstergo unter der Leitung des Direktors Rikkin (Jeremy Irons) auf. Dessen Tochter Sofia (Marion Cotillard) leitet das Animus-Programm und will mit Hilfe von Callum den so genannten Eden-Apfel, ein mächtiges Artefakt, finden. Über den Animus kann Callum nämlich die Erinnerungen seines vor 500 Jahren verstorbenen Vorfahren Aguilar in der spanischen Inquisition erleben, welcher für die Bruderschaft der Assassinen gegen die Templer kämpfte...
 
Die Qualität der Spiele-Verfilmungen stieg dabei zuletzt deutlich an, die Zeiten der trashigen Uwe Boll-Machwerke scheinen gezählt. Das liegt speziell daran, das die Studios heutzutage eng mit den Entwicklern der Spiele zusammenarbeiten und die Autoren wie Regisseure sich mit den Marken identifizieren können. So konnte im Sommer zuletzt „Warcraft“ inhaltlich und filmisch zwar wenig überzeugen, wohl aber mit einer wahnsinnig liebevollen visuellen Umsetzung der Spielwelt punkten. Auch weil Regisseur Duncan Jones begnadeter „World of Warcraft“-Spieler ist und die Entwicklerschmiede Blizzard stets am Produktionsprozess beteiligt war.
 
 
Hohes aber unlogisches Erzähltempo
 
Bei „Assassins Creed“ ist das nun nicht anders. Ubisoft-Mitgründer Gerard Guillemot war als Produzent am ambitionierten Projekt beteiligt und legte großen Wert darauf, das die komplexe und zahlreiche Fans umfassende Serie respektvoll umgesetzt wird. Mit einem Budget von 125 Millionen Dollar gehört der Film auch zu den bisher teuersten Spiele-Umsetzungen. Das Hauptdarsteller Michael Fassbender (Macbeth) außerdem ebenfalls als Produzent mitwirken durfte, lies Großes Hoffen. Denn Fassbender trommelte nahezu die gesamte „Macbeth“-Crew zusammen. Neben Regisseur Justin Kurzel sind auch wieder Marion Cottilard, Kameramann Adam Arkapaw, Autor Michael Lesslie oder auch Komponist Jed Kurzel mit an Bord. Nach der poetischen, visuell atemberaubenden und letztlich gelungenen Shakespeare-Neuverfilmung „Macbeth“ stiegen die Erwartungen an „Assassin´s Creed“ immens an. Bekommen wir hier etwa endlich die erste richtig gute Videospiel-Verfilmung?
 
Der Australier Justin Kurzel ist ohne Frage einer der zurzeit interessantesten Regisseure und Fassbender scheint die dIdealbesetzung zu sein, doch „Assassin´s Creed“ scheitert auf ganzer Linie. Dabei beginnt der Film vielversprechend. Zunächst bekommen wir einen kleinen Einblick auf den Assassinen Aguilar in einer stimmigen Szene und springen dann in die Gegenwart, bzw. erst einmal in die junge Vergangenheit und lernen Callum Lynch in seiner Kindheit kennen. Mit einem traumatischen Ereignis bekommen wir einen ersten Bezug zum Charakter, doch sobald der erwachsene Callum bei Abstergo aufwacht und ohne weitere Erklärung in den Animus gesteckt wird, beginnen die Probleme von „Assassin´s Creed“.

Eines davon ist das Erzähltempo, welches vom Zuschauer allerhöchste Aufmerksamkeit erfordert und dazu noch voraussetzt, sich voll und Ganz auf die Geschichte einzulassen. Tut man das nicht, merkt man sofort, wie der Plot von vorne bis hinten keinen Sinn ergeben will. Natürlich sind die Geschehnisse in den Spielen auch alles andere als realistisch oder wirklich nachvollziehbar, folgen aber einer inneren Logik und werden sorgfältig eingeleitet und erklärt. In einem zweistündigen Spielfilm will das Konstrukt der Vorlage aber nicht so recht funktionieren. Viel zu hektisch werden jedenfalls die Figuren eingeführt, viel zu unruhig wird die Handlung abgearbeitet. Sinnvoll erläutert wird, wenn überhaupt, nur das Nötigste. Jemand, der bisher noch keinen Bezug zu den Spielen hatte, wird sich in der Geschichte um Callum Lynch so gar nicht zurechtfinden.
 
03 ©2016 Twentieth Century Fox04 ©2016 Twentieth Century Fox05 ©2016 Twentieth Century Fox06 ©2016 Twentieth Century Fox
 
Historische Zeitreise ohne Magie
 
Lesslie und Kurzel begehen hier auch den Fehler, die eigentlich viel interessantere Geschichte, nämlich die um Aguilar in der spanischen Inquisition, völlig zu vernachlässigen. Der Film spielt zum größten Teil in der Gegenwert und legt Callum eindeutig als Hauptcharakter an. Viel lieber wären wir jedoch in der Vergangenheit in den tollen andalusischen Kulissen, samt schön gestalteten Kostümen und Requisiten. Schließlich sind die Gegenwarts-Episoden in den „Assassins´s Creed“-Spielen ebenfalls deutlich weniger interessant und statt deren Protagonist Desmond Miles bleiben einem vielmehr die Vorfahren Ezio und Altair in Erinnerung.
 
Doch der Film streut aus der Historie nur kurze Häppchen rein und selbst in denen wird pausenlos per parallelisierender Montage auf Callum im Animus geschnitten, obwohl selbst der am wenigsten aufmerksamste Zuschauer es längst begriffen hat, das Callum das Ganze nur in einer Maschine erlebt. Überhaupt stellt sich Kurzel mit dem Schnitt selbst ein Bein. Die eigentlich toll fotografierte Action in den Assassinenkämpfen vor beeindruckenden Kulissen wird stets durch einen viel zu hektischen und unübersichtlichen Schnitt kaputt gemacht und nimmt uns jede Immersion. Theoretisch erreicht „Assassins´s Creed“ jene Schönheit und Brillanz, die schon „Macbeth“ auszeichnete, doch wo 2015 Kurzel den Bildern noch ihre nötige Zeit und Wirkung gab, wurde hier im Schneideraum jedes Potenzial zunichte gemacht.
 
Auch Justin Kurzels Bruder Jed enttäuscht mit seiner Musik, welche weder den Zauber der Original-Musik aus den Spielen von Jesper Kyd versprüht, noch eigenständig im Gedächtnis bleibt. Stattdessen herrschen sterile und monotone Töne, die die ohnehin schon langweilige Geschichte nur untermauern. Fast die ganze Zeit wird der Zuschauer mit dem tristen grauen Szenebild von Abstergo gequält, in denen Fassbender und Cotillard erschreckend ausdruckslose Figuren spielen, deren Schicksal uns schlichtweg egal ist. Nur in Ansätzen trifft der Film dabei den richtigen Ton der Vorlage, zum Beispiel wenn die Charaktere in den Vergangenheits-Episoden der Atmosphäre zugute ausschließlich spanisch sprechen oder Assassine Aguilar den in den Spielen so berühmten Todessprung vom höchsten Punkt der Stadt vollbringt.
 
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Fazit
 
Die Verfilmung der „Assassin´s Creed“-Spiele hatte viel Potenzial und deutet es auch immer wieder an. Doch statt uns mit dem Meuchelmörder Aguilar spannende Abenteuer in der Vergangenheit erleben zu lassen (Schließlich ist die Zeit um 1492 noch recht unverbraucht im Kino und dazu noch toll in Szene gesetzt), müssen wir uns fast gänzlich mit dem gähnend langweiligen Plot um den unsympathischen und nicht greifbaren Callum Lynch in der Gegenwart begnügen.
 
In den seltenen Animus-Abschnitten allerdings stört die zu schnelle Montage und macht die Atmosphäre zunichte. Trotz guter Ansätze hat sich Regisseur Kurzel und seine „Macbeth“-Crew hier selbst ein Bein gestellt und einen ambitionierten Film ordentlich versemmelt. Sehr schade.
 
 
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